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 Betreff des Beitrags: Re: Aus der Ferne (Arvaethils Geschichte)
BeitragVerfasst: So 4. Aug 2013, 11:34 
Wächter Gondors
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Dugal und Jaana erzählten nach Elphirs Worten von einer Botin, die sie in Bree erreicht habe: Maglawen mit Namen. „Maglawen?“, fragte Lanthring und schaute auf. Sie habe Arri und ihren Vater gesucht, erzählte Dugal. Um ihnen eine Botschaft zu übermitteln: „Dass Lannathron eine Armee habe, und es auf euch abgesehen habe, für Annúminas“, sagte Jaana. „Ich nehme an, damit sind diese 300 Mannen gemeint, die vorhin erwähnt wurden“, murmelte Dugal. „Dreihundert Mann sind nicht zu unterschätzen, falls erstarkter Hass und Wille sie treiben“, schätzte Lugaidh ein. „Und Aearondor sagte, er könne Lothlinn nicht mehr... spüren“, ergänzte Arri, voller Trauer und Wut. „Aber es kann doch sein das sie noch lebt. Vielleicht haben sie sie ja wirklich irgendwie betäubt, damit sie keine Gefahr mehr ist?“, sagte Widnia.

Eine Diskussion begann, was zu tun sei, und wo, und wie, und sie war nicht friedlich. „Hier können wir die Hilfe von den Dunedain erwarten, in Forochel hingegen lediglich eisige Winde, erfrorene Gliedmaßen und Nirgendspfade“, sagte Lugaidh mahnend. Sally und Arri schauten sich an. Zwei Wochen Zeit würde ihnen bleiben, schätzte Lanthring ein. „Vorsicht, ganz dünnes Eis grad“, knurrte Widnia ihn an, der nicht entgangen war, dass Lanthring ihr nicht alles gesagt hatte. Dugal mutmaßte, dass Arthaemir ein Köder für seine Tochter darstellen sollte. Jaana wies daraufhin, dass es nicht leicht sei, eine Übermacht anzugreifen und mit dem Leben davonzukommen. „Ich fürchte, ähnliches müssen wir fast riskieren, Elvelleth. Aber Ihr habt natürlich Recht“, sagte Lugaidh.

Arri hatte das Gefühl, dass ihr das Ganze entglitt. „Was meint Ihr, was passiert, wenn wir Lannathron angreifen, bevor er Annúminas erreicht?“, fragte sie fassungslos. „Wir brauchen beide, Lothlinn und meinen Vater!“ Lanthring schlug vor, seinem Vater die Botschaft zu überbringen, es sei ein Angriff auf Annúminas geplant, um ihn von den Gefangenen abzulenken. „Ihm können wir doch sowieso nicht vertrauen!“, sagte Jaana. „Mir wäre wohler wenn er in einer Zelle unter dem Turm von Tinnudir wäre...“ „Und dazu gut bewacht!“, ergänzte Lugaidh. „Oder auf dem Grund des Sees“, schlug Elphir vor. „Aye“, sagte Dugal. „Hat er direkt euch was getan? Hat er? Nein. Wenn überhaupt dann sein Vater. Und auch wenn Blut dicker als Wasser sein kann muss es nicht die gleiche Schuld tragen“, sagte Widnia wütend. „Wie lange kennt ihr diesen Mann eigentlich?!“, sagte Jaana und stand auf. Elphir stand ebenfalls auf und legte die Hand an den Schwertgriff.

„Freunde“, sagte Arri verzweifelt. „Der Mann möge hier bleiben, unter der Bedingung, dass brannon Aearondor ihn bestens bewacht“, sagte Lugaidh. Widnia knurrte nur noch. „Bin ich jetzt auch eine Verräterin?“ „Nein, natürlich nicht - aber ihr seid doch wohl offensichtlich auf seiner Seite“, entgegnete Jaana. „Und ihr verurteilt ihn und kennt ihn erst einige Augenblicke!“, gab Widnia zurück.

„Haltet ein, Freunde. Wir wollen die Opfer retten und nicht über diesen Mann diskutieren“, unterbrach Lugaidh. Sie verabredeten eine Strategie, aber Arri hätte einen Augenblick später nicht mehr sagen können, welche. Sie hatte das Gefühl, von einer Welle auf den Grund des Meeres gespült worden zu sein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus der Ferne (Arvaethils Geschichte)
BeitragVerfasst: Mo 5. Aug 2013, 21:45 
Wächter Gondors
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Arthaemir schaffte es. Auf dem Bauch hatte er mit dem Gesicht im Steinstaub gelegen und kaum Luft bekommen. Nun lag er auf dem Rücken und atmete mit Schmerzen ein. Sich umzudrehen, hatte ihn viel Kraft gekostet. Die Schellen um seine Handgelenke schnitten in die Haut. Er registrierte das wütende Brennen an den Abschürfungen, doch er registrierte es mit mildem Desinteresse. Denn nun konnte er den Himmel sehen.

Er war blau, fast violett. Nacht, die Sterne glitzerten. Wenn er den Kopf nach hinten streckte, konnte er Carnil sehen, den Stern des Krieges. Lange sah er dorthin, doch zuletzt erlahmten seine Muskeln. "Krieg", murmelte er. Seine Bewacher saßen einige Ellen entfernt. Sie hörten ihn nicht. Ein Grund, den Valar zu danken. Es gab viele Gründe, sagte er sich immer wieder. Und glaubte es nicht.

"Und wenn ich anders reagiert hätte - was hätte es geändert?" Er murmelte es mühsam in die Stoppeln seines Barts. Bitter. Resigniert. Als seine Tochter geboren wurde, hatte er gedacht, dass die Schuld getilgt sei. Doch das war nicht so. Es war niemals so, dachte er beiläufig und dachte an Haleth, an Hador, an Hurin und Turin. "Aure entuluva", krächzte er und versuchte, sein Bein zu bewegen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus der Ferne (Arvaethils Geschichte)
BeitragVerfasst: Di 6. Aug 2013, 20:32 
Wächter Gondors
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Sie hörte ihn, als er auf sie zutrat. "Ich muss mit Euch reden. Allein", sagte er. Arri hätte für einen Moment am liebsten zugeschlagen. "Ihr solltet schlafen", erwiderte sie kurzangebunden. "Ihr auch", entgegnete Lanthring und sie spürte, dass er grinste. Wieder kochte Wut in ihr hoch. Doch sie ging mit ihm einige Schritte weg von den Schlafenden.

Ob er ein Gefangener sei, fragte er, und als sie sagte: Ja!, schaute er missmutig drein. Wer denn das Recht dazu habe? Arri antwortete: "Ich habe das Recht" und fragte sich, was in dieser Nacht noch auf sie warten würde. "Ihr nehmt euch das Recht, zu entscheiden, wer gut und wer böse ist? Wer eine Gefahr ist und wer nicht?", fragte Lanthring aufsässig. "Ich habe gar nichts entschieden, und das weißt du sehr gut", sagte Arri dem Jungen. "Ich werde mich nicht dafür entschuldigen, was ich getan habe und was nicht. Nicht bei Euch", brodelte es aus Lanthring heraus. Wieder fühlte Arri Wut in sich aufwallen wie eine wilde Fontäne. "Dann lass es doch. Was willst du eigentlich?", sagte sie kalt.

Er ging und er kam wieder. "Verzeiht", sagte er und: "Darf ich?", bevor er, auf ihre Geste hin, neben ihr Platz nahm. Und ihr erzählte, dass er Maglawen kenne, die Botin, von der Dugal und Jaana berichtet hatten, und von der er erzählte, dass sie Aufträge erledige. "Hast du sie engagiert?", fragte Arri stirnrunzelnd. "Früher", antwortete Lanthring und runzelte die Stirn. "Früher. Prima", erwiderte Arri sarkastisch.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus der Ferne (Arvaethils Geschichte)
BeitragVerfasst: Di 6. Aug 2013, 20:43 
Wächter Gondors
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Arri war so müde. "Weißt du, wie schwer es ist, Vertrauen zu dir zu fassen?", fragte sie Lanthring. "Ja, weiß ich. Deshalb erzähle ich das gerade", sagte der Junge. Dugal und Jaana hätte Maglawen doch getraut, sagte Lanthring und es klang bitter. "Jetzt", murmelte Arri. "Weil sie wissen, dass sie die Wahrheit gesagt hat." Lanthring murmelte nur etwas. "Es geht hier um das Leben einiger, die ich liebe. Soll ich dir blind trauen?", stieß Arri hervor.

Lanthring zögerte, bevor er antwortete. "Nein. Aber Widnia hat recht. Warum bin ich hier, wenn ich eigentlich von nichts wissen und weggesperrt werden soll?" Arri seufzte. "Weil du hergekommen bist." "Ich bin hier um Widnia zu helfen", sagte Lanthring. Arvaethil schaute ihn zum erstenmal an. "Du... du magst sie?" Sie sagte ihm, dass er ihr nicht weh tun dürfe und fühlte sich wie eine hilflose Mutter. "Das werde ich nicht", sagte der Junge. Arri hatte das Gefühl, jeden Tritt verloren zu haben. "Ich würde mich auch nicht lange mit Gründen beschäftigen, wenn du es tätest", entgegnete sie und schaute grimmig.

Lanthring bot ihr an, zu helfen. Arri hatte in ihrem Kopf keinen Platz mehr für klare Gedanken, als sie sagte: "Ich brauche jede Hilfe, die ich bekommen kann." Er sagte ihr, wie er Lannathron einschätzte, dass er das Gefühl hatte, dass sein Vater langsam verrückt wurde, dass er ihm angedroht habe, ihn in einen Wasserfall zu werfen. Arvaethil verlor den letzten Rest Fassung, den sie bis hier behalten hatte. "Bei den Valar, es ist Zeit. Endlich. ich will, dass er verschwindet. Für immer." Sie fluchte vor sich hin.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus der Ferne (Arvaethils Geschichte)
BeitragVerfasst: Sa 24. Aug 2013, 08:15 
Wächter Gondors
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Arvaethil konnte noch eine ganze Weile nicht schlafen. Als sie Bereanors Stimme hörte, hatte sie einen kurzen Moment lang gedacht, in einem Traum zu stecken. Aber es war die Wirklichkeit gewesen, in der er plötzlich hinter ihr stand und ihr seine Unterstützung mit Schwert und Schild zugesichert hatte.

Sie drehte sich noch einmal um. Niemand schien mitbekommen zu haben, dass der Herr des Volks Gondors aufgetaucht war: Die Gestalten um sie herum schienen fest zu schlafen. Ob die Elben sich auch hingelegt hatten, bezweifelte sie aber. Sie erinnerte sich nicht daran, Lothlinn einmal schlafen gesehen zu haben. Lothlinn. Sie seufzte. In ihr herrschte eine Unruhe, die sie nur mit größter Mühe zähmen konnte.

Sie drehte sich wieder auf den Rücken und sah in die Sterne. Noch etwa drei Tage, dann sollte Lannathron mit Lothlinn auf dem Weg nach Annúminas an der Feste vorbeikommen, hatte Lanthring gesagt. Sie wusste, dass es sie ihre ganze Kraft kosten würde, sich bis dahin in Geduld zu fassen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus der Ferne (Arvaethils Geschichte)
BeitragVerfasst: Mi 28. Aug 2013, 07:27 
Wächter Gondors
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Als sie am Tag danach erwachte, wusste Arvaethil eine Weile lang nicht, welcher Tag, welches Jahr, welches Leben es war. Der Himmel war etwas verhangen, um sie herum herrschte Stille. Viele Leute lagerten mit ihr hier und als sie nacheinander in deren Gesichter schaute, kam die Erinnerung zurück. Saellith, Widnia, Jaana... Dugal, Elphir, Bereanor. Sie stützte sich auf und blickte zu der Mauer hin. Von Aearondor sah sie nur die linke Seite; er saß bei Lothlinn. Mit Wucht drängten sich die Ereignisse des vergangenen Tages zurück in ihr Bewusstsein. Sie hatten Lothlinn befreit. Und Lannathron...

Ihr Mund war trocken und sie griff nach dem Wasserschlauch in ihrem Lederbeutel. Sie meinte, auf ihrem Gaumen noch die Asche des Feuers zu schmecken, mit dem sie die Leiche verbrannt hatten. Lange und gierig trank sie. Dann stand sie langsam auf und streckte sich vorsichtig.

Die Feste wirkte verschwommen in dem milchigen Licht. Arri sah eine Weile hinab ins Tal und versuchte, es zu denken: "Er ist tot." Der Gedanke wirkte wie ein Wunschtraum, nicht wie Realität. Sie schloss die Augen, sah sich ihm gegenüber stehen, hielt wieder das Schwert in der Hand und stach ihn in den Oberschenkel. Sie sah wieder seinen ungläubigen Blick. Es schien ihr eine Geschichte zu sein, die sie sich selbst erzählte.

Aearondor sagte nichts, als er zu ihr trat. Sie standen eine ganze Weile da und sahen ins Tal. Schließlich sprach Arri: "Wie geht es Lothlinn?" Der Elb drehte sich zu ihr. "Sie schläft, Arvaethil. Sie erholt sich. Auch Ihr werdet Euch erholen." Arri sah ihn an. Sein Gesicht wirkte klar, seine Augen blickten hell. 30 Jahre hatte er als Sklave unter der Erde verbracht, fern von denen, die er liebte. Wenn er das sagte, das wusste sie, dann war es auch so: Sie würde Lannathron und das, was er getan hatte, hinter sich lassen können. "Wenn mein Vater frei ist, werde ich diesen Ort verlassen", sagte sie bestimmt und schaute wieder ins Tal.

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 Betreff des Beitrags: Re: Aus der Ferne (Arvaethils Geschichte)
BeitragVerfasst: Fr 30. Aug 2013, 23:43 
Wächter Gondors
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Das Pferd war nahezu ausgezehrt. Es stolperte mehr in die Feste hinein, als dass es lief. Trotzdem war er dankbar, dass Lanthring es ihm gegeben hatte. So dankbar. Arthaemir glitt aus seinem Sattel. Er selbst wirkte nicht allzusehr anders. Stoisch stütze er sich auf den Sattel und drückte dem Stallmeister den Zügel in die Hand. Dann schaute er sich suchend um. Doch die Suche war schnell beendet: Arvaethil stand keine dreißig Ellen entfernt. Sie kam auf ihn zu. Arthaemir beschloss, es sei sinnvoller, einfach nur stehenzubleiben, als sich stolz aufzurichten.

"Ich bin froh, dass du hier bist", sagte seine Tochter und nahm ihn in den Arm. Arthaemir fühlte eine seltsame Regung. Einige Augenblicke später erkannte er sie: Es war Zuneigung. Er legte Arri seinen Arm um den Hals und schloss kurz die Augen. "Es tut mir Leid", murmelte er mit trockenem Mund. "Aber das muss dir vorkommen wie... Ja, wie leere Worte."

Arri führte ihn zum Lager und nötigte ihn, sich zu setzen. "Dein Bein...", murmelte sie. Arthaemir zuckte die Achseln. "Ein Messerstich. Es hat sich entzündet." Er sah Arri zu, die das Leder an seinem rechten Bein entschlossen mit ihrem Dolch aufschnitt. "Ich werde Aearondor um Hilfe bitten", sagte sie dann, als ginge sie das alles recht wenig an. "Arri", sagte Arthaemir. Es kam ihm so vor, als sei sein ganzes Leben nur auf diesen Moment ausgerichtet gewesen. "Warte. Ich muss dir etwas sagen."

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