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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Mo 18. Jul 2016, 13:31 
Wächter Gondors
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Ein neuer Brief von Meducrist an seine Gattin in Dol Amroth:

Geliebte Gattin, meine verehrte Geltílin,

wie sehr wünschte ich, du wärest hier bei mir, um den Leuten, mit denen ich reise, zu erklären, dass ich ein treuer Ehemann bin, der dich von ganzem Herzen liebt! Denn heute stellte mich der Hüne namens Theylrond unter Verdacht, ich wolle mich seiner Gattin nähern. Geltílin, du weißt, dass ich das niemals täte! Mein Herz gehört allein dir.

Um es zu erklären: Herrin Brytwine fand am frühen Morgen eine Pergamentrolle bei ihren Sachen. Wird es in Dol Amroth eigentlich wieder hell? Hier begleitet uns die Dunkelheit und frisst an unserer Zuversicht. Jedenfalls fragte die Herrin: „Verzeiht, habt Ihr vielleicht...“ und deutete dann auf die Rolle in ihrer Hand. Ich war derart entgeistert, als sie mich ansah! Sofort sagte ich: „Glaubt Ihr etwa, ich würde Euch einen Brief... Glaubt mir, ich würde niemals einen Brief...“ Dann versagte mir die Stimme und ich Tropf wurde rot; dabei kenne ich die Frau doch nicht einmal wirklich! Die Herrin sagte: „Bitte. Verzeiht, ich dachte nur... weil, nun...“ und drehte sich verlegen um. „Ich habe Frau und Kinder“, stotterte ich matt. „Was wird das hier?“, warf Herr Theylrond ein, der sein Temperament nicht immer im Griff zu haben scheint. „Lass' die Finger von meinem Mädchen!“ Stell dir das bitte einmal vor! Und dieser Blick, den er mir zuwarf!

Der Inhalt des Pergaments stellte uns vor ein Rätsel: „Wenn Ihr Maglawen folgen wollt“, stand da geschrieben, „dann müsst Ihr, so schnell Ihr könnt, in Richtung Pelargir oder Linhir reiten: Dorthin sind Nuas' Leute in großer Eile gezogen und sie hinterher , nachdem sie ein Gespräch belauschte, in welchem Nuas Pläne offenbart wurden. Es geht hier nicht nur um Maglawen, Freunde, es geht um Gondor. Helft.“ Die elbische Herrin, der Name der Dame ist Maevenya, sah an dem Text nichts Auffälliges und auch ich fand nichts, was mir ihn unglaubwürdig erscheinen ließ. Kalt wie Eis war das Blut in meinen Adern bei dem Gedanken, dass Gondor nun auch von dieser Seite Gefahr drohen sollte! „Wer würde denn hierher schleichen, um so eine Nachricht zuzustecken und ungesehen zu verschwinden?“, fragte die Dame Maevenya leise. Wir überlegten nicht lange und machten uns auf den Weg nach Linhir.

„Achtet auf das Gelände“, wies mich Herr Theylrond auf dem Weg an. „Wer weiß, wer hier so in den Büschen liegt.“ Das hätte er mir natürlich nicht zu sagen brauchen, wie du weißt. Auf dem ersten Teil des Ritts begegnete uns keinerlei Ungemach, dann jedoch stieg mir Brandgeruch in die Nase, und ehe wir uns versahen, standen wir vor den Resten eines abgebrannten Dorfs. Liebes, es war grausam anzuschauen und ich erspare dir lieber weiteres. Auch die Herrin Brytwine war erschüttert. „Wie furchtbar. Die armen Menschen“, sagte sie. Wir ritten um die Brandstelle herum und nun in größter Eile nach Linhir, um das wir fürchteten.

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Als wir uns der Stadt nahten, sahen wir Rauchwolken und alle Anzeichen einer großen Schlacht, doch schien sie nicht verloren: Erschöpfte gondorische Wächter standen an den Toren und berichteten, dass Haradrim vor zwei Tagen die Stadt überfallen und beinahe den Übergang über die Furt erzwungen hätten. Angbor habe versucht, die Stadt zu verteidigen, sei jedoch mit seinen Männern zunächst geflohen, als eine Armee aus Toten aus dem Nichts aufgetaucht sei, und die Haradrim vor sich her getrieben habe. Da kannst du sehen, was der Krieg in Männern anrichten kann: Sogar den Geist kann er verwirren.

Als wir in die Stadt hinein ritten, sahen wir so viel Elend, dass es einem das Herz entzwei reißen konnte. „Elbereth, Erbarmen“, flehte ich, und in die Augen der Herrin Brytwine schossen Tränen. Wir sahen, dass sie die Leichen vor das Nordtor brachten und dort verbrannten – es gab keine Möglichkeit, heraus zu finden, ob diese Maglawen eine von ihnen war. Meine Weggefährten begannen nun, Leute nach ihr zu fragen. Nicht alle reagierten freundlich oder überhaupt, gefangen in so viel Trauer. Einmal sah ich sogar einen kleinen Jungen bei der mit Wunden übersäten Gestalt einer toten jungen Frau stehen. Ein etwas älteres Mädchen hielt den Kleinen bei der Hand und ihr Gesicht war so grimmig, dass man vor ihm hätte erschrecken können. Ich habe so sehr an unsere Kinder gedacht. Doch entgegen aller Hoffnungslosigkeit fanden meine Gefährten ihre Freundin.

Sie saß teilnahmslos an einem Brunnen, totenblass, am ganzen Körper mit Blut und Schmutz befleckt. 'Sie hat die Schlacht mitgemacht', war mir sofort klar. „Was... was tut Ihr hier?“, hörte ich sie heiser fragen. „Maglawen!“, rief die Herrin Brytwine vor Erleichterung laut, aber diese junge Frau schien es gar nicht zu hören. Erst langsam kam sie zu sich, obgleich sie unverletzt war. „Ich war... Der Kampf war im Gange“, begann sie unzusammenhängend zu erzählen und sah dann die Herrin an. „Sie haben Kinder... Ganz egal, Brytwine. Alle haben sie angegriffen.“ Es war ganz offensichtlich, dass all die Schrecken für die Seele einer Frau zu viel gewesen waren. „Er hatte lauter Tote bei sich“, erzählte sie weiter, mit hohler Stimme. Also war auch sie dem Wahn erlegen? „Dieser Mann...“ Nun sah Maglawen Theylrond an und sprach weiter. „Ein großer Mann mit Augen wie Sternen. Er hat die Schlacht hier gewonnen. Er und die Toten.“ Den Herrn Theylrond schien das ungeduldig zu machen. „Was ist mit den anderen, die wir verfolgen, oder besser Ihr?“, fragte er und brummte dann: „Tote... Bleiben wir bei den Lebenden, den wenigen. Was ist mit Deiner Angelegenheit?“

„Meine... Angelegenheit? Nuas... Nuas ist nicht hier“, erwiderte die Arme verstört. „Was ist in Dol Amroth geschehen? Was ist mit Saellith?“

„Der geht es gut. Ist sicher“, beschied sie Theylrond knapp und berichtete ihr auf die Nachfrage nach der Herrin Arvaethil – sie nannte sie Arri, ich musste erst einmal nachdenken, wen sie meinte! -, dass auch diese wohlauf sei. Dann sprach sie den hünenhaften Theylrond wieder an: „Theylrond, sie wollen die Weiße Stadt vom Fluss aus attackieren...“ Es stellte sich heraus, dass die Banditen, denen sie gefolgt war, sich den Korsaren angeschlossen hatten und von Pelargir aus mit Schiffen zur Weißen Stadt segeln wollten. „Pelargir?“, fragte Theylrond dann und sah sich in der Runde um. Alle nickten. Auch die Frauen wollten weiter in den Krieg! Doch als sie entschieden, dass sie erst essen wollten, bevor sie den Gewaltritt nach Osten antraten, musste ich mich von ihnen trennen. Geliebte, auf dem Pelennor wird sich wohl das Schicksal Gondors entscheiden, und ich werde alles tun, um die Waagschale zu seinen Gunsten zu senken.

Küsse die Kinder von mir – vielleicht gibt es ja doch ein Wiedersehen für uns alle.
In tiefer Liebe
Meducrist

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Do 28. Jul 2016, 20:31 
Wächter Gondors
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„Ich habe noch ein Brot organisieren können und etwas Speck“, teilte Maggie mit, als sie aufsaßen. Keiner ihrer Gefährten sah allerdings aus, als habe er Hunger oder würde je wieder welchen bekommen, nach all dem Elend, was sie in dieser Stadt hatten miterleben müssen. Müde und verzweifelt ritt sie voran durch das Tor Linhirs.

Wie geballte Fäuste hingen schwarze Wolken über Gondor, drohend und voller Zorn. Nur hin und wieder klaffte ein Spalt zwischen ihnen, der ein wenig Licht auf das Land fallen ließ. Dumpf brütete das Land im Dunkel. Es war warm, kein Hauch wehte, und es schien, als könne man in dieser dicken Luft unmöglich atmen. Maggie war übel.

Lange ritten sie stumm. Bis sich zur Linken der Gefährten Felswände in einen Spalt öffneten, der zu einer Lichtung führte. Bunte Banner und viele gerüstete Männer konnte sie auf der Lichtung erkennen - und dazwischen seltsam bleich flirrende Schatten, die Gestalten bildeten, Männer auf Pferden, Männer auf ihren Beinen, alle jedoch wie ein Rauch ohne Flamme. Sie erstarrte. „Da sind sie“, sagte sie. „Da ist wer?“, fragte Aphidor. „Die Toten“, erwiderte Maggie. „Und der Mann, der sie angeführt hat. In der Mitte.“ 'Der Mann mit den Sternenaugen.' Nur von weitem hatte sie ihn gesehen. Und doch sofort gewusst, dass dieser anders war, als die Männer, denen sie begegnet war.

„Ach... Unsinn. Tote...“, brummte Aphidor. „Seht doch“, beharrte Maggie und zeigte mit etwas zitternder Hand auf die flirrenden Gestalten mit bleichen Bannern wie Wolkenfetzen. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie Maevenya die Gestalten im Lager aufmerksam betrachtete und ihren Blick dann zu dem Anführer wandern ließ. Maggie ging näher. Gerade und gelassen stand dieser Mann zwischen all den Toten, in der Hand ein silbernes Horn. Einer der Elben bei ihm hielt ein großes Banner in die Höhe, ein blankes, schwarzes Tuch ohne irgendein Zeichen. „Was ist das hier?“, hörte Maglawen Theylrond hinter sich bissig fragen. Gemeinsam beobachteten sie, was nun geschah.

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„Höret nun die Worte von Isildurs Erben!“, sprach der Mann. Seine Stimme war melodisch und doch fest und unnachgiebig wie Stahl. „Euer Eid ist erfüllt! Geht zurück und sucht niemals wieder die Täler heim! Scheidet dahin und findet Ruhe!“ Einer der Schatten trat hervor und zerbrach seinen Speer, dann verneigte er sich. Eine Welle aus Atem schien durch das kleine Tal zu ziehen: Wie Nebel verschwanden die Toten und Leere blieb, als seien sie niemals da gewesen.

„Diese beiden Elben kenne ich“, sagte Maevenya. „Wenn sie mit ihm reisen, sind seine Worte wohl wahr.“ „Wer sind sie?“, fragte Maggie. Die anderen schwiegen. „Elladan und Elrohir, Söhne von Herrn Elrond aus Bruchtal“, erwiderte die Elbin.

Der Mann in der Mitte sah wettergegerbt aus. Seine Beine steckten in hohen Stiefeln aus weichem Leder, die abgetragen und Schmutz verkrustet wirkten. Auch sein Mantel aus dunkelgrünem Tuch war fleckig. Dunkel und strubbelig und mit Grau durchzogen war sein Haar, und von hellem Grau seine scharfen Augen. Ernst und streng wirkte sein Gesicht, doch es war nicht unangenehm, ihn anzuschauen, und ein Lächeln ließ es sanft erscheinen. Offenbar hatten die Männer unter seiner Führung Pelargir beschützt und die Schiffe der Korsaren erobert. Die Gefährten setzten sich etwas abseits ins Gras und Maggie versuchte jemanden zu finden, der ihnen Genaueres sagen konnte.

„Erbe Isildurs? Unsinn! Gondor hat keinen König mehr. Schon seit Jahrhunderten!“ Aphidor wirkte entrüstet. „Warum sonst sollte ihm jeder hier folgen?“, entgegnete Maevenya leise. Mit Maglawen trat ein Mann zu ihnen und bot ihnen eine Rehkeule und einen Schlauch verdünnten Weins an. „Mein Name ist Maelithin“, sagte er und setzt sich zu ihnen. „Willkommen bei der Grauen Schar, die mit Aragorn reitet. Erklärt mir doch, wer Ihr seid.“

Kurz und bündig stellte Maggie sich und ihre Gefährten vor. „Aragorn? Wer ist das? Sprecht!“, foderte Theylrond auf seine gewohnt ruppige Art. „Ihr braucht nicht mit mir zu reden wie mit einem Dienstboten“, erwiderte Maelithin ruhig. „Aragorn ist der Erbe Isildurs und trägt sein Schwert.“

Aphidor wirkte nicht überzeugt. „Er trägt das Schwert Isildurs? Wie soll das gehen? Das Schwert zerbrach.“ Maggie sah, wie Brytwines Blick immer wieder zu den Männer in der Mitte der Lichtung wanderte. Maelithin schwieg einen Moment. Dann sagte er: „Aragorn hat die Toten gerufen, und sie sind gekommen, um ihren Eid zu erfüllen. Beim Stein von Erech hat er sie verpflichtet.“ Wieder äußerte Aphidor seine Bedenken: „Ein König der sich solcher Mittel bedient? Ich weiß nicht.“

„Stein von Erech“, grummelte Theylrond und knirschte mit den Zähnen. Er versuchte, Maelithin davon zu überzeugen, dass Aragorn sich bei ihm vorstellen solle, er sei ja schließlich ein Landsmann. „Gerade beschäftigt er sich damit, wie die Weiße Stadt zu retten sein könnte“, erwiderte der Waldläufer spöttisch. „Meint Ihr, er müsse Euch vorher einen Höflichkeitsbesuch abstatten?" Maglawen ging anderes durch den Kopf. „Sagt“, wandte sie sich an Maelithin. „Habt Ihr einen Mann gesehen, einen Mann aus Gondor, unter den Feinden? Mit einer roten Maske vorm Gesicht, eine graue Kapuze...“ Der Blick des Waldläufers ließ sie verstummen. „Schlank, mit einer grauen Kapuze und einer roten Maske? Das ist keiner der Haradrim, nicht wahr?“ Maelithins Augenbrauen zogen sich misstrauisch zusammen. „Woher kennt ihr diesen Mann? Ja, ich habe ihn gesehen. In Linhir sah ich, wie er einem Mann die Kehle durchschnitt, doch ehe ich zu ihm gelangen konnte, war er verschwunden. In Pelargir sah ich ihn wieder.“ Strenge lag in Maelithins Blick.

„Was ist mit ihm geschehen?“, drängte Aphidor. „Wo ist er jetzt?“, fragte Maglawen. Ernst erwiderte der Waldläufer: „Ich weiß nicht, wo er ist. Denn als ich wieder zu ihm hin schaute, noch bevor Aragorn die Toten aufrief, war er verschwunden. Einfach fort. Und ich habe ihn mir nicht eingebildet.“ Theylrond erhob sich und ging auf den Mann in der Mitte der Lichtung zu.

Es blieb Maggie nichts anderes übrig, als Maelithin das Schreiben zu zeigen, das Arri ihr vor der Abreise aufgezwungen hatte, und das der Waldläufer nun auch seinem Anführer zeigte. Von da an war das Misstrauen verflogen. Auch Theylrond kehrte mit veränderter Haltung zurück – er schien nun daran zu glauben, dass Gondor wieder einen König hatte. „Wo geht es weiter? Für Gondor, oder diesem Mann folgen?“, fragte er seine Gefährten. Er meinte Nuas. „Wir können ihm kaum folgen, wenn wir nicht wissen, wo er ist“, erwiderte Maggie verbittert. „Will er als Attentäter Gondor von innen schwächen vielleicht? Er ist ja ein Feigling“, überlegte Aphidor laut. Betroffen sah sie ihn an. Natürlich! Das wäre ein Spiel nach Nuas' Geschmack – und es könnte Minas Tirith und Gondor zusätzlich in Gefahr bringen. „Wir sollten schauen, ob wir auf eines der Schiffe kommen. Schneller können wir nicht nach Minas Tirith gelangen.“

Theylrond war aufgestanden. „Ihr solltet ein Auge auf meine Kleine halten“, brummte er. „Ich?“, fragte Maggie entgeistert. „Wer sonst? Ich ziehe in den Krieg“, erwiderte der Hüne, der augenscheinlich ohne sie aufbrechen wollte. Maglawen lachte auf. „Und ich? Lade zu einem Empfang ein?“ Theylrond war nicht von seinem Vorhaben abzubringen. „Wenn ihr was passiert, ziehe ich mein Schwert gegen Dich“, verkündete er. War er wahnsinnig geworden? Sie wollten doch ohnehin alle nach Minas Tirith! „Es tut mir leid, Maglawen“, sagte Brytwine leise. „Ich wollte bestimmt kein Klotz an Eurem Bein sein.“

Maggie war kurz davor, zu platzen. „Ja, verdammt noch mal! Du bist kein Klotz, aber dein Mann ist ein Klotz!“, entgegnete sie wütend. Sie dachte für einen Moment an Arantion und wurde noch wütender. Maevenya hingegen lächelte Brytwine sacht an. „Brytwine, Ihr wart auf dieser Reise und auch bei keinem der bisherigen Kämpfe eine Last. Ich denke nicht, dass sich das ändern wird.“

„Macht euch da keine Sorgen“, beruhigte Aphidor. „Schon viele Kriege wurden nicht durch Mannstärke gewonnen, sondern weil sie die besseren Köche oder besseren Lieder zum singen haben. Eine Waffe zu führen macht nicht alles aus.“ Maggie seufzte. „Glaubt mir, ich werde vermutlich noch einige Hilfe von euch Frauen brauchen.“ Empört regte sich Aphidor: „Pff, hast du mich gerade dazu gezählt?“ Maevenya gluckste leise. „Ich bin froh, dass ihr hier seid“, sagte Maggie. Sie sagte es zögernd, aber sehr ehrlich.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: So 28. Aug 2016, 18:16 
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Am frühen Morgen des 15. März war kein Stern am dunklen Himmel zu erkennen. Ruderer, einst Sklaven, nun freie Männer, mühten sich, die Flotte gegen die Strömung des Anduin voran, nach Minas Tirith, zu bringen. Auf dem größten Schiff stand hoch aufgerichtet Aragorn und schaute nach Norden, wo Minas Tirith lag.

Arganthir überprüfte die Schnallen seiner Rüstung und sah ebenfalls nach vorn; über die Schiffsreling gebeugt tat es Aphidor beiden Männern nach. „Das ist, was dich schützen wird, wenn keiner von uns in der Nähe sein kann, Brytwine“, sagte Maglawen und reichte ihrer Freundin eines ihrer Messer. „Nimm es. Bitte.“ Etwas nervös nahm Brytwine die Waffe entgegen und sagte leise: „Danke.“

Zwei oder drei Stunden später war in der Ferne der Schnee bedeckte Gipfel des Mindolluin zu erkennen und die Stadtmauern von Minas Tirith. Glocken und Trompeten klangen schwach herüber. Der Rammas Echor im Hafen war beinahe ein Trümmerhaufen. Überall schwelten Brände, es stank nach Qualm und Blut und Dreck.

Als die Schiffe die Liegeplätze im Hafen erreichten, sprangen die Kämpfer von ihnen herab, den Feinden entgegen, Aragorn allen voran. Auch die kleine Gruppe verließ ihr Schiff und beinahe sofort befanden sie sich mitten im Gefecht. Entsetzt sah sich Brytwine um, Aphidor zitterte vor Anspannung. Mit Wucht schwang Arganthir seinen Zweihänder. „Dol Amroth für Gondor!“, rief er.

Gegen ihren Willen fühlte auch Maglawen ihr Herz heiß brennen. Ohne nachzudenken stieß sie ihr Messer in einen Ork und zog es direkt wieder heraus, bereit für den nächsten Stich. „Weiter!“, rief sie ihren Gefährten zu. Sie kletterten über die Reste des Rammas und erreichten den Pelennor, übersät mit Bränden, Toten, zerstörtem oder intaktem Gerät. Stöhnen und Schreie waren um sie herum zu hören, die Hitze der Feuer trieb Schweißtropfen auf die Stirn der Kämpfenden. Seltsames Gebrüll ertönte von riesigen grauen Tieren mit unendlich langer Nase und langen, gefährlichen Zähnen erfüllte die Luft. „Bei den Valar!“, stieß Arganthir hervor. „Mumakil, die Legenden berichten über sie.“

„Auf jeden Fall will ich denen nicht zu nahe kommen“, stellte Aphidor keuchend fest, der einen neuen Bolzen in seine Armbrust lud. Maglawen sah Brytwine an, in deren Nähe von irgendwo her Theylrond aufgetaucht war. „Brytwine, alles in Ordnung?“ Die nickte nur, scheinbar keines Wortes fähig. Das Messer in ihrer Hand war blutig.

Weiter zogen sie, der Weißen Stadt entgegen. Maglawen stolperte über irgendeine Leiche, Arganthir half ihr hoch. Den Pfeil, den ihr ein berittener Schütze in den Arm schoss, bemerkte sie kaum. Auch die anderen bluteten, obwohl Arganthir scheinbar bestrebt war, der Gruppe einen Weg zu bahnen. Keinem Kampf ging er aus dem Weg; sein Zweihänder zog blutige Kreise. Irgendwann zitterte Aphidors Hand vom ständigen Spannen der Armbrust und Brytwine erbrach sich bei all dem Schrecken und Leid, das sie mit ansah. „Wir schaffen das“, murmelte Maglawen, die über das Schlachtfeld sah und bemerkte, dass die Feinde die Flucht antraten. „Für Gondor!“, brüllten Theylrond und Arganthir wie aus einem Mund.

Doch das Fieber der Schlacht begann nachzulassen. Entsetzt starrten sie auf einen Kadaver, an dem sie vorbei kamen: ein riesiges schwarzes Tier mit Flügeln, doch ohne Kopf. Nicht weit von ihm lag ein herrliches weißes Pferd tot auf den Feldern des Pelennor. „Was immer es war, es ist tot und hat viele gute Männer das Leben gekostet“, sagte Arganthir düster und deutete auf die Reihen von Speeren, die um viele Tote mit blondem Haar und Bart in den Boden gerammt waren. Der Gestank des Kadavers war entsetzlich und rasch zogen sie weiter.

Als die Sonne langsam hinter dem Mindolluin unterging, erfüllte sie den ganzen Himmel mit einem großen Brand. Die Berge und das Gebirge waren wie mit Blut getränkt; Feuer glühte im Fluss und das Gras des Pelennor lag rot da in der anbrechenden Nacht. Die Gefährten stolperten müde durch das große Tor von Minas Tirith. „Der Kampf scheint gewonnen, aber einen Sieg würde ich das nicht nennen“, murmelte Arganthir, als sie in die Stadt traten. Maglawen legte Brytwine ihre unverletzte, aber schmutzige Hand auf die Schulter. „Du hast es geschafft.“ Nickend bestätigte Theylrond ihre Worte. „Hat sie.“ Die Augen Brytwines blickten vollkommen stumpf, als sie ebenfalls nickte.

In der Stadt, die nach Rauch und Blut stank, suchten sie sich einen Platz zum Ausruhen und sahen, wie ein großer Mann mit weißem Helmbusch und Fürst Imrahil von Dol Amroth die Stadt betraten. Menschen riefen ihnen zu, versuchten, die Säume ihrer Waffenröcke zu küssen oder streckten ihnen bittend, vielleicht auch dankbar ihre Hände entgegen. Gegenseitig halfen sie sich, ihre Wunden zu versorgen. Brytwine hatte das Messer aus der Hand fallen lassen, bevor ihr selbst die Beine versagten und sie zu Boden sank.

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Maglawen berührte Brytwine sanft an der Hand. „Hallo? Brytwine?“ Aber Brytwine starrte nur stumm geradeaus. Sie schien nicht einmal zu bemerken, dass sie aus mehreren kleinen Wunden blutete, stand offensichtlich unter Schock. Sie beschlossen, nach einem Heiler zu suchen; nur Arganthir wollte lieber bei all den Mühen um das große Tor herum helfen.

Es fand sich jemand, der sie mit Kräutern und weiterem Verbandszeug versorgen konnte. Um sie herum begannen Menschen zu murmeln, der König sei zurück: Elbenstein, der verlorene König Gondors. Theoden, König von Rohan, sei tot, machte es aber auch die Runde, und Hirluin, der Schöne, Forlong, Halbarad, der Waldläufer, Grimbold und Duilin... So viele.

Brytwine blieb ganz still sitzen, auch, als Theylrond ihre Kratzer und Schnitte versorgte: so, als wenn sie keinerlei Schmerz empfinden würde. Irgendwann ging Maggie zu ihr hinüber und nahm sie in den Arm. „Du warst eine Heldin“, sagte sie leise zu ihr. „Eine richtige Heldin.“ Als sei ein Bann gebrochen, begann Brytwine bitterlich zu weinen. Unbeholfen murmelte Maggie etwas vermeintlich Tröstliches. „Ich wollte doch nur ein wenig reisen“, kam es schluchzend aus Brytwines Mund. Nach geraumer Zeit erst wurde sie ruhiger und das Weinen verebbte. „Es gibt so viele Kinder“, flüsterte Maggie ihr zu. Vermutlich würden die beiden ja auch Kinder bekommen, Theylrond und Brytwine. „Und es wird noch mehr geben.“ Brytwine nickte nur.

Erschöpft saßen sie auf dem Blut befleckten Stein der Stadt. „Nun, da wir hier sind... Wie gehen wir weiter vor?“, fragte Aphidor nach einer ganzen Weile. Beinahe hatte Maggie vergessen, was sie ursprünglich nach Minas Tirith gebracht hatte. „Dieser Mann betrachtet mich als sein Eigentum“, murmelte sie müde. „Aber was erhofft er sich noch dabei? Besonders nach der Niederlage hier“, gab Aphidor zurück. „Rache. Er will sich rächen“, entgegnete Maggie. „Er hat mich vor Jahren vergewaltigt. Ich habe ihm gesagt, dass ich das Kind getötet hätte.“ Brytwine fasste nach Maglawens Hand und drückte sie. Überrascht lächelte Maggie sie an. „Das Kind ist in Sicherheit, soviel kann ich euch sagen“, murmelte sie. Sie hatte Nuas' Sohn zuletzt vor einem Jahr gesehen.

Trotz all der Fragen und dieser Geschichte schliefen sie bald alle.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Mo 29. Aug 2016, 13:55 
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Der Dunst des frühen Morgens lag noch dicht am Boden, als Cuillam Maglawens Gefährten erreichte. Tief holte er Luft, bevor er sie grüßte. Der Umgang mit Menschen war ihm schwer geworden, seit er sein Gedächtnis wieder erlangt hatte.

Die beiden Männer erkannte er sofort nach Maggies Beschreibung: Einer war groß und sichtlich kampferfahren – Theylrond - , der andere hatte ein verschmitztes Gesicht und eine Feder an seinem Hut: Aphidor. Beide grüßten zurück; die Frau, Brytwine, nickte ihm zu. „Ihr seid die Leute, mit denen Maglawen kam, nicht wahr?“, fragte Cuillam. „Was... Woher weißt du das?“, fragte Aphidor überrascht zurück. Theylrond verzog keine Miene. „Was wollt Ihr?“, grollte er. „Wisst Ihr, wo sie ist?“, fragte Brytwine. Es hatte Cuillam sehr überrascht, festzustellen, dass Maggie diese Frau offenbar in ihr Herz geschlossen hatte. Umgekehrt schien es genauso zu sein.

„Maggie hat's mir gesagt“, beantwortete er Aphidors Frage und leckte sich die trockenen Lippen, bevor er auch Brytwine eine Antwort gab. „Ja, ich weiß, wo sie ist. Sie belauert Nuas.“ Er sah, wie Brytwine zusammen zuckte. „Seid Ihr ein Freund von Maglawen?“, fragte Aphidor. Seine Vorsicht konnte Cuillam gut verstehen. Er erklärte ihnen, dass er Maggies Zwillingsbruder sei, was Aphidor fassungslos zu machen schien. „Was... IHR seid der vermisste und entführte Zwillingsbruder?“, fragte er ungläubig. Theylrond fragte kurz angebunden nach Beweisen. Früher einmal hätte Cuillam lachen müssen – Maglawen hatte den Mann gut beschrieben.

Widerstrebend zog Cuillam den linken Handschuh aus und zeigte ihnen seine verstümmelte Hand, doch es schien sie nicht wirklich zu überzeugen. Aber seine Schwester hatte ihm ja viel von ihren Reisegefährten berichtet, während sie darauf warteten, dass Nuas aufwachte und von seinem Lager aufstand. „Ihr habt bei Maggies Beerdigung die Ansprache gehalten“, sagte er zu Theylrond, und zu Brytwine: „Und Euch hat sie gestern gesagt, dass Ihr eine Heldin seid.“ Der Hüne grinste. „Lange her. Gut, ich erinnere mich vage.“

„Wie auch immer“, sagte Aphidor. „Ich habe zwar noch einige Fragen im Kopf, aber Ihr sagt, Ihr wisst, wo Maglawen ist?“ Cuillam nickte und sah sich unbehaglich um. Nuas wieder zu begegnen, hatte ihm mehr Angst eingejagt, als er gerne zugab. „Sie ist am Markt, oben auf der dritten Ebene, und passt auf, dass dieses Schwein nicht entwischt.“

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg durch Minas Tirith. Überall wurden Trümmer beiseite geräumt oder Tote geborgen und fort geschafft. „Hat sie Euch geschickt, um uns Bescheid zu geben?“, fragte Aphidor, während sie eilig dahin schritten. „Ja.“ Er nickte hastig. „Sie sagte, sie würde ihn nicht mehr aus den Augen lassen.“ Solchen Zorn, ja, Hass hatte er bei Maggie niemals zuvor gesehen. Er fragte sich, was hinter dieser ganzen Geschichte steckte. Sicher mehr, als sie ihm erzählt hatte.

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Aphidor schien bemüht, seine Fragen zu stellen, bevor sie Maglawen erreichten. „Woher wusste Maglawen, wo Ihr seid?“ Langsam schüttelte Cuillam den Kopf. „Ich habe sie gefunden“, erwiderte er. „Seit ich meine Erinnerungen wieder gefunden habe, bin ich Euch gefolgt.“

Es waren die schlimmsten Wochen seines Lebens gewesen, schlimmer selbst, als die Gefangenschaft. Sich selbst ins Gesicht zu schauen, zu erinnern, was er getan, wie und wer er gewesen war... Und dann hatte er heraus gefunden, dass Maglawen losgezogen war, weil sie Nuas' Erpresserbotschaft bekommen hatte. Sofort hatte er sich aufgemacht, hatte sogar ein Pferd gestohlen, um den Reisenden zu folgen; doch waren sie ihm immer einige Tage voraus gewesen. Eine Weile war er mit einigen Kaufleuten gereist, dann mit einem seltsamen Mann, später hatten ihn einige Zwerge knurrend in ihre Gemeinschaft aufgenommen – doch immer war er zu spät gekommen. Zuletzt hatte ihm Arvaethil in Dol Amroth berichtet, wohin Maglawen und ihre Gefährten unterwegs waren, und so war er in den Krieg gezogen, ohne, dass er hätte etwas dazu beitragen können. Erst in Minas Tirith hatte er sie gefunden – kurz nachdem er das Gesicht eines Albtraums gesehen hatte – Nuas.

„Wisst Ihr, wie Nuas hier aussieht?“, fragte Aphidor weiter. Cuillam nickte. „Er hat sich als Händler ausstaffiert und trägt keine Maske.“ Vielleicht hätte er ihn gar nicht erkannt, wenn er ihn nicht bereits im Lager der Krähen einmal unmaskiert gesehen hätte. Maglawen schien sein Gesicht ebenfalls zu kennen. „Wie, denkt Ihr, wird er sich zu uns verhalten?“ Noch eine Frage von Aphidor, die anderen beiden blieben ziemlich still. Cuillam runzelte die Stirn. „Er steht mitten zwischen anderen. Einfach angreifen kann er kaum, denke ich. Ehrlich? Ich weiß es nicht.“

Als sie Maggie erreichten, stand sie immer noch an einer Mauer, die sie vor Nuas verbarg. Sie nickte ihren Freunden zu, lächelte Brytwine kurz an und wies um die Ecke auf diesen Mann: Nuas stand neben verschiedenen Lederbeuteln vor einem Blumenbeet, gekleidet in einen feinen blauen Brokatrock und teure Lederstiefel. Sein gut geschnittenes Gesicht und die silbergrauen Haare ließen ihn edel erscheinen, wie einen ehrenhaften Bürger der Weißen Stadt. 'Ein Albtraum, der aussieht wie die Freundlichkeit in Person.'

„Ich lass ihn auf keinen Fall mehr aus den Augen“, hörte er seine Schwester sagen, Zorn und Bitterkeit in ihrer Stimme. „Auf was hoffst du?“, fragte Aphidor leise. „Dass er irgendwann alleine ist?“ Zögernd entgegnete Maglawen: „Ich warte eigentlich, ob er Kontakt zu jemanden aufnimmt.“ Cuillam konnte immer noch nicht verstehen, wie sie über Jahre hinweg Teil eines verbrecherischen Netzwerks hatte sein können, ohne sich zu verraten. „Und dann?“, fragte Theylrond, doch Maggie gab ihm keine Antwort.

„Kauft Kräuter! Edle Kräuter!“, rief Nuas. „Cuillam! Hol eine Wache!“, bat Maggie ihn wispernd. Er fühlte sich zerrissen: Musste er nicht bleiben, um seine Schwester zu schützen? Doch dann lief er los.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Mo 29. Aug 2016, 14:00 
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Maglawen fühlte sich, als bestünde sie nur noch aus dem unbedingten Willen, Nuas nie wieder aus den Augen zu verlieren. Konzentriert beobachtete sie, wie der Mann nachdenklich auf seine Lederbeutel blickte, sie dann verschnürte und auf die Schulter hievte. Pfeifend marschierte er los, an ihnen in ihrer nun nutzlosen Deckung vorbei, scheinbar völlig entspannt. Er hatte sie bemerkt. Sie wusste, dass er sie bemerkt hatte. Rasch folgten sie ihm, doch kurze Zeit später hatten sie ihn für einen Moment aus den Augen verloren.

Dann stand er plötzlich vor ihnen und lächelte. „Seid Ihr an meinen Kräutern interessiert?“ Freundlich zwinkerte er ihr zu. In diesem Moment war sie von Kopf bis Fuß einzig Hass. „Hallo Maglawen. Möchtest du mal... kosten?“, fragte Nuas, wohl dosierte Anzüglichkeit hinein gelegt. Er ließ die Beutel auf den Boden sinken und schnürte einen von ihnen auf. 'Eine Waffe!', durchzuckte es Maggie. Blitzschnell stürzte sie sich auf ihn, ihr Messer in der Hand. Eine Händlerin in der Nähe schrie auf. Nuas war genauso schnell wie sie: Aus seinen Stiefeln zog er Messer, mit denen er den Angriff erwartete.

Ein Kampf entbrannte. Maglawen erlebte ihn, als sei die Zeit plötzlich langsam geworden, bewege sich nur noch schrittweise: Brytwines Mund zu einem stummen Schrei geöffnet, Theylronds Versuch, in Nuas' Rücken zu kommen, der an dessen Gewandheit scheiterte, Aphidor der los rannte, um Nuas' Seite zuzumachen, ihre eigenen Stiche, die das Ziel nicht fanden.

„Vier gegen einen? Das ist nicht ehrenhaft!“, rief Nuas. 'Er hat Spaß daran.' Die Händler zogen einen Kreis um sie. „Was soll das?“, rief einer. „Hört sofort auf!“ ein anderer. Theylrond trat nach Nuas' Schienbein. „Ergib dich, Nuas“, rief Aphidor. „Du kannst nicht entkommen.“ Doch mit einer Rolle vorwärts entkam Nuas wieder. „Ich verteidige mich nur gegen diese Wilden!“, rief er und Maggie meinte, ein Lächeln auf seinen Zügen zu sehen. „Sofort aufhören!“, schrie ein unbeteiligter Mann und trat zwischen die Kämpfenden. Nuas' Messer traf ihn in die Seite. Blutend brach er zusammen. „Scheiße“, rief Theylrond und holte zu einem Fausthieb an Nuas' Wange aus, der kurz abgelenkt war. Unter dem wuchtigen Schlag ging er in die Knie.

In einem Moment war die Stimmung umgeschlagen: Wütend wollten die Leute sich auf Nuas stürzen, wilde Beschimpfungen ertönten. Von irgendwo aus der Gruppe flog ein Stein. Da stellte sich Maglawen sich vor Nuas. „Es ist an mir diesen Mann zu bestrafen“, sagte sie eiskalt. Niemand durfte ihr das wegnehmen. Sie sah nicht, wie die Menschen sie ansahen. „Was hast du vor, Maglawen?“ Aphidors Frage klang fast ängstlich.

„Seht Euch diese Kerle doch an! Räuber, Mörder, Verräter!“, stieß Nuas hervor, immer noch von Theylronds kräftiger Hand gehalten. „Er ist ein Dieb“, entgegnete der ruhig. „Ich, ein Dieb?“ Nuas schüttelte den Kopf. „Eine Lüge ist das.“ Eilige Schritte ertönten. Ihr Bruder war zurück, mit einem übermüdet und streng aussehenden Wachhauptmann. „Was geht hier vor?“, fragt der gebieterisch. „Berichtet!“ Die Händler zogen sich etwas zurück.

„Er hat versucht und mit einem Messer anzugreifen. Da haben wir uns gewehrt nicht wahr, Aphidor?“ Sie hörte, dass Theylrond das sagte. Aber in sich selbst sah sie nur Nuas' Gesicht, seine unerträgliche Selbstzufriedenheit, damals, als er sie vergewaltigt hatte, und jetzt, wo er sie beobachtete. Macht. Seine Macht über sie. „Was? Die haben mich angegriffen!“, sagte er jetzt. „Die da hat sie aufgestachelt!“ Mit seinem Finger zeigte er auf sie.

„Weiterhin paktiert dieser Mann mit dem Feind. Er ist ein Spion Mordors!“ Das waren Aphidors Worte. Nuas' Gesicht nahm einen hämischen Zug an. „Wenn ich ein Spion bin, was ist sie dann?“ Wieder zeigte er auf sie. „Sie war meine Gefährtin und Komplizin. Aber das Kind, das sie von mir trug, hat sie getötet! Nehmt sie fest!“ 'Du Schwein. Du Schwein. Du Schwein.' In ihrem Kopf drehte sich ein Rad, das sie schwindelig machte. „Du nennst sie Gefährtin? Was du ihr angetan hast?“ Wieder Aphidor. Er spuckte auf den Boden.

Maggie konnte sich nicht mehr rühren. Sie fühlte das Misstrauen der Leute, des Wachhauptmanns eiskalt durch ihre Adern rinnen, fühlte sich, als stehe sie nackt vor ihnen allen. „Ihr wollt ihm glauben?“, stieß sie hervor. „Sein Bruder hieß Tawen. Als er ihm im Weg stand, sah er ruhig zu, wie er getötet wurde. Nuas bedeutet nur eines etwas: Macht zu haben über andere.“ 'Was sind Worte?', dachte sie verzweifelt. 'Kein Wort kann schildern, was er mir angetan hat.'

Der Wachhauptmann wiegte den Kopf. „Was ist mit dem Kind, welches Ihr getötet haben sollt? Behauptet Ihr, dass er damit auch lügt?“ Auf dem Markt herrschte Stille. „Ich will darüber nicht reden“, sagte sie, Zorn in sich, der zu entflammen drohte. Wie konnte man sie zwingen wollen, darüber zu sprechen? Der Wachhauptmann verzog keine Miene. „Ungeachtet dessen: Gebt Auskunft. Sonst lasse ich auch Euch verhaften.“ Zwischen fast zusammen gebissenen Zähnen würgte sie hervor: „Er ist nicht tot. Er heißt Amrûn, wird im Sommer vier Jahre alt und ist irgendwo in Sicherheit. Dort, wo ihn sein Vater, der mit Gewalt nahm, was ich ihm niemals geben wollte, nicht finden kann.“ 'Sie stellen mich an einen Pranger...'

Nuas machte ein empörtes Gesicht. „Mit Gewalt?“, fragte er und schaute mit unschuldigem Gesichtsausdruck zu den Händlern. „Das lügt sie! Sie hat mich verführt!“ Die Händler wisperten miteinander. Verzweifelt sah Maggie zu ihren Gefährten: zu Aphidor, zu Theylrond, zu Cuillam und zu Brytwine. „Glaubt ihr das?“, fragte sie leise. Sie konnten das doch nicht glauben! „Ich glaube Dir, Maglawen“, sagte Brytwine. „Du hast nicht gelogen, nur nicht immer alles offenbart. Das ist was anderes.“ 'Sie versteht mich.' Es war wie Erlösung. "Meine Schwester hat jahrelang ihr Leben für Gondor riskiert!“, hörte sie Cuillam zornig rufen. „Das stimmt, das Schreiben beweist es!“, schloss sich Aphidor an. 'Ich habe Freunde.' Beinahe war jetzt alles egal.

„Ein Beglaubigungsschreiben?“, schrie Nuas. „Das ist gefälscht! Ich habe ihr das beigebracht!“ Leise sagte Maglawen: „Du verdammtes Schwein.“ Der Zorn hatte nun ein anderes Gewand angezogen. Er war kalt und klar und stark. „Eine Frau, der so etwas nachgesagt wird“, hörte sie den Hauptmann murmeln. „Ohne Feuer gibt es keinen Rauch.“ Sie hob den Kopf und sah ihn und dann wieder Nuas an; mit herab hängenden Händen stand sie da, den Kopf hoch aufgerichtet, „du Schwein“, sagt sie wieder leise und stürzte sich dann mit gezogenem Messer auf ihn, traf ihn genau zwischen zwei Rippen, sah ihn tot zusammen brechen, wusste, dass nun endlich Schluss war, dass sie endlich einfach ihre Augen schließen können würde.

Widerstandslos ließ sie sich vom Hauptmann binden. „Du Idiot“, fluchte Theylrond. „Was hast du dir dabei gedacht?“, fragte der fassungslose Aphidor. Nur eines schmerzte sie: Als sie sah, wie Brytwine zu weinen begann. „Es war genug“, versuchte sie, müde zu erklären. Cuillams Hand fand ihren Arm, aber der Hauptmann stieß ihren Zwillingsbruder fort. „Vielleicht hätten wir noch mehr Beweise finden können. Vielleicht hätte er was falsches gesagt. Vielleicht...“ Aphidor kam nicht über das Geschehene hinweg. „Kann ich kurz mit Brytwine reden? Bitte?“, fragte Maggie den Hauptmann, der es ihr zugestand.

„Maglawen“, murmelte Brytwine und griff ihre Hand, drückte sie fest. Es tat gut, stellte Maggie überrascht fest. „Wenn ich das Kind noch bekommen darf“, bat sie sie schnell und leise. „Kannst du dann dafür sorgen, dass es Arri aufzieht? Und meinen Sohn auch? Du findest eine Schriftrolle in Arris Haus, darauf ist der Weg zu ihm beschrieben.“ Brytwine wischte sich über ihre Augen und nickte heftig. „Und“, fügte Maglawen hinzu. „Wenn du je noch einmal auf Arantion treffen solltest - sag ihm einen Gruß. Bitte.“ Der Hauptmann zerrte an ihrem Arm. „Du kannst doch jetzt nicht gehen“, rief Brytwine. „Jetzt, wo wir uns angefreundet haben!“

Maglawen lächelte. „Ich würde tatsächlich auch lieber bleiben.“ Brummend verkündete der Hauptmann: „Jetzt ist es genug“ und zog sie fort. „Mach's gut, mein Freund“, murmelte sie noch, zu Aphidor und Theylrond gleichermaßen. 'Mein Freund?', überlegte sie verwundert, während sie neben dem Wachhauptmann einher schritt. 'Das hab ich ja ernst gemeint!'

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Mo 29. Aug 2016, 14:16 
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Epilog:

Mitten in einer sternenlosen Nacht einige Wochen später fand ein Wachmann den Kerker, in dem die seltsame Frau saß, die auf dem Markt einen wehrlosen Mann erstochen hatte, leer vor. Fassungslos alarmierte er seinen Hauptmann und zahlreiche Wachen durchsuchten die ganze Stadt, doch die Mörderin war nicht aufzufinden.

Einige Monate darauf ritt Cuillam mit einem kleinen Bündel im Arm los, um Brytwine und Theylrond zu finden. Als das Bündel begann, zu weinen, streichelte er ihm andächtig die Wange. So klein war das Mädchen. 'Tinulinn', dachte er, als er das Kind betrachtet. 'Was für ein Name. Sie hat sich wirklich verändert.'

Von Tolfalas aus stach ein Segelschiff in See. 'Elster' war in großen Buchstaben auf seine Seite gemalt. Am Steuer stand eine schlanke Gestalt mit einem Tuch um das Haar und blaugrünen Augen.

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