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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Do 21. Apr 2016, 17:05 
Wächter Gondors
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„Scheiße“, hörte Maggie von irgendwoher. Die Stimme kam ihr vage vertraut vor. „Scheint noch zu leben“, sagte eine andere Stimme, die sie auch zu kennen meinte. „Mann, kann die jemand mal zusammenflicken?“ Wieder die erste Stimme. 'Meinen die mich?' In Maglawen entstand ein Gefühl: Empörung. „Maglawen!“, rief dann eine Frauenstimme erschrocken aus, das versöhnte sie. 'Brytwine', dümpelte es durch ihren Kopf.

Dann tastete jemand über ihren linken Arm und das tat sehr weh. „Hee.“ Es waren nur Buchstabenbrocken, die sie mühsam über die Lippen brachte. „Bitte nicht...“ Eine sanfte Stimme reagierte, ganz anders als die anderen Stimmen. 'Maevenya.' „Verzeiht.Könnt Ihr mir sagen, wie das passiert ist?“

„'Fall'n.“ Es war so mühsam. So anstrengend. In ihr wuchs Unbehagen. 'Los, du musst aufwachen.' Verkrampft versuchte sie, sich etwas aufzurichten. 'Viele Leute in einem Raum. Nicht Bree. Dol Amroth. Arvaethil und Saellith.' Wie ein Blitz schoss durch ihren Kopf, was geschehen war. Warum sie hier war. Keine der beiden war hier gewesen, aber jemand hatte das ganze Haus durchsucht. Natürlich, ohne das Dokument zu finden. „Arri?“, fragte sie.

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„Arri war bei uns, ihr geht es gut.“ Aphidor war es, der ihr antwortete. „Und... Saellith?“ Maevenya hielt ihr eine Phiole an die Lippen. „Bitte trinkt das, brennil.“ Theylrond antwortete ihr diesmal. „Komm mal auf die Beine. Der Rest kommt später.“ Maggie sah auf das kleine Röhrchen. „Was ist in dieser Phiole?“, fragte sie Maevenya. „Ein Mittel, das die Schmerzen betäubt“, antwortete Maevenya. „Oh“, machte Maggie. „Dann hätt' ich gern mehrere.“ Sie konnte sich wirklich nicht erinnern, jemals zuvor solche Schmerzen gehabt zu haben. „Du lebst und kannst schon wieder Witze machen, das ist erfreulich.“ Sie konnte sehen, dass Arganthir schmunzelte. Vielleicht würde er ihr ja vergeben.

Sanft forderte Maevenya sie auf, sich wieder hinzulegen. „Was macht Ihr jetzt?“, fragte Maggie. Sie hatte ein ganz mieses Gefühl, erst recht, als die Elbin sie anlächelte - entschuldigend anlächelte. Dann zog Maevenya ihren Stiefel aus, stemmte ihren Fuß in Maggies Achselhöhle und zog ihren linken Arm mit beiden Händen langsam und gleichmäßig zu sich, bis ein dumpfes Geräusch zu hören war. Der Schmerz war zu schnell und zu stark für Maggie. Sie starrte Maevenya einen Moment vollständig entgeistert an. Dann entfuhr ihr ein gurgelndes Geräusch und sie fiel in Ohnmacht.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Do 21. Apr 2016, 17:08 
Wächter Gondors
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Beiträge: 817
„Gibt es etwas Neues?“, fragte Arvaethil drängend, als sie aus der Kaserne kam. „Ja“, erwiderte Arganthir nickend. Als sie erfuhr, dass Maglawen hier war, oben, in ihrem Schlafraum, stürmte Arri sofort die Treppen hinauf. Ihr Zorn auf die junge Frau war nicht geringer geworden. Eine Elbin stand ihr im Weg. „Brennil, sie braucht Ruhe“, verkündete sie. Arri erhaschte nur einen Blick auf Maglawen, die ziemlich bleich und mit einer Schlinge um den Arm in ihrem Bett lag. „Ihr könnt mit ihr sprechen, sobald es ihr besser geht“, fuhr die Elbin fort. „Im Moment ist sie ohnehin etwas... weggetreten.“ Zähneknirschend ließ sich Arvaethil darauf ein.

Erst jetzt tat sie der Höflichkeit Genüge und stellte sich allen ihr Unbekannten vor. Sie versprachen, ihr bei der Suche nach Saellith zu helfen, aber sofort ließ sich gar nichts tun. „Ich fürchte, wir müssen warten, bis Maglawen bei Bewusstsein ist“, riet Arganthir. „Sie kennt die Tricks und Schliche der Krähen, vielleicht weiß sie einen Rat.“

„Was soll das alles?“, fragte Arvaethil müde. „Es hat doch mit Sally nichts zu tun!“ „Vielleicht ist er oder sind sie Sally hier zufällig über den Weg gelaufen“, überlegte Aphidor laut. „Was auch immer sie hier alleine gemacht hat.“ Ihre Kraft reichte nicht, etwas zu erklären, und sie hatte keinen Bedarf, ihre Liebe zu rechtfertigen, also sagte sie nur: „Sie wohnt hier, Aphidor. Mit mir.“

„Ja natürlich“, entgegnete er großzügig. „Ist ja auch dein Haus.“

Sie bat sie, sich alle in ihrem Haus mit dem zu bedienen, was sie brauchten, doch Arganthir und Theylrond wollten zu Verwandten, die sie in Dol Amroth hatten. Zuletzt kamen sie überein, dass es gut wäre, sich in der Nachbarschaft umzuhören. Plötzlich fielen Arvaethil die Prophezeiungen ein – Lothlinns letzte Nachrichten, bevor sie in den Westen gegangen war. Aus der Truhe nebenan holte sie die Pergamentrolle und las den anderen die Worte der Elbin vor:

„Das Volk Gondors wandelte fern der Mauern der Weißen Stadt,
doch stets in ihrem Schutz, umhüllt von Stärke und Trost und Stolz.
Über dunklen Zinnen fliehen Sterne nun, das Mondlicht stirbt,
schrill klagen Stimmen aus dunklem Gebirg. Die weiße Knospe in der Hand
streckt vergeblich sich. Das Licht, es scheint dahin.“

„Saellith, Adaneth von Gondor, mit dem Herzen hell wie Morgenlicht,
deine Stunde kommt. Fasse Mut und erstarke.
In der Brandung kühlem Reich - wird dort das Feuer deines Herzens erlischen?
Wie kann die Treue zahlen für ihre ehern starke Macht?“


„Arvaethil Feuerherz, ohne Straucheln schrittest du so stark
in der schönen Fremde einher. Doch was wird werden,
wenn das Meer du wieder singen hörst?
Nun naht der Tag, den immer schon du fürchtetest.“


„Hoffentlich ist Maglawen eine Hilfe“, murmelte Aphidor später. „Kann sein, dass sie so etwas sagen wird, sie geht allein rein, sticht irgendwie alle ab und geht mit Saellith wieder raus...“

Arvaethil sah zu der Katze, die auf dem Rücken lag und ihre Tatzen nach oben streckte. „Ich lasse sie ganz sicher nirgendwo hin, wo Saellith ist.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Fr 22. Apr 2016, 15:32 
Bürger Gondors

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Wohnort: Goldsengen, Breeland
der Tag war turbulent genug, dachte sich Arganthir. nach dem Jähen Aufwachen, dem unerwarteten Wiedersehen und dem Ritt durch den Sturm der fast den gesamten Tag in anspruch nahm, wäre er liebend gerne einfach auf ein Lager gesunken und hätte Schlafen können. Doch weit gefehlt. nachdem er sich aus Arris und Sallys Haus Verabschiedet hatte standen ihm noch zwei Wege bevor; und beide bescherten ihm ein Mulmiges Gefühl.
Ferros Satteltaschen beinhaltete noch immer die Rüstung seines Mentors welche er führ ihn aufbewahrte und die ihn auf der Reise so Gut geschützt hatte, es wiederstrebte ihm sie abzugeben und Kunde zu tun was mit ihrem Besitzer geschehen ist, doch nichtsdestotrotz führte ihn sein Weg zuerst zum Sitz der Schwanenritter.

An der Pforte ließ man ihn nach kurzer Überprüfung hinein nachdem er seine Waffen abgegeben hatte, und lange musste er auch nicht warten bis der Diensthabende Offizier ihn zu sich bat.

Stockend, doch immer flüssiger werdend, erzählte Arganthir von seiner und seines Mentors Reise welche sie vor Jahren ins Blaue Gebirge geführt hatte, er beschönigte nichts und gab jedes Detail wieder...wie hätte er dies auch jemals vergessen können. als er endete herrschte geraume Zeit Stille. Als der Offizier schließlich nach einem Räuspern sprach, da war es als fiele eine Last von Arganthirs Schultern, deren er sich nicht einmal bewusst gewesen war. Seine Treue, die Jahre über die Rüstung gehütet zu haben, sowie sein Bericht über das geschehene wiege es mehr als auf das er sich unrechtmäßig die Rüstung überstreifte und sie nutzte.

Die Rüstung war zwar an einigen Stellen beschädigt, jedoch würde sie wenn sie hergerichtet wurde als Ausstellungsstück mitsamt einer Gedenktafel seines Mentors aufgestellt werden. Arganthirs einzige Aufgabe bestände nun noch darin die Geschichte niederzuschreiben für die Chronik.

Wieder vor der Türe atmete er erst einmal Tief durch..das war glimpflicher gelaufen als gedacht..doch nun stand ihm noch der zweite Gang bevor..der zu seinen Eltern die er seit nunmehr Sieben Jahren nicht gesehen hatte...das würde eine lange Nacht werden.

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Aber gib niemals auf!


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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Fr 22. Apr 2016, 16:14 
Bürger Gondors

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Beiträge: 694
Wohnort: Goldsengen, Breeland
An seinem Elternhaus angekommen zauderte Arganthir.

Als er sich ein Herz fasste klopfte er mehrmals an, und nach einer Weile kam ein Bediensteter, den Arganthir nicht kannte, zur Türe und fragte nach dem begehr. Als Arganthir anhub zu sprechen polterte die grollende Stimme seines Vaters bereits hinter dem Diener, wer denn um diese Nachtschlafende Zeit einlaß begehren würde.

"Vater? Ich bin es, Arganthir.."
der Diener wurde unsanft beiseitegeschoben und die in Ehren ergraute, jedoch noch immer Eindrucksvolle Gestalt seines Vaters erschien im Türrahmen

"Junge? Bist das wirklich du?Nach so langer Zeit! Lass dich ansehen"

musternd standen sich Vater und Sohn gegenüber, einige Herzschläge sagte niemand etwas, beide unfähig ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

urplötzlich machte sein Vater einen Schritt nach vorne und umarmte Arganthir heftig. Kräftig wie er noch immer war knirschten Arganthirs Knochen unter der Zuneigungsbekundung seines Vaters. So plötzlich wie er ihn in den Arm genommen hatte, endete es auch wieder und sein Vater ging auf Abstand

"Das war, weil ich dich Liebe und nie die Hoffnung aufgegeben habe dich wiederzusehen"

Sein Vater holte aus und Gab ihm eine Schallende Ohrfeige das Arganthir erst einmal eine halbe Drehung auf der Schwelle machte

"Und das dafür das du Sieben verdammte Jahre gebraucht hast hier mal vorbeizukommen und ein Lebenszeichen von dir zu geben, alle dachten schon du wärest Tod"

sein Gesicht Schmerzte, doch dennoch musste Arganthir grinsen, es war schön seinen alten Herrn gesund und munter zu sehen.

"Vater, sag, wo ist Mutter? Ist sie wohlauf? Ist sie oben?"

"Junge, ich muss dir leider sagen das deine Mutter vor drei Jahren gestorben ist..es gibt viel was wir uns zu erzählen haben"

betroffen sank Arganthir auf einen Stuhl nieder, sein Vater zog einen Zweiten heran und ließ sich darauf nieder, der Diener brachte Brandy und sie begannen einander zu erzählen. Von Reisen, von Träumen,von Hochzeiten,von einem plötzlich aufgetauchten Neffen, einer Gemeinschaft von Treuen Gefährten und einer wagemutigen Heimreise der Sohn, und vom Tod der Mutter, dem Erfolg des Bruders, von dem treiben in der Stadt, den Ängsten der Gondorer, dem Auftauchen von Korsaren der Vater.

als Arganthir schließlich mit der umrissenen Geschichte ihrer Heimreise endete, sagte er

"Vater, ich brauche eine Rüstung"

"Sohn, die sollst du bekommen, und bei den Valar..seht zu das ihr den Bastarden die Hintern aufreisst"

beim ersten Schimmer des Morgengrauens überprüfte Arganthir den Sitz seiner Neuen und Ungewohnten Rüstung und machte sich auf den Weg

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: So 29. Mai 2016, 09:57 
Wächter Gondors
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Arvaethil starrte die Gestalt an, die mit bedächtigem Schritt auf die Gefährten, die sich vor ihrem Haus versammelt hatten, zu trat. „Arantion?“, sagte sie verwirrt.

„Frau Arvaethil, lang ist es her, dass ich euch das letzte mal sah“, erwiderte der Angesprochene und lächelte, wie er es damals. vor so langer Zeit, meist getan hatte, schwach.

„Ja, sehr lang“, bestätigte sie knapp. Sie hatte keine Zeit!

„Komme ich etwa ungelegen?“

Ungelegen! Beinahe hätte Arvaethil gelacht. All dies war so absurd. „Nein. Ganz und gar nicht. In jeder Hinsicht. Ich bin nur gerade... Kann ihm jemand erklären, was los ist? Ich will mit Maglawen sprechen.“

„Warum die Frage?“, beteiligte sich Theylrond am Gespräch. „Wir sind erstaunt, Euch nach langer Zeit in einem Stück wieder zu sehen.“

Arantion lächelte. „Meine Marotte.“ Er blickte sich um. „Wo ist Maglawen?“

Freundlich erklärte Brytwine: „Sie ist verletzt worden und ruht sich aus.“

„Was?“ Arantion wirkte erschrocken.

„Nun...“, erklärte Theylrond beinahe süffisant. „Sie meinte alleine durch ein Korsarenlager zu schleichen. Bei Tarlangs Krone, als der Weg nach Dol Amroth versperrt war, durch Korsaren.“

„Was? Allein?“ Arantion ballte eine Gaust und senkte dann den Blick. „Wie schlimm ist es?“

Maevenya antwortete: „Ihre Schulter war ausgerenkt, sonst hat sie nur einige Kratzer. Sie wird sich bald erholt haben."

Arvaethil war mittlerweile in ihrem Haus verschwunden, um mit Maglawen zu reden. Kein Geräusch von dieser Unterredung drang nach außen. Es war ein sehr leises Gespräch, aber Arri musste alle Selbstbeherrschung aufbringen, die sie hatte, um Maglawen nicht anzuschreien oder zu schlagen. Wie leichtfertig hatte sie Saelliths Leben aufs Spiel gesetzt! Als sie Näheres über Arodol und besonders die „Krähen“ und Nuas erfuhr, wurde es in Arvaethils Inneren kalt und dunkel vor Angst um Saellith. Totenblass trat sie wieder heraus zu den anderen.

Die Gefährten begannen, sich bei den Menschen umzuhören, die in der Umgebung des kleinen Platzes zu finden waren, an dem die beiden Frauen ihr Zuhause hatten.

Arantion sprach indes Arvaethil an. „Ich wollte nur mal sehen, wie es der ehemaligen Offizierin des Nordens inzwischen geht.“ Er lächelte. „Und der Dame, die ihr pflegt.“

Verdutzt sah Arri ihn an. „Die ich pflege?“ Was hatte denn Arantion über Saellith gehört?

„Habt ihr nicht Maglawen dort im Haus?“

Kalt erwiderte Arri: „Ich pflege sie nicht. Sie hat ein Schriftstück in unserem Haus versteckt.“ Sie spürte, wie Arantion sie musterte.

„Mhm... Und das ist ein Verbrechen?“

„Wegen dieses... Schriftstücks wurde Saellith entführt. Und wir wussten nicht davon!“

Beschwichtigend erwiderte Arantion: „Sie hatte sicherlich keine bösen Absichten. Naja, ich will sie auch nicht verteidigen. Ich bin ja nun wieder nur ein Soldat Dol Amroths.“

Arri runzelte die Stirn. „Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich bin es übrigens nicht mehr.“

Abwinkend sagte Arantion: „Nicht wichtig. Aber war das nicht damals der Grund eurer Abreise von der Gemeinschaft?“

„Aber ich kann nicht nach Minas Tirith gehen, solange Saellith...“ Arvaethil verstummte. Verständnislos sah Arantion sie an. „Es war ja anscheinend nicht Eure Schuld, dass sie entführt wurde, wie Ihr eben deutlich gemacht habt. Also warum nicht?“

Arvaethils Blick war fassungslos. „Weil ich sie liebe? Könntet Ihr in den Krieg ziehen, wenn der Mensch, den Ihr liebt, verschwunden ist?“

„Ihr stellt die Liebe also über eure Pflicht? Das ist aber nicht die Arri, die ich noch kannte.“ Sie sah ihn an. „Das ist genau die Arri, Arantion.“

Die Gefährten kamen wieder und erzählten, was sie erfahren hatten: Ein Mann in der Rüstung der Schwanenritter habe gestern eine junge Frau am Arm aus dem Haus geführt; das hatten unabhängig voneinander zwei Zeugen ähnlich berichtet. Einer der Ritter Dol Amroths?

„Vielleicht war die Rüstung geklaut“, meinte Theylrond trocken. „Oder von einem Toten entwendet“, ergänzte Arantion. „Was machen wir nun?“, murmelte Arvaethil verzweifelt.

„Maglawen fragen“, antwortete Theylrond. „Die kennt die Leute.“ Arvaethil verdrehte die Augen, nickte dann aber. „Ich hole sie.“

„Was machst du denn hier?“, fragte Maggie entgeistert, als sie Arantion sah. Sie trug den linken Arm in einer Schlinge. „Ich hätte etwas mehr mehr Freude erwartet“, erwiderte der. „Freude. Aha“, sagte Maggie ausdruckslos.

„Gut, gut die Begrüßung haben wir nun hinter uns“, sagte Aphidor leichthin und grinste. „Maglawen, du bist auf den neusten Stand der Dinge?“ Brytwine sah Maggie besorgt an. „Geht es Dir besser, Maglawen?“

„Mir geht's gut. Danke“, entgegnete sie. Die anderen berichteten ihr, was sie erfahren hatten. „Das wird Arodol gewesen sein“, schätzte Maglawen ein. „Aber ich glaube, dass von Nuas mehr Gefahr ausgeht.“

Nachdenklich fragte Aphidor: „Nach dem zweiten Brief soll ja dieser Nuas angeblich die Gewalt über Saellith und selbst Arodol haben. Wie schätzt du das ein? Wahrheit oder ein Bluff?“

„Nuas blufft nicht“, erwiderte sie knapp. Sie dachte nach und sagte dann langsam: „Arri besteht darauf, dass ich nicht zu Nuas gehe. Aber... Vielleicht sollte ich tot sein.“

„Wir sollen dahin, dich für tot erklären? Das wird ein Spaß, da uns keiner glauben wird“, brummte Theylrond ironisch. Maglawen nickte. „Deswegen müssen wir wohl eine Beerdigung inszenieren.“

„Besser“, kommentierte Theylrond. Plötzlich lachte Maggie los. „Das habt Ihr Euch immer schon gewünscht, Theylrond, oder?“ Der Angesprochene grinste breit. „Ich halte eine euphorische Rede, versprochen.“

Arantion sah vom einen zur anderen, dann fragte er kühl und pragmatisch: „Und wo soll das Ganze also stattfinden?“

„Draußen am Meer“, entgegnete Maggie. „Ihr wickelt mich ein und schmeißt mich hinein.“ Aphidor grinste. „So glaubst du also, würden wir dir die letzte Ehre erweisen?“ Maglawen war im Kopf noch bei der Planung. „Morgen. Morgen früh direkt. Ich werde darum bitten, dass jemand Offizielles dazu kommt. Und dann müsstet ihr zu den Krähen.“

Arri schüttelte zu diesem Plan den Kopf. „Das glauben die Krähen doch nicht.“

„Wenn wir ihnen etwas von ihr geben, vielleicht doch“, wandte Brytwine ein. „Etwas, was nur Maglawen besitzen kann.“

„In jedem Fall sollte Arodol erfahren, dass Nuas ihn benutzt, oder?“, fragte Arri. „Ich werde ihm eine Bitte schreiben und ihm das Dokument geben. In jedem Fall.“

Maggie sah Brytwine nachdenklich an. „Ihr könntet ihm den Schlüssel geben“, schlug sie leise vor. „Ich habe ihn immer bei mir. Das weiß Nuas. Und es ist ein Schlüssel zu einem Haus, in dem etwas verborgen liegt.“ Leise Röte schlich sich auf ihre Wangen. „Wenn ihr mich einwickelt... Bitte, macht die Knoten nicht wirklich zu.“

Ein breites Grinsen war auf Theylronds Gesicht zu sehen, doch mit einem Nicken deutete er an, dass die Knoten locker bleiben würden.

„Was ist es schön, Freunde zu haben“, murmelte Maggie und grinste auch.

„Ja, nicht wahr?“ Brytwine lächelte, die Ironie völlig ignorierend, Maglawen herzlich an. Die konnte gar nicht anders, als ehrlich zurück lächeln.

„Gut, dann steht der Plan“, stellte Arantion fest. „Zeit, ein paar Stunden zu schlafen vor der 'Bestattung'“, nickte Theylrond.

„Gute Nacht“, stimmte Maggie zu. „Ich freue mich auf die Beerdigung mit euch.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Di 31. Mai 2016, 18:12 
Wächter Gondors
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Der Himmel über Dol Amroth war an diesem Morgen verhangen. Kein Windhauch war zu spüren. Zäh fiel Regen aus dem Grau.

„Ich bin angespannt“, erklärte Arvaethil mühsam, als sie Theylronds und Brytwines Blicke sah.

Brytwine nickte verstehend. „Wir werden das irgendwie hinkriegen“, sagte ihr Mann.

Als alle da waren, gingen sie noch einmal den Plan durch. Dann holte Arvaethil ihr Pferd und das Packpferd mit Maglawens „Leiche“ aus dem kleinen Stall. Ein Mann gesellte sich zu der Gruppe und grüßte knapp. Seine Kleidung wies ihn als Würdenträger des fürstlichen Hofs aus. 'Maglawens Auftraggeber', dachte Arri unkonzentriert. Er wirkte besorgt und übernächtigt, wartete jedoch geduldig, bis alle zum Aufbruch bereit waren.

Mit ernsten Gesichtern ritten sie aus der Stadt heraus. Am Tor grüßten die Wachen. Das Land um die Schwanenstadt herum sah trostlos aus: Unter dem grauen Himmel wuchs traurig graues Gras, und in der Ferne wogte die düster grüngraue See.

Als sie an der Steilküste angekommen waren und aus dem Sattel stiegen, fragte Arvaethil leise Theylrond: „War das mit der Rede ernst gemeint?“

„Sehe ich nach Witzen aus?“

Einen Moment lang musterte ihn Arvaethil. Dann erwiderte sie: „Nein.“ Von der anderen Seite raunte Aphidor: „Die Knoten sitzen auch nicht fest?“ Wieder antwortete sie mit: „Nein.“ Ihr Herz klopfte, als wolle es zerspringen.

„Maglawen.“ Die kräftige Stimme des Hünen Theylrond war deutlich zu hören, doch er sprach in Brocken. „Halb Mittelerde gemeinsam durchquert... Ich wusst' immer, du bist 'anders'...“

Aphidor nahm seinen Hut ab und hielt ihn vor die Brust, auch Maevenya zog ihre Kapuze herab. Arvaethil starrte in die Tiefe, die Stirn in tiefen Falten.

„Dann kamen wir endlich an in der Heimat und ich in Morlad“, Theylrond zog die Mundwinkel kurz nach oben, „hab' so was wie - na ja Gefühle gezeigt. Gefährten...“ Eine längere Pause. „Einfach gegangen, hmm, mach's gut.... Maglawen.“

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Nach dieser Ansprache – Arvaethil wünschte sich für einen Moment, sie hätte diese Reisegruppe einmal unterwegs miterleben können – nahmen sie die scheinbar Tote vom Packpferd und stürzten sie in die See. Maglawen hatte geschworen, dass sie diesen Sturz ohne Schwierigkeiten würde überleben können.

„Du kamst vom Wasser und du gehst im Wasser“, hörte sie Aphidor noch sagen, bevor er seinen Hut wieder aufsetzte. Der fürstliche Beamte sprach irgendetwas Feierliches und Unpersönliches. Als er dann noch sagte, dass die Schwanenritter sehr bald ausrücken würden, spürte Arri seinen Blick auf sich.

Dann ritt der Beamte zurück nach Dol Amroth und sie brachen zum Leuchtfeuer auf. Den Brief an Arodol und das Dokument, was er begehrte, hatte Arvaethil schon in der Nacht zu dem beschriebenen Platz gebracht. Hinter den grauen Gipfeln trat im Osten der schwarze Himmel hervor. Die Stille im Land war beinahe dumpf.

Beim Aufstieg zum Leuchtfeuer konnten sie zwei Wachen umgehen. Arvaethil hatte ein ungutes Gefühl, aber das hatte sie, seit Sally verschwunden war. Die Pferde ließen sie etwas unterhalb stehen und meisterten dann den letzten Anstieg. Beim Feuer waren viele Banditen – oder auch Korsaren; die Gruppe war gemischt.

„Ob Nuas dabei ist?“, wisperte Aphidor.

„Ich weiß es nicht“, erwiderte Arri. „Jedenfalls gehe ich jetzt dahin und rede mit ihnen.“

„Moment, und wir?“, entrüstete er sich. „Wir gehen mit.“

Zuletzt einigten sie sich, dass sie mit Theylrond gehen würde. Sie hielt ihn für kampferfahren – für den Fall, dass etwas schief gehen sollte. „Passt auf mein Mädchen auf“, bat er die anderen.

Alles ging schief. „Ich komme an Stelle von Maglawen“, sagte Arvaethil, als sie, die Hände offen vor sich hingestreckt, auf die Banditen zu ging. „Sie ist tot.“

Ohne auch nur einen Moment nachzudenken, ging der Mann auf sie beide los; ein anderer kam hinzu, dann noch einer. „Sie greifen uns einfach an?“, japste Arri zwischen zwei Schlägen auf den ersten Kontrahenten. „Ich bringe euch ihren Schlüssel“, versuchte sie noch einmal, mit diesen Kerlen zu reden. Zwei weitere kamen hinzu, als Theylrond und sie ihre Gegner überwältigt hatten. „Lasst meine... Lasst die junge Frau gehen“, forderte, nein, flehte Arvaethil. Es war völlig vergebens. Die Männer versuchten nichts anderes, als sie zu töten.

Schließlich legte sich Theylrond einen überlebenden Banditen über die Schultern und sie flohen zu den anderen - in der Hoffnung, dass er ihnen Auskunft geben würde.

„Eine Falle!“ Aphidor schäumte vor Wut. „Ich glaub's nicht, eine Falle. Dieses Dreckspack!“

„Wo ist die Elster?“ Der Bandit starrte sie alle finster an.

„Sie ist tot!“ Beinahe schrie Arvaethil es.

„Also war dieser Nuas nie hier?“ Maevenya wirkte verwirrt. Dreckig lachte der Gefangene, dem immer mehr Blut in sein Wams sickerte, ihr ins Gesicht. „Ihr könnt Nuas lange suchen!“

„Wo ist Saellith?“ Nur mit Mühe beherrschte sich Arri.

Der Mann lachte wieder, aber es klang zunehmend mühsam: „Na, ihr Trottel, er hat die Kleine mitgenommen, als er aufbrach! Wir hier waren nur das Empfangskomitee für die Elster.“

„Und wo ist dein Nuas? Na los!“, schnarrte Arri ihn an.

Schrill kicherte der Kerl: „Wo Nuas ist? Ha, die Elster hätte es gewusst! Was für ein unglaubliches Pech für euch!“ Der Kerl begann zu röcheln, redete aber weiter: „Ha, ist jetzt aber eh egal, ob die Elster tot ist oder lebt. Ihr seid ohnehin alle tot. Ihr alle. Wenn der Dunkle Herrscher fertig ist, wird dies hier unser Land sein.“ Verzweifelt versuchte er, noch einmal, Atem zu holen; sein Körper bäumte sich unter der Anstrengung auf. Dann fiel er jedoch jählings zurück. Der Mann war tot.

Arvaethil starrte den Toten an und sackte in die Knie. 'Nichts! Wir haben nichts erreicht!' Doch dann erhob sie sich wieder und forderte die anderen auf, so schnell wie möglich zurück zu reiten. 'Er hat gesagt, Maglawen weiß, wo Nuas ist.'

Im Galopp ritten sie nach Dol Amroth und die Pferde hatten Schaumflocken an den Mäulern, als sie Saelliths und Arvaethils Haus erreichten. Ob es noch Tag war oder bereits Nacht wurde, war kaum noch zu sagen: Aus dem Osten schien das Schwarz sich weiter, auch gen Westen, über Gondor auszubreiten.

Ein Junge lief hastig auf sie zu: „Herrin! Herrin!“, rief er und sah aufgeregt zu Arri hinauf. „Fürst Imrahil hat das Zeichen gegeben! Aus Mordor ist die Dunkelheit über das Land gezogen! Die Schwanenritter brechen auf! Sie ziehen in den Krieg!“

„Oh nein“, murmelte Aphidor.

„Ich...“ Arvaethil starrte den Jungen an. „Ich kann nicht mit.“ Es riss ihr Herz entzwei.

Der Junge wartete mit ungläubigem Gesichtsausdruck, dann rannte er weiter. Arvaethil schlug die Hände vors Gesicht, nahm sie dann aber wieder herab. „Ich... Immer wollte ich für Gondor kämpfen. Jetzt will ich nur noch...“ Sie verstummte. „Ich hole Maglawen.“

Die war aschfahl, als sie aus dem Haus trat. „Verdammt“, murmelte sie. „Ich dachte, sie wollten... Ich hätte nicht geglaubt, dass sie...“ Sie sah zu Arvaethil herüber.

„Scheiß Plan“, sagte Theylrond, der große Blutflecken auf seinem Gewand hatte, trocken.

„Du meinst, sie brauchen dich nicht mehr um irgendwie Gondor schaden zu können? Sie denken, sie schaffen das mit der Hilfe Mordors ganz alleine?“ Das war Aphidor.

Vorsichtig legte Maggie Arvaethil eine Hand auf den Arm, nahm sie aber sofort wieder weg.

„Was ist jetzt mit dem Mädchen?“ Theylrond blieb knapp, wie immer. Sie sagte ihnen, dass sie auf dem Weg nach Lossarnach sein müssten. Mürrisch ergänzte sie:„Es könnte aber auch sein, dass sie gelogen haben.“

„Du bist tot, offiziell“, brummte Theylrond. „Das ist... ungewohnt“, erwiderte sie und fand es selbst nicht lustig. Arvaethil ging ins Haus.

„Nun, Maglawen war das einzig wichtige, was wir Nuas hätten geben können“, fasste Aphidor zusammen. „Wenn ihm Maglawen egal ist... Dann ist ihm auch Saelliths Leben egal.“

„Aber falls sie gelogen haben... Vielleicht reagiert Arodol auf Arris Schreiben!“ Maggie musste einfach etwas sagen, was vielleicht ein wenig Hoffnung geben konnte.

Bevor sie sich trennten, um wenigstens ein bisschen zu schlafen, wandte Maggie sich noch an Maevenya. „Könnt Ihr ihr nicht etwas geben, damit sie mal schläft?“, flüsterte sie. „Sie bricht uns sonst bald zusammen.“ Vermutlich würde das lange passieren, bevor Arri selbst auf die Idee käme. „Ich werde nach ihr sehen“, versprach die Elbin leise. „Macht Euch nicht zu viele Gedanken. Auch Ihr werdet Eure Kraft noch brauchen.“

Mit zusammen gezogenen Augenbrauen sah Maggie in die Ferne. „Ja, ich fürchte auch.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Fr 3. Jun 2016, 12:37 
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Es dämmerte noch nicht. Immer noch nicht. Auf das verlassene Haus in der Feste Lontir schien Tageslicht. Er durfte nicht zu früh zu dem Baum gehen und nachsehen, ob das Dokument da war. Unruhig ging Arodol auf und ab. Seine Gefangene folgte ihm mit ihren Blicken. Das spürte er. Er trat auf sie zu und deutete auf den Teller mit Brot und Käse, den er neben sie auf den Boden gestellt hatte.

„Ihr solltet etwas essen.“ Sie gab einen unbestimmten Laut von sich. Arodol betrachtete sie und runzelte die Stirn.

„Wie alt seid Ihr?“ Fragend sah sie ihn an. „Vierundzwanzig... warum?“ Zögernd nickte er. „Meine Tochter wird in diesem Jahr einundzwanzig.“ Er war sich nicht sicher, ob Nimfiriel es fertig gebracht hätte, an Stelle dieser Saellith so ruhig zu bleiben.

„Sie... weiß noch nicht viel vom Leben“, murmelte Arodol. „Ihr schon, oder?“ Er war so müde.

Saellith zuckte kurz mit den Schultern. „Kommt wohl darauf an, was man erlebt.“

„Sie ist Soldatin“, fuhr Arodol fort. „So, wie ich.“ Nicht ganz. „Eine gute Soldatin“, ergänzte er todtraurig. Seine Gefangene nickte etwas unsicher.

„Aber sie weiß nichts davon, was die Liebe und das Begehren...“ Er unterbrach sich. Er konnte nicht an Mirfaloth denken, nicht an ihre Ehe. „Ach, warum erzähle ich Euch das. Ich werde jetzt nachsehen, ob Eure Freundin das Dokument gebracht hat.“ Zumindest war es ein klein wenig dunkel geworden, wie ihm schien. Saellith nickt erneut leicht und er überprüfte den Sitz ihrer Fesseln. Dann richtete er sich wieder auf. „Macht keinen Unfug“, wies er sie ernst an. „Ich habe kein Interesse daran, Euch zu bestrafen.“ Wieder nickte sie, diesmal kurz und ernst. Ihre Selbstbeherrschung war erstaunlich.

Als er ging, legte er von außen den Riegel vor.

Zwei Pergamente hielt er in der Hand, als er wiederkam. Das eine hielt er kurz noch fest, bevor er es den Flammen in dem alten Kamin übergab.

Seine Gefangene schien ihm verändert. Mit leerem Blick starrte sie auf die Wand ihr gegenüber.

„Was ist los?“, fragte er. Wachsamkeit durchströmte ihn plötzlich. Aufmerksam sah er sich in dem alten Haus um, entdeckte aber keine Anzeichen für Gefahr.

„Nuas“, erwiderte sie tonlos. „Was?“, entgegnete er erschrocken. „Ist wieder gegangen“, setzte sie leise hinzu. Arodol merkte, wie ihn die Müdigkeit verließ. „Was wollte er?“

Die junge Frau schüttelte nur den Kopf, mit zusammen gebissenen Zähnen.

„Eure Freundin hat mich gewarnt“, murmelte Arodol und warf Saellith einen Blick zu.“Wartet, lest Ihr Schreiben selbst.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Mo 6. Jun 2016, 08:36 
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„Ihr solltet Euch ausruhen“, mahnte die Elbin sanft. Nacht lag über Dol Amroth und Dunkelheit über dem Platz, auf den Arvaethil durch das Fenster sah. Scheinbar ruhig sah sie von dort zu Maevenya. „Das tue ich. Keine Sorge.“ Die Elbin legte den Kopf ein wenig schief. „Tatsächlich?“

„Habt Ihr überhaupt schon gegessen, brennil Maevenya?“, entgegnete Arri und streichelte die Katze, die maunzend um ihre Beine gestrichen war. Maevenya schaute ein wenig verwirrt und lachte dann leise auf. „Ja, das habe ich. Und Ihr?“

„Ja. Gerade eben erst.“ Sie sah, wie die Elbin langsam nickte. „Gut.“

„Ich habe noch einiges in der Küche stehen, bitte, bedient Euch.“ Arvaethil schaute zur Katze, während sie das sagte. „Brot und Käse... So etwas.“ Sie nahm das junge Tier auf den Arm und streichelte das dichte Fell. Für einen Moment sah sie Saellith vor sich, wie sie vorgeschlagen hatte, die Kleine aufzunehmen. Ihr Lächeln.

„Sie ist noch sehr jung und wir haben... Wir haben sie noch nicht lange...“ Sie merkte, dass sie stammelte und riss sich zusammen. 'Bleib stark! Verzweifle nicht!' Als sie sich vorbeugte, um die Katze abzusetzen, hatte sie dennoch der Schmerz in seinem harten Griff. Maevenya ließ die Katze an ihrer Hand schnuppern.

„Was meint Ihr - wird dieser Arodol sich melden?“, fragte Arri. Vermutlich hing alles davon ab.

„Wenn er kann, denke ich schon“, erwiderte die Elbin nachdenklich. „In einem Dorf auf dem Weg hierher traf ich eine Frau, die ihn wohl beherbergt hatte. Er war am nächsten Morgen verschwunden, doch hatte ihr Bezahlung für Unterkunft und Verpflegung da gelassen... Warum hätte er das tun sollen?“

„Ihr meint, er hat einen Rest von Ehrgefühl?“

Maevenya nickte langsam. „Wenn er all das tatsächlich nur für dieses Dokument getan hat, und er es nun besitzt... Wer weiß.“

Tief holte Arvaethil Luft. „Ich geb' die Hoffnung nicht auf“, sagte sie stur.

Lächelnd nickte Maevenya. „Ich ebenso wenig.“

„Maglawen wird morgen früh nach Lossarnach aufbrechen“, erzählte Arvaethil.

Die Stirn in Falten fragte Maevenya: „Und der Rest wartet hier auf Nachricht von Arodol?“

„Ja“, bestätigte Arri. „Wenn Arodol sich nicht bis morgen Mittag melden sollte - dann glaube ich nicht, dass er auf mein Angebot eingeht.“

Ernst nickend fragte Maevenya: „Was wollt Ihr dann tun?“

Arri sah wieder zum Fenster, hinter dem die Dunkelheit wartete. „Dann werde ich Saellith suchen. Hier, im Lebennin, in Lossarnach...“ Die Elbin nickte.

Einige Momente später sagte Arri: „Ich war kurz davor, Maglawen zu sagen, dass ich sie niemals wiedersehen möchte.“

„Es war sicher nicht sehr klug, so etwas hier zu verstecken“, erwiderte Maevenya. „Ich denke, das weiß sie inzwischen selbst am Besten.“

„Wir sind verwandt, wie ich seit kurzem weiß“, sagte Arvaethil leise. „Sie ist meine Kusine.“

Aufmerksam betrachtete Maevenya sie. „Und was haltet Ihr davon?“

Arvaethil lachte leise. „Ich finde es... unerklärlich. Kusine und die Tochter des Mannes, der meine Familie zerstören wollte. Zerstört hat.“

Eigentlich war es ein wenig anders. Sie hatte sich gefragt, ob sie denn mit Lannathron ihr Leben lang verbunden sein musste. Es erschien ihr falsch. Nein, es erschien ihr sogar beinahe bedrohlich. Dennoch mochte sie Maggie und sie wollte unbelastet mit ihr umgehen. Eigentlich hatte sie gedacht, sie könne das auch. Bis Saellith entführt worden war.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Di 7. Jun 2016, 16:56 
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„Wohin reitet sie?“, fragte Aphidor. Arvaethil sah Maglawen nach. „Lossarnach“, antwortete sie. Auch Brytwine verfolgte den Aufbruch – mit besorgtem Blick. Ihr Mann schüttelte nur den Kopf und brummte etwas Unverständliches. „Wir können diese Spur nicht ganz außer Acht lassen“, warb Arri um Verständnis. „Nein“, bestätigte Aphidor. „Gibt es schon eine Antwort von Arodol?“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, Aphidor. Nichts.“

Theylronds Gesicht war mit verkrusteten Narben übersät; Arri konnte ihm seine Skepsis nicht übel nehmen. „Gab 'ne Menge 'Spuren' in letzter Zeit“, gab er zu bedenken. „Ja“, gab sie ihm Recht. „Aber nicht genug.“ Es war Wind aufgekommen, der heulend durch die leeren Gassen Dol Amroths fegte. Noch war niemand unterwegs, es konnte noch nicht einmal Morgen sein. „Was jetzt?“, insistierte Theylrond. „Welcher 'Plan?'“ „Warten“, erwiderte Arri bitter. Sie hatte noch niemals gut warten können, aber jetzt? Seit Stunden stand sie bereits vor der Tür und wartete. Auf ein Wunder.

Plötzlich richtete sie sich auf. Ein Junge, nein, ein junger Mann in einfacher, zerlumpter Kleidung, der verschwitzt und abgehetzt wirkte, kam auf das Haus zu gelaufen. „Seid Ihr Arvaethil?“, fragte er Arri keuchend, und als sie verwundert bejahte, reichte er ihr ein zusammen gerolltes Stück Pergament an und verschwand wieder. Mit zitternden Händen riss sie das zusammengerollte Pergament auf. Auf Maevenyas Stirn waren Falten zu sehen, auch Theylrond runzelte die seine. „Was ist es?“, fragte Aphidor. Mit glühenden Wangen las sie vor:

Arvaethil, Ihr habt eingelöst, was ich gefordert habe und ich werde Saellith unbeschadet zu Euch bringen. Danke für die Warnung – ich weiß, was für ein Mensch Nuas ist. Wir brechen in zwei oder drei Stunden auf und werden Dol Amroth vor dem Morgen vom Osten aus erreichen. Arodol

„Das ...das ist doch eine gute Nachricht, oder ?“, fragte Brytwine behutsam. Arvaethil fühlte sich von neuem Leben durchströmt. „Ich reite ihr entgegen“, verkündete sie entschlossen. „Dann reiten wir mit“, entschied Theylrond und Maevenya nickte. „Danke, dass Ihr das tut!“, entgegnete Arri und nickte ihnen zu. „Glaubst du, wir wollen auch hier nur 'rum hocken?“, fragte Aphidor als Erwiderung.

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Mittlerweile war es ein Sturm, der über Belfalas zog. Die Bäume wurden vom Seewind beinahe gebrochen, so sehr neigten sie sich zur Seite. Fahles Licht trat an einigen Stellen im Nordosten hervor, doch bald schlossen sich die Lücken wieder mit dunkel drohenden Wolken. Arvaethil reckte sich immer wieder im Sattel und hielt Ausschau. Als sie die Steilküste erreicht hatten, zügelte sie ihren Rappen plötzlich. „Da! Ich kann sie sehen! Sie werden angegriffen!“, schrie sie entsetzt und treib ihr Pferd zum Galopp an.

Maevenya, die ihr folgte und angestrengt Ausschau hielt, sah sieben Banditen auf einer Klippe voraus. Sie hatten um einen Mann in der Rüstung der Schwanenritter und eine junge Frau mit braunen Haaren eine Traube gebildet, und schlugen auf sie ein. Der Mann nutzte Schwert, Helm und Panzerung, um sie sich vom Leib zu halten, die junge Frau hatte lediglich ein Messer in der Hand.

Im Galopp hielten sie alle auf den Kampfplatz zu. Arodols Helm war herabgefallen und von seinem Kopf strömte Blut herab. Einen der Banditen hatte er erledigt, aber den Stich eines anderen sah er mit dem Blut in den Augen nicht mehr kommen - er traf ihn in den Bauch und der Mann aus Minas Tirith sackte zusammen. Eine Krähe, die aussah wie ein halbwüchsiger Knabe, schoss aus etwas Entfernung einen Pfeil nach dem anderen auf Arodol, Saellith und auf die heran nahenden Gefährten. Saellith wehrte sich gegen den Griff ihres Gegners und traf ihn mit dem Messer, bekam jedoch zur gleichen Zeit einen Pfeil in den rechten Oberschenkel. Der Mann, der sie angriff, konnte ihr in diesem Moment ungehindert seine gepanzerte Faust gegen den Kopf rammen, so dass sie zu Boden stürzte und bewegungslos liegen blieb. Als die Banditen die Herannahenden bemerkten, stürzten sie sich brüllend auf sie.

Alle Gefährten sprangen von ihren Pferden: Arri rannte zu Saellith und warf sich schützend über sie. Maevenya griff nach ihrer Arznei und dem Verbandzeug, während Aphidor mit zitternder Hand einen Bolzen in sein Armbrust einlegte und Brytwine in einem dichten Gebüsch Schutz suchte. Auf Theylrond stürzte ein großer Kerl zu, sein Schwert drohend erhoben und schreiend. Theylrond ließ ihn die Klinge mit seiner kreuzen und versuchte, ihn nach hinten zu drängen – auch er war ein Hüne. Mit unerwarteter Behendigkeit tauchte der Kerl unter Theylronds Bewegung hinweg und bewegte sich wie ein Tänzer auf die andere Seite seines Gegners.

Aphidor hatte währenddessen seinen Bolzen auf den Jungen mit dem Bogen los gelassen und ihn getroffen, wenn auch nicht tödlich. Der Kerl schoss unverdrossen weiter Pfeile in den Kampf hinein. Rasch stemmte Aphidor den Bügel der Armbrust auf den Fuß und begann, sie erneut zu spannen. Eine kleine Frau mit einer Maske vorm Gesicht hatte sich jedoch schnell und ansatzlos durch die Kämpfenden bewegt, um mit ihrem Dolch Stiche auszuteilen: Nun war sie bei Aphidor angekommen und er ließ den gerade eingelegten Bolzen auf sie los. Ohne einen Laut sackte die Getroffene zu Boden und war sofort tot.

Ihr verzweifelter Blick hatte Arri gezeigt, dass Sallys Gesicht blutüberströmt war. Ein Pfeil steckte in ihrem rechten Oberschenkel. Beinahe beiläufig rammte Arvaethil einer Frau, die auf sie eindrang, ihr Schwert in den Leib. Noch hier, hoch über der Küste war die kühle Brandung zu hören, die an den Fels schlug und das Meer schien zu singen, ein grausames Lied von Furcht und Verlassenheit. 'Die Prophezeiung', kam es Arri in den Sinn und kaltes Entsetzen ergriff sie. 'Lothlinn hat es voraus gesehen!'

Theylrond erwies sich als erfahrener Kämpfer und landete einen Treffer, obwohl sein Gegner so beweglich war. Blut breitete sich auf dessen Wams aus und der Kerl grunzte. Hastig setzte Theylrond nach und stieß die Waffe tiefer, bis der Bandit auf dem Boden lag. Aphidor hatte nun ein neues Gegenüber: einen, der wie ein Anführer wirkte und wild mit seinem Schwert um sich schlug, doch Theylrond kam ihm zu Hilfe und trat den Mann, so dass er sein Gleichgewicht verlor. Dem am Boden Zappelnden trennte er mit einem Streich den Kopf vom Leib. Die Entlastung nutzte Aphidor und traf den Bogenschützen mit einem Bolzen: Ohne einen Laut brach der Junge tot zusammen.

Arri traf einen Banditen mit einem Schwertknauf ins Gesicht und durchbohrte ihn dann mit der Spitze des anderen. Das ermöglichte es Maevenya, die Verwundeten zu erreichen. „Helft ihr!“, flehte Arvaethil panisch. Blut tränkte Gras, Kies und Lehm des Bodens in Belfalas. Alle Feinde waren tot, lagen seltsam verrenkt oder verstümmelt um sie herum. Die Gefährten hörten ihren eigenen Atem, rasch, ächzend, schmerzvoll. Auch bei ihnen war Blut geflossen, aber besonders bei Saellith und Arodol.

Maevenya handelte rasch und überlegt. Auf die Platzwunde an Saelliths Stirn legte sie ein Tuch und wickelte ein langes Stoffband vorsichtig aber fest um ihren Kopf. „Seht nach Arodol“, wies sie die anderen knapp an. Für einen Moment wollte Arvaethil den Kopf schütteln, dann tat sie aber, wie geheißen. Der Mann mit den grauen Haaren lag in einer Blutlache. Sein Bauch war von einem Stich grausig geöffnet. Arri riss ein Stück von ihrem Umhang ab und presste es auf die Wunde. „Er lebt!“, keuchte sie. Brytwine war aus dem Gebüsch gekommen und blickte voller Grauen auf das Blutbad um sie herum. „Wir sollten hier verschwinden“, mahnte Maevenya leise. Sie luden die Verletzten vorsichtig auf die Pferde und ritten zur Feste Lontir, die nicht weit von dem Ort der Tragödie lag.

Alle halfen mit, als sie dort ankamen. Es war noch immer früh am Morgen; kaum jemand bemerkte die blutbesudelte Truppe, die einen Platz nahe des Brunnens für sich mit Beschlag belegte. Theylrond holte Wasser, Aphidor versorgte die Pferde, Maevenya kümmerte sich um die Verletzten und Brytwine half ihr. Nur Arri hielt einfach nur Saellith im Arm und wartete ängstlich auf ein Wort von Maevenya zu deren Zustand. „Brennil... Wie schlimm...? Sagt mir bitte...!“ Die Möwenschreie klangen wie Klagen. Es roch nach Blut. Auf dem Platz in der Feste Lontir waren nun noch zwei weitere Menschen aufgetaucht, die sich den Gefährten aber nicht näherten - nur vereinzelte Blicke warfen sie auf sie.

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Mit einem Messer entfernte die Elbin den Pfeil aus Sallys Bein. „Scheint keine Widerhaken zu haben, gut.“ Sie sah zu Aphidor. „Bitte sagt mir, wenn er trotz dem Verband zu viel Blut verliert. Die Bauchwunde sieht nicht gut aus.“ „Können wir was machen?“, fragte Theylrond. Mit einem Tuch in der Hand ging Brytwine zu Arodol, setzte sich zu ihm, nahm seinen Kopf auf ihren Schoß und tupfte ihn ab.

„Sieht gut aus“, sagte Maevenya, die nun mit Sallys Behandlung fertig war. „Gut?“, fragte Arri ungläubig. „Ihr meint, es ist... gut?“ Ein erleichtertes Seufzen war von Aphidor zu hören. „Saellith“, murmelte Arvaethil staunend und liebevoll. „Du bist frei... Alles wird gut.“

Während Maevenya nach Arodol sah, versorgten die Gefährten ihre eigenen Wunden. Aphidor hatte einen Schnitt in den Arm abbekommen, Theylrond einige Kratzer. Brytwine kämpfte derweil gegen Übelkeit, als sie die Wunde in Arodols Leib sah. Mit sanftem Druck wickelte Arvaethil einen Verband um Aphidors Arm, nachdem sie die Wunde mit einer Kompresse abgedeckt hatte. Die Enden des Verbands knotete sie fest. „Die erste Heldennarbe?“, fragte sie ihn und lächelte ihn an. Sie war so dankbar. „Pah, eine Schande für einen Armbrustschützen“, erwiderte Aphidor und grinste.

„Au“, war es unvermittelt leise aus Saelliths Kehle zu hören. „Arri?“ „Ist sie wach? Wie geht es ihr?“, fragte Aphidor. Verwirrt sah Saellith sich um. „Was ist passiert?“ Arri hielt sie in ihrem Arm. „Du bist verletzt worden... Aber es ist nicht so schlimm. Arodol hat dich beschützt. Und unsere Freunde hier.“

„Ah“, machte Sally. Sie wirkte noch konfus. „Hallo Aphidor.“ Der grinste. „Hallo auch Saellith. Lange nicht mehr gesehen!“ „Wo kommt ihr denn alle her?“, fragte die Verwundete. Auch Arodol begann sich zu regen und murmelte vor sich hin. Nach Mirfaloth fragte er; Arvaethil nahm an, dass das die Schwester ihres Vaters sein musste, Maglawens Mutter, von der sie erzählt hatte.

„Nuas“, sagte Saellith leise. „Habt ihr Nuas gesehen?“ Er war vom Kampfort aufgebrochen, bevor sie ankamen. Nach Lossarnach, sagte Sally. Arvaethil sah Aphidor an. „Verdammt“, sagte sie heiser. Dorthin war Maglawen unterwegs und sie rechnete nicht mit einem Nuas hinter ihr. „Wir müssen Maggie warnen“, stellte sie unzufrieden fest. Sie konnte Sally doch nicht wieder allein lassen. „Du musst ja auch nicht mitkommen, wenn du nicht willst“, meinte Aphidor.

Saellith sagte nicht viel über Nuas, aber Arri war klar, dass es einiges zu sagen gab. Die Zeit würde kommen. Und die Zeit würde heilen helfen. Darauf hoffte sie mit all ihrer Kraft.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Mi 6. Jul 2016, 12:49 
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Der Schwanenritter Meducrist schreibt einen Brief nach Hause.

Geliebte Gattin, meine verehrte Geltílin,

nun bin ich unterwegs zur Weißen Stadt – doch auf jedem Schritt sind meine Gedanken bei dir und bei unseren Kindern. Mögen die Valar Euch beschützen – und unser Gondor, das ich mit aller Kraft zu verteidigen gedenke.

Ich reise mit einigen Leuten zusammen, die mit Herrin Arvaethil gegen die Banditen gekämpft und Herrin Saellith gerettet haben. Es ist interessant, sie mitzuerleben und sie haben mich sehr freundlich begrüßt. „Ihr seid Meducrist? Ich bin Aphidor, freut mich eure Bekanntschaft zu machen“, sagte einer, der einen großen Hut trägt. Während wir durch den so grauen Tag ritten, sagte ich zu ihm: „Alle, die Saellith kennen, werden froh sein, dass Ihr sie bewahrt habt, Herr Aphidor.“ Ich weiß ja, wie sehr du erleichtert warst und ich ebenso. „Mann gegen Mann, ein Kampf“, brummte der Hüne unter ihnen – offenkundig ein Mann, der eher Taten zeigt als Worte äußert.

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Meine Neugier konnte ich nicht ganz unbefriedigt lassen, deshalb fragte ich, während wir an dem Ort vorüber ritten, an dem der Kampf stattgefunden hatte: „Wer ist denn eigentlich dieser Schwerverletzte, den Herrin Arvaethil pflegt?“ Es schien mir fast, als zögere Herr Aphidor vor seiner Antwort. „Hmm, Arodol ist sein Name. War wohl einmal Offizier oder Hauptmann in Minas Tirith.“ Das überraschte mich sehr, und ich fragte: „Und er ist nicht dort?“

„Nein“, erwiderte Herr Aphidor. „Es gab... Gründe warum er von dort weg ist. Und momentan wird er wohl erstmal kein Schwert mehr führen können, so wie ihm zugesetzt wurde.“ Was für eine Schande, dachte ich nur, wie du bestimmt schon vermutet hast. Gondor braucht jetzt doch jeden Schwertarm – und wenn ich auch verstehe, dass Herrin Arvaethil nicht mit nach Minas Tirith reitet, so wiegt doch dieser Verlust schon so schwer.

Wir kamen recht gut voran, dennoch machte das düstere Wetter und die Ahnung des Verhängnisses, das Gondor bevor stehen mag, den Ritt nicht zu einem Vergnügen. Was dich interessieren wird: die Frau, die dabei war (ich meine natürlich nicht die elbische Herrin, die anzusprechen ich mich nicht getraut habe), stammt aus dem Breeland. Ich fragte sie – ihr Name ist Brytwine – ob sie ihre Heimat nicht vermisse. „Ein wenig“, erwiderte sie. „Meine Eltern etwas mehr.“ Da hättet ihr wohl etwas gemeinsam, sie und du. Doch, als ich sie fragte: „Darf ich fragen, warum Ihr sie verlassen habt?“, entgegnete sie mir: „Ich wollte die Welt sehen.“ Was für eine mutige Frau! Würdest du auch so etwas tun? Sie ist übrigens scheinbar mit diesem Hünen verheiratet, während Herr Aphidor eher ein Einzelgänger zu sein scheint. Kinder hat er jedenfalls nicht.

Gegen Abend erreichten wir Ethering und ich schlug vor, das Gasthaus aufzusuchen, damit sich meine Reisegefährten nach der Frau erkundigen könnten, die sie suchen. Ethering ist ziemlich abgebrannt von all denen, die dort auf ihrem Zug nach Minas Tirith Halt machten. Im Gasthaus gab es gerade noch ein wenig Suppe und Bier, aber der Wirt erzählte, es sei eine junge Frau mit schwarzem Haar da gewesen, die sich nach der Kräuterfrau erkundigt und nach Weißwein gefragt habe. „Weißwein!“, brummte der Hüne und grinste. „Das in der Gegend.“ 'Das in dieser Zeit, vor allem', dachte ich. „Wann ist sie denn hier vorbei gekommen?“, erkundigte sich der Herr Aphidor. Das war erst am Tag zuvor gewesen, doch die Kräuterfrau, nach der diese Maglawen gefragt hatte, war schon Anfang des Jahres gestorben, wie sich heraus stellte – nach ihr brauchten meine Reisegefährten also nicht zu schauen.

Diese Maglawen hatte sich auch erkundigt, wer in letzter Zeit in Ethering gewesen sei – und nun stell dir bitte vor, erst da erfuhr ich, dass sie allein den Banditenanführer verfolgt! „Das ist... sehr mutig“, habe ich gesagt, doch ich fürchte, meine Skepsis war hörbar. „Eher verrückt“, murmelte Herrin Brytwine. Herr Aphidor nahm es gewohnt freundlich. „Sprecht eure Gedanken ruhig aus“, forderte er mich auf und lachte. „Wir denken dasselbe, deswegen sind wir ihr ja hinterher.“

„Was ist das denn für eine Frau, Herr Aphidor?“, fragte ich also und der Hüne namens Theylrond raunte zwischen Brot und Suppe: „Eine Irre.“ Des Herren Aphidors Antwort war etwas charmanter. „Maglawen heißt sie“, erklärte er. „Das Herz am richtigen Fleck, und es schlägt ebenso für Gondor wie unseres, würde ich meinen... Aber Theylrond hat schon recht. Sagen wir so, sie ist ziemlich von ihren Fähigkeiten überzeugt.“

„Dann ist sie aber doch eine Gefahr für sich und andere!“, rief ich entgeistert. „Nein, nur für sich“, brummte der Herr Theylrond und trank sein Bier. „Andere kommen nie zum Zuge, macht immer alles alleine und wir rennen hinterher.“ Die Herrin Brytwine ergänzte: „Aber ich mag sie.“ Was soll man von so etwas denken, geliebte Geltílin? „Wisst Ihr denn, wo dieser Anführer ist, den sie sucht?“, fragte ich besorgt. Und dann stellte sich heraus, dass der Kerl ganz in unserer Nähe sein musste, weil er erst kurz vor dieser Maglawen nach Osten aufgebrochen ist! Aber den Valar sei Dank, in Ethering waren keine Banditen gesichtet worden.

Du siehst also, auch, wenn ich der Herrin Arvaethil blind vertraue – diese Leute sind ein wenig seltsam. Dennoch freue ich mich, nicht allein zu reisen. Du und unsere Kinder sind aber ohnehin immer und in jedem Moment in meinem Herzen.

In tiefer Liebe
Meducrist

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