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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: So 14. Feb 2016, 01:38 
Bürger Gondors

Registriert: Sa 23. Jul 2011, 19:13
Beiträge: 694
Wohnort: Goldsengen, Breeland
die Nacht in dem Lager mit den Zahlreichen verletzten Rohirrim war eher Quälend als erholsam, so war Arganthir wie die meisten der anderen früh wach. Ihm kam es Falsch vor dieses Lager verlassen zu müssen, dennoch sprach er sich beim raschen Frühstück für einen Baldigen Aufbruch aus. der Weg gen Westen führte in Serpentinen eine Klippe hinab, an deren Fusse ein weiteres Lager zu erkennen war...jedoch leider keines der Bewohner Rohans, nicht mehr.
Auf dem Weg hinab schalteten sie vorsichtig die Kundschaftenden Orks aus, denen sie über den weg liefen und führten ihre Pferde so rasch es ging weiter hinab um Abstand zu den von Orks bemannten Palisaden zu bringen.

Shasul fand am Fuß der Klippe einen Pfad, der in die Reiserichtung der Gruppe führte und sie folgtem diesem bis zu einem noch von Rohirrim bemannten Feldlager. die Gefährten beschlossen hier nicht lange zu verweilen sondern nur vor den Orks zu warnen und Informationen einzuholen.

der Anführer sprach lange mit Arganthir, und als dieser zur Gruppe zurückkehrte brachte er nur schlechte Nachrichten mit sich.

"die Rohirim danken für die Warnung, allerdings wissen sie bereits bescheid das ein Angriff der Orks bevorsteht, und zwar bald...aber das ist nicht das schlimmste, er sagte das vor nunmehr vier Tagen Arodol und seine Truppe hier über Nacht rasteten, aber ihre Hilfe verweigerten gegen die Orks mit dem Hinweis Gondor rufe sie, und nun hat ihr Anführer gefragt ob nicht wir ihnen beistehen können..und weder von Dugal noch von Illusius hat er jemals etwas gehört"

die betretenen Gesichter sprachen Bände, alle wussten das der Vorsprung kaum einzuholen war, vor allem nicht wenn man nun blieb um zu helfen.

mit schlechtem Gewissen beschlossen sie trotz der anbrechenden Dämmerung weiterzureisen um der Gefahr eingekesselt zu werden zu entkommen und um den Abstand eventuell zu verkürzen.


das Ziel war Gersfeld, welches die Gruppe mitten in der Nacht erreichte. die eher reservierten Rohir-Wächter ließen sie dennoch ein und sie trafen den Ortsvorsteher in seiner Methalle noch wach, als sie um Obdach bis Tagesanbruch baten.

dieser Lud sie sogar noch zu einem Einfachen Nachtmahl ein und ließ ihnen Strohsäcke zum nächtigen bringen, allerdings mit dem verweis man hätte in diesen Zeiten nicht oft Gäste..Arodols Truppe war niemals hier!

Arganthir ließ sich den Schrecken nicht anmerken, auch wenn er wusste das dies bedeuten würde das der Abstand zu jenen noch weiter wachsen würde.

nach und nach legten sich die Gondorer zur Ruhe, auch Hathelglir suchte seine Ruhestatt auf. Wieder einmal saß Arganthir alleine mit Maevenya alleine am Tisch und sprach mit ihr über den Tag und auch seine Ängste und Nöte, die Gruppe, das Verschwinden der beiden Gefährten und seine Zukunft.

langsam machte sich Ratlosigkeit breit, wie es noch möglich wäre die Gruppe einzuholen oder aufzuhalten. der einzige Lichtblick, so schien es, bildete die Tatsache das Arodol seine Leute keinen deut schonte und dadurch erschöpfte....

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ein altes Sprichwort besagt:
Kämpfe wenn nötig,
Siege wenn möglich,
Sterbe wenn du musst,
Aber gib niemals auf!


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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: So 20. Mär 2016, 18:37 
Wächter Gondors
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Beiträge: 818
„Vor dem Mann ist doch kein Rock sicher, und das bringt ihn des öfteren in Schwierigkeiten“, sagte Brytwine am folgenden Morgen mit hörbarem Abscheu. „Ich sehe uns schon fluchtartig Garsfeld verlassen, weil aufgebrachte Ehemänner hinter ihm her sind.“

„Von mir aus werfen wir ihn ihnen einfach vor“, schlug Maggie vor. „Das wäre auch mein Gedanke“, ergänzte Brytwine. Lachend warf Maglawen Maevenya einen neugierigen Blick zu. „Brennil, ich hoffe, es entsetzt Euch nicht zu sehr, wie wir mit unsereinen umgehen?“

Die Elbin antwortete leichthin: „Oh, nicht doch. Aber sollten wir nicht nach ihm sehen, bevor er sich tatsächlich in Schwierigkeiten bringt?“

Auch, wenn der Tag nicht gut begann, erreichten sie an seinem Nachmittag unbeschadet Entfurt, wo sie in der Methalle des Thans freundlich aufgenommen wurden. Die Nachricht, die sie dort erhielten, als Maglawen nach anderen Reisenden aus Gondor fragte, war verblüffend: Einzelne Reiter nur hätten, das Dorf passiert - zwei, die nur eine kurze Pause eingelegt hätten und einer, der eine Nacht in der Methalle geschlafen habe. Die beiden ersteren seien vor etwa vier Tagen durch Entfurt gekommen, der einzelne vor dreien. Abgerissen gekleidet seien die beiden gewesen und sehr verschlossen. Der einzelne hingegen habe sehr edel gewirkt, wie ein Herr, doch er sei ebenso verschlossen gewesen und habe sehr bleich ausgesehen. Ob sie ihm nicht vielleicht von ihren Reisen berichten könnten, fragte der Than dann mit fast ein wenig Sehnsucht in der Stimme. Theylrond übernahm das, während die anderen sich schon zu Speis und Trank an einen der Tische setzten.

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„Hatte er nicht vier Tage Vorsprung?“, fragte Maevenya leise. Sie waren sich sicher, dass der Einzelne Arodol gewesen sein musste.

„Er hat einen Tag auf uns verloren“, bestätigte Maglawen. Nicht nur Zeit hatte er eingebüßt.

„Wie kann man denn seine Truppe verlieren?“, fragte Brytwine irritiert.

Ja, das war in der Tat seltsam, doch Maggie verbot sich selbst jedes Gefühl der Erleichterung. Es konnte so viele Gründe dafür geben.

„Ich finde es eher beunruhigend“, sagte auch die Elbin. „Hatte er denn noch mehr Feinde?“

So lecker das Essen war, das die Rohirrim ihnen servierten, sie grübelten dennoch unentwegt weiter. „Hmm, nein, die Sache stinkt“, knurrte Theylrond, der inzwischen fertig erzählt hatte. „Ihr steht schon länger wegen dem Dokument auf mancher Abschussliste.“

„Auf mancher?“ Entgeistert starrte Maglawen Theylrond an. „Habt Ihr auch eine?“ Brytwine und Maevenya schmunzelten zugleich.

„Nein“, erwiderte ihr Weggefährte und grinste. „Ich bin auf dem Weg nach Gondor.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Sa 26. Mär 2016, 16:20 
Wächter Gondors
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Beiträge: 818
Auch die nächste Etappe verlief fast schon auffällig unauffällig. Sie ritten zügig, denn sie hatten einen Rückstand aufzuholen, aber sie hetzten nicht. Auch das Wetter erwies sich als freundlich: Es blieb trocken und Wärme war bereits spürbar.

"Was meint ihr, wo wir sind?", fragte Aphidor, als sie in der Ferne etwas blinken sahen, dass sich als hell glänzendes Dach erwies, als sie ein wenig näher heran gekommen waren.

"Das ist Edoras, Hauptstadt von Rohan", erwiderte Rengborn, der Rohan-Kenner. "Wir sehen Meduseld, die Goldene Halle."

"Das ist also Edoras?", murmelte Aphidor.

"Möglicherweise erfahren wir hier etwas darüber, was geschehen ist", sagte Maevenya, als sie zu der Halle hinauf sah.

Eine Wegstunde weiter entdeckten sie Stelen: aus Stein gehauene Pferdeköpfe vor einzelnen, mit weißen Blüten überwucherten Hügeln. Sie standen gleichsam Spalier zu den steinernen Toren in ihrem Herzen. Alle hielten und saßen von ihren Pferden ab.

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"Die Gräber der Könige von Rohan", erklärte Rengborn. "Und es heißt, diese Blüten wachsen nur hier."

"Die scheinen sie ja wirklich zu mögen, ihre Pferde", sagte Aphidor.

Am riesigen Tor, das Zugang durch die hohen Palisaden ermöglichte, ließen die Wachen sie ein, nachdem Rengborn in ihrer Sprache erklärt hatte, wer sie seien.

Zunächst, so beschlossen sie, würden sie sich umhören: nach Arodol vor allem, aber auch nach den zwei einzelnen Reisenden, die in Entfurt aufgefallen waren. Dazu verteilten sie sich und sprachen mit verschiedenen Leuten. Dann trafen sie sich an einem der robusten Holztische im Gasthaus.

Maevenya hatte jemanden entdeckt, der vor drei Tagen einem Mann Obdach gegeben hatte. "Er hat um Wasser und saubere Tücher gebeten und einen ganzen Schlauch Met getrunken. Am frühen Morgen des nächsten Tages ist er aufgebrochen und hat einige Münzen auf dem Tisch hinterlassen." Das musste Arodol gewesen sein, waren sie sich einig.

Der Wirt brachte ihnen Getränke und einen deftigen Eintopf.

Auch Rengborn hatte von etwas erfahren, das aber vor vier Tagen geschehen sei. "Einer der Gäste meinte, er habe zwei abgerissen wirkende Fremde gesehen, die einen Kaufmann beim Würfelspiel betrogen haben. Sie seien dabei sehr geschickt vorgegangen, niemand sonst hat es bemerkt. Aber sie wirkten auch irgendwie gefährlich, deswegen hat er sich lieber nicht eingemischt."

Maggie fluchte. Das klang einfach viel zu sehr nach den Krähen.

"Übrigens können wir davon ausgehen, dass Arodol seine Gruppe verloren hat", ergänzte Aphidor. "Im Osten wurden die Leichen einer Gruppe, die aus Gondor zu kommen schien, gesehen. Hast du etwas herausgefunden, Maglawen?"

"Oh", machte die. Sie war in Gedanken gewesen. "Nein. Oder?" Sie grübelte. "Es hat hier einen Einbruch gegeben, in ein Wohnhaus, wo gerade niemand zuhause war. Alles haben sie da durchwühlt." Der Mann, der ihr das erzählt hatte, war der Nachbar der Bestohlenen. Er wusste nicht, was weg gekommen war, aber die Betroffene hatte sehr geklagt.

"Wisst Ihr denn, wer diese Frau ist?", erkundigte sich Maevenya. "Oder wo wir sie finden können?"

"Ich habe nicht danach gefragt, brennil", musste Maglawen zugeben. Das war dumm gewesen. Doch sie hatten keine Zeit, sich damit zu befassen – sie mussten, so schnell es möglich war, Dol Amroth erreichen.

"Ich könnte das vielleicht in Erfahrung bringen und euch dann folgen", schlug Rengborn vor. "Ich reite schnell. Die Rohirrim akzeptieren mich nicht ohne Grund als einen der ihren."

Sie akzeptierten seinen Vorschlag. Maglawen bat den Wirt um Zimmer für alle und bezahlte ihn sofort, damit sie am nächsten Morgen in aller Frühe würden aufbrechen können.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: So 3. Apr 2016, 12:21 
Wächter Gondors
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„Mein Gaul ist schon gesattelt. Wie weit seid ihr?“, fragte Maglawen. Mit Unbehagen registrierte sie die Ungeduld, die wie ein hungriges Tier an ihr nagte. Sie kannte so etwas sonst nicht.

„Fertig zur Abreise“, erwiderte Theylrond und spülte den Frühstücks-Met herunter. „Zeit, nach Hause zu kommen.“ 'Na, wenigstens bin ich nicht die Einzige.'

Draußen erwartete sie Sturm. Er wehte das Wasser des Springbrunnens vorm Gasthaus fast bis zum Tor und spritzte eine Katze nass, die mit einem Fauchen flink davon sprang.

„Arrgh! Verdammt!“, schimpfte Maggie und strich ihr nasses Haar nach hinten.

„Scheint kein gutes Wetter zu werden, was?“, fragte Aphidor. Es klang heiter.

„Scheiß-Wetter“, brummte Theylrond vor sich hin. Maglawen knurrte nur.

Durch den Wind und einzelne Schauer ritten sie ziemlich stumm die nächste Etappe. Niemand außer ihnen schien unterwegs zu sein. Nach einigen Stunden kamen sie an ein kleines Dorf. Einer der Einwohner sagte ihnen, sie würden voraus ein Lager antreffen. Alle Rohirrim zögen sich dorthin zurück.


Viele Zelte waren ein Stück weiter aufgebaut. „Das ist ja riesig hier“, sagte Brytwine beeindruckt. Doch die Männer, die sie dort ansprachen, verwiesen sie an die Anführer der Rohirrim, die ein Lager oberhalb aufgeschlagen hätten. Sie betrachteten den Passweg dort hinauf.

„Ziemlich steil geht's da hoch“, fasste Aphidor zutreffend zusammen. „Wir werden langsam da hoch reiten müssen“, ergänzte Theylrond.

Das taten sie. Dennoch war es ein harter Weg, der den Pferden schwer fiel. Und noch eines machte den Ritt unangenehm: „Himmel was ist denn das?“ Brytwine war geradezu erstarrt, als ihr Blick auf eine riesige steinerne Gestalt fiel, die aus dem Fels zu steigen schien. Die aus den Wänden gehauenen Figuren mit dicken Bäuchen und großen Augen schienen sehr alt zu sein. Sie waren von Zeit und Wetter abgeschliffen und -gebröselt.

„Ich glaube, es lebt nicht“, versicherte Maggie ihr. „Das beruhigt mich jetzt aber, Maglawen“, antwortete Brytwine erschauernd.

Endlos zog sich der Aufstieg hin, doch schließlich erreichten sie das hoch gelegene Plateau, auf dem sich wieder viele Zelte fanden – auch ein sehr großes, das zweifellos dem Anführer gehörte. Doch vor dem Zelt stand eine große schlanke Frau mit dem typischen flachsblonden Haar der Rohirrim, die ihnen unbewegt entgegen sah und schließlich grüßte. Es handelte sich um Eowyn, Eomunds Tochter und Schwester von Eomer – die Nichte des Königs von Rohan. Sie verbeugten sich und stellten sich als Reisende in ihre Heimat Gondor vor. Eowyn hieß sie willkommen und bot ihnen an, eine Mahlzeit mit ihr einzunehmen.

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Die Nachrichten, die sie von ihr erfuhren, waren schlecht. Der König lag mit seinen Mannen im Krieg mit einer Heerschar von Orks. Danach habe Aragorn, ein Mann aus Gondor, der mit ihm Ritt, ihn gebeten, Gondor Beistand zu leisten.

„Klingt ernst. Also ist die Zeit der Scharmützel vorbei“, sagte Arganthir. Ihm sagte auch der Name Aragorn etwas. „Mich überrascht, dass er hier ist, um ehrlich zu sein. Der Waldläufer, mit dem ich sprach, sagte, er wolle seinen Hauptmann in Gondor treffen.“ Mehr wollte er nicht sagen. Maggie hatte den Eindruck, dass er aber noch eine Menge hätte sagen können.

Anderen Reisenden seien sie nicht begegnet, sagte Eowyn, sie seien aber selbst noch nicht lang hier. Die Rohirrim hätten nur blutige Leinenbinden gefunden, auf dem Boden zusammen geknüllt, scheinbar achtlos weggeworfen. „Aber niemand reitet weiter in den Berg hinein“, fuhr die Herrin der Rohirrim fort. „Der Pfad dort ist verflucht.“

Nachdem sie sich von Eowyn verabschiedet hatten, besprachen sie das Gehörte.

„Ich glaube nicht an Flüche“, sagte Maggie bestimmt.

„Maglawen, niemand überlebt diesen Pass“, widersprach Aphidor. „Wir gehen einen anderen Weg.“

'Die Zeit dafür haben wir nicht!'
Störrisch erwiderte sie. „Wenn wir einen anderen Weg gehen, überlebt Arvaethil vermutlich nicht. Ich gehe ihn auch allein.“

„Das tut Ihr nicht“, widersprach nun Brytwine. „Nein, Maglawen, nicht alleine“, schloss sich Arganthir an. „Wir sind soweit gegangen“, ließ Theylrond seine Stimme hören. „Wir gehen gemeinsam.“

Es regnete schon eine Weile nicht mehr, als sie sich ein Lager zwischen den Zelten der Rohirrim bauten. Der Mond stand klar am Himmel, nur von einigen Wolkenfetzen verhüllt. Hin und wieder heulte noch der Wind. Eine Eule schrie. Pferde wieherten.

„Ich würde mir auch wünschen, dass wir nicht wieder in einen Berg hinein müssten“, murmelte Maggie. Moria war furchtbar gewesen – am Anfang hatte sie gedacht, sie würde an der Enge ersticken.

„Keiner von uns hat da angenehme Erinnerungen, glaube ich.“ Humorlos lachte Arganthir.

Eine Weile schwiegen sie.

„Mich wundert, dass der König Rohans auf einen Waldläufer hört“, überlegte Aphidor dann laut. Arganthir zuckte mit den Schultern. „Sagen wir einfach mal, dass dieser Hauptmann mehr ist, als es den Anschein hat und größere Gefahren und Aufgaben, als jeder von uns schultern möchte, erträgt und erlebt.“

Sie entschieden alle, durch den Berg gehen zu wollen.

„Wir schaffen das schon. Hoffe ich“, sagte Brytwine. Es klang ein wenig nach Galgenhumor. „Ich freue mich auf ein richtiges Bett... Wir haben doch eins, oder?“ Fragend sah sie ihren Mann an. Maglawen starrte sie an und begann dann, Tränen zu lachen. „Brytwine, Ihr seid unnachahmlich!“

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: So 10. Apr 2016, 11:09 
Wächter Gondors
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Sie hatte hundsmiserabel geschlafen, und so fühlte sich Maggie am nächsten Morgen auch. Ihr Kopf tat weh und ihr war leise übel.

„Morgen“, nuschelte sie, als sie ans Feuer zu den anderen trat. Es war noch sehr früh - die Sonne war noch nicht aufgegangen. Arganthir hatte nicht nur noch Teeblätter, sondern auch noch frisches Brot und allerlei dazu aufgetan. „Verdammt!“, brummte Theylrond und grinste dann breit.

Das Mahl hob die Stimmung aller vor dem erneuten Aufbruch, zu dem Maglawen dann drängte – die Unruhe in ihr wuchs mit jedem Tag. „Wir kommen noch früh genug in den Berg, Maglawen“, sagte Brytwine zu ihr.

Je weiter sie auf den Berg zu ritten, desto dunkler wurde es. Den Weg entlang standen dunkle Steinstelen, die eine seltsame Endgültigkeit ausstrahlten. „Na also, scheint ein schöner, heller Tag zu werden“, sagte Arganthir munter. Sie ritten in Totenstille; vorbei an alten, ausgebleichten Knochen. Schließlich erreichten sie ein Tor in der Felswand.

Ein matschiger Boden, aus dem seltsame weiße Pilze wuchsen, erwartete sie im Inneren. Maglawen versuchte, sich zusammen zu reißen, aber sofort, als sich alles um sie herum schloss, stieg wieder die Panik in ihr auf. Eisern konzentrierte sie sich auf die Pferdespuren, die auf diesem Boden gut zu erkennen waren: eine einzelne, vielleicht zwei Tage alt, und eine von mehreren Tieren, von der sie annahm, dass sie vom vergangenen Tag stammte. Sie beschlossen, immer den Spuren zu folgen. „Meinst du, die kennen sich hier aus?“, fragte Aphidor. „Nein“, entgegnete Arganthir. „Aber wenn sie sich verirren und wir sie finden, haben wir sie.“

Nebelschwaden strichen wie unruhige Geister um sie. Manchmal war eine Art schrilles Klirren zu hören, bei dem Aphidor aufhorchte. Bläuliche Lichter erschienen aus dem Nichts und vergingen wieder. Sie wirkten wie Gestalten aus Rauch.

An einer Stelle hielten sie an und starrten in das Dunkle. Schemen waren dort aufgetaucht. „Eine Art Stadt mit Stadtmauern und Befestigungsanlagen“, murmelte Theylrond.

„Hier drinnen?“, fragte Maggie entsetzt.

Sie durchquerten sehr vorsichtig die Furt eines toten schlammigen Bachs. Kurz dahinter zügelte Maglawen ihr Tier. Ein Toter lag vor ihnen; zerlumpt und abgerissen, einigermaßen jung, offenbar zu Tode erschreckt. Sein dunkles Haar, seine Augen und der Kopf wiesen daraufhin, dass er aus Gondor stammte; eine Wunde in seinem Bauch, dass ein Schwert in ihn hinein gestoßen wurde.

„Ich verwette meinen Dolch darauf, dass das eine Krähe ist“, sagte Maglawen. „Der ist noch nicht lange tot.“ Außer einigen Münzen fand sie nichts bei ihm.

Sie ritten weiter. Fast musste Maggie sich an der Pferdemähne festhalten. „Mir ist schlecht“, murmelte sie leise. „Haltung, Maglawen“, hörte sie Arganthir hinter sich sagen. „Hrrr“, grunzte sie und richtete sich etwas auf.

Plötzlich waren sie von einer Wolke aus Fledermäusen umgeben, die sie umflatterten. Sie ruderten alle mit den Armen um sich; die Pferde begannen, zu scheuen. Schließlich zogen die Viecher weiter. Kurz darauf hatten sie auch das Ende der Höhle erreicht und kamen wieder ins Freie, fast als beträten sie eine andere Welt: klare, frische Luft, Licht, Weite, Leben. Arganthir lachte befreit. „Gondor!“, sagte Theylrond und sog die Luft, die nach Blumen, Kräutern und Kieferharz duftete, tief in sich ein. Es stimmte: Sie hatten den Boden ihrer Heimat betreten.

Sie ritten eine Weile weiter, dann tauchte ein Bergdorf am steilen Hang zu ihrer Rechten auf. „Dass die es hier geschafft haben, gerade stehende Häuser zu bauen“, sagte Aphidor verblüfft.

„Morlad ist das“, erklärte Theylrond. „Mein Zuhause.“ Er übernahm es, sie den Wächtern dort, die ihn freundlich willkommen hießen, vorzustellen. Eine ganze Weile wurden Hände geschüttelt und Schultern geklopft. Während Theylrond mit dem Wachhabenden sprach, schlich sich ein anderer Mann zu Brytwine und wisperte ihr etwas zu. Die Auskunft dessen, mit dem ihr Mann gesprochen hatte, war gelogen, so hatte er ihr gesagt. Ein Mann sei hier vorbei gekommen und habe dem anderen Geld für sein Schweigen gegeben. „Er wurde wohl verbunden und mit Essen versorgt.“ Arodol schien hier gewesen zu sein.

Sie erreichten Theylronds Haus, hoch auf dem Berg gelegen.

„Und, passt der Schlüssel noch?“, fragte Aphidor.

„Hübsch hast du es“, sagte Arganthir, als sie das Gebäude betraten, und das fand Brytwine offenbar auch.

„Ui, ist das hübsch hier“, äußerte sie sich begeistert und sah sich um. „Und wo ist das Bett?“ Maggie lachte und folgte ihr auf dem Erkundungsgang auf die Empore. „Sieh mal, Maglawen“, forderte Brytwine sie auf, als sie vor einem wirklich gemütlichen breiten Bett standen. „Toll“, erwiderte die für sie selbst unerwartet angesteckt von Brytwines Begeisterung.

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Zu Wein, Bier und Wasser versammelten sie sich am Tisch. „Immerhin, ihr seid sicher und wohlbehalten angekommen“, sagte Arganthir. „Ich finde, nun kann man auch angemessen auf euch Brautleute anstoßen!“ Er lächelte.

„In der Tat“, ergänzte Maggie. „Und auf das Bett.“

Der Wein war ausgezeichnet, aber es wartete noch eine Überraschung auf sie: Theylrond hielt eine Rede! Nun ja, zumindest etwas Ähnliches. „Banditen, Krähen, was noch alles“, kam er scheinbar zum Ende. „Wollte sagen... Ach, Scheiße. Keine Kameraden... Gefährten... Bin fertig.“ Und dann kündigte er an, dass Brytwine und er sie weiter bis Dol Amroth begleiten würden. „Gefährten. Legen wir dem Schwein das Handwerk!“

„Ihr seid vollkommen verrückt!“, sagte Maggie fassungslos. Arganthir nickte zustimmend. Theylrond blieb unerbittlich, und Brytwine war seiner Meinung. „Schließlich muss ja wer auf Euch aufpassen“, erklärte sie.

„So schnell war ich noch nie betrunken“, murmelte Maglawen ungläubig und starrte zweifelnd in ihren leeren Becher.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Di 12. Apr 2016, 19:32 
Wächter Gondors
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Es roch bereits nach Tee, als die Gefährten begannen, sich zu rühren. 'Vermutlich hat Brytwine schon die Küche erobert', dachte Maggie. Sie kramte eine Weile in ihren Sachen, bevor sie sich zu den anderen begab, um eine Tasse des heißen Getränks zu sich zu nehmen. Nach Essen war ihr nicht zumute.

„Ungewohnt, ein richtiges Dach über den Kopf zu haben und morgens Tee zu bekommen“, kommentierte Aphidor das Frühstück. „Ich war so frei und habe für alle einen Proviantbeutel fertig gemacht“, lud Brytwine ein und deutete auf die Küche. Maglawen starrte sie an. „Meine Güte...“ Noch vor einiger Zeit hätte sie sich darüber lustig gemacht. Jetzt... war sie einfach dankbar.

„Ist Euch klar, dass wir bald da sind?“, fragte sie die anderen. Die Aussicht ließ sie fast schwindlig werden. „Hmm, ja das stimmt wohl“, erwiderte Aphidor. „Haben wir eigentlich schon eine Idee was wir machen werden, wenn wir da sind?“

„Ich dachte, wir legen diesen Vögeln, Krähen genannt, das Handwerk“, brummte Theylrond. Arganthir nickte. „Denen und dem anderen Kerl.“ Maglawen zögerte. „Wenn wir vor ihnen da sind. Ja.“

Die Bewohner Morlads beobachteten ihren Aufbruch mit neugierigen Blicken. Vorsichtig stiegen die Gefährten die steilen Pfade herab zu ihren Pferden. Dann machten sie sich an die nächste Wegstrecke. Von weitem sahen sie einen riesigen kugelrunden Stein auf einer Bergspitze.

„Der Stein von Erech, auch der Schwurstein genannt wenn ich mich nicht irre“, erklärte Arganthir. „Legenden. Nichts weiter“, sagte Theylrond gewohnt knapp.

Sie schlugen den direkt südwärts führenden Pfad ein, ritten an duftenden Thymian- und Rosmarinsträuchern vorbei und durch die Gischt eines der Fälle, mit dem der Fluss sich hier talwärts bewegte.

„Bevor wir Dol Amroth betreten, werde ich auf jeden Fall die Rüstung ausziehen“, überlegte Arganthir laut. Er hatte die Schwanenritter-Rüstung fast die ganze Reise lang getragen und sie hatte ihn gut geschützt. „Was hast du nochmal gesagt? Die Rüstung steht dir nicht zu? Warum noch einmal?“, fragte Aphidor. „Weil ich kein Schwanenritter bin“, entgegnete der Gefragte. „Ja, mein Vater ist einer, und mein Bruder nach ihm; und ich reiste in Begleitung von einem ins Breeland... Von jenem habe ich die Rüstung.“

Maglawen zügelte unvermittelt ihr Pferd. In der Ferne hatte sie die Umrisse von Türmen und Gebäuden entdeckt. „Das ist Dol Amroth“, sagte sie zu Brytwine neben sich. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hatte sie ein merkwürdiges Gefühl dabei. „Irgendwie... Ist es fast so, als hätte ich Heimweh gehabt“, murmelte sie. „Ich freue mich darauf meinen Vater und meinen Bruder zu sehen“, sagte Arganthir. Er strahlte. „Was meint ihr, wie Arri sich freuen wird“, erwiderte Maggie. Garantiert würde sie ganz feierlich werden, wie sie ihre – neu entdeckte – Verwandte kannte.

Die frohe Stimmung endete wenig später abrupt, als sie vor sich auf dem Pfad einen Toten entdeckten. Als Maglawen ihn auf den Rücken dreht, war auf dem einfältigen Gesicht ein Lächeln zu sehen – ebenso wie auf seiner Kehle, die durchschnitten wurde.

„Verdammt“, sagte Maggie, die weiß geworden war. „Eine Ahnung wer das ist, Maglawen?“ Aphidor war auf seinem Pferd sitzen geblieben. „Ja. Das ist... Das war Tawen“, antwortete sie. „Er... Er ist...“ Sie suchte nach Worten. Das Lächeln auf Tawens Gesicht traf sie ins Mark. „Er war schwachsinnig. Nuas' Bruder, des Anführers der Krähen."

Grummelnd sagte Arganthir. „Verzeih' bitte, dass ich einer toten Krähe nicht nachweinen kann.“

'Das wäre mir sonst auch so gegangen.' „Er war wie ein kleiner Junge, Arganthir“, entgegnete sie. „Schwachsinnig.“

Angespannt und so rasch wie möglich ritten sie weiter. Durch Maggies Kopf tobten Ideen, was hier passiert sein mochte. Doch dies war nicht die letzte böse Überraschung. Eine Weile danach tauchte ein anderes Hindernis auf ihrem Weg auf: Zu beiden Seiten des Pfades waren Holztürme aufgebaut. Um sie herum standen die Gestalten muskulöser Männer, gut bewaffnet und ausgesprochen grimmig. Maggie sprang in ausreichendem Abstand vom Pferd. „Verdammt, verdammt!“

„Das sieht aber gar nicht nett aus“, sagte Brytwine. „Ach je, was sind das denn für Leute? Solche habe ich noch nie gesehen.“ Sie schlichen etwas näher heran.

„Es sind viele“, flüsterte Maggie. „Sehr viele.“ „Korsaren“, fluchte Aphidor und spuckte auf den Boden. Arganthir fragte: „Was machen die hier?“

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Es entbrannte eine lange fruchtlose Diskussion. Maglawen wusste, dass sie erst lange nach den anderen in Dol Amroth ankommen würden, wenn sie nun zurück ritten und den anderen Weg einschlügen. Doch ihre Gefährten wollten nicht zulassen, dass sie sich durch das Lager der Feinde hindurch schlich.

„Ich habe mich schon oft in feindliche Lager geschlichen“, erklärte sie mühsam. „Ich kann das. Und ich will es auch.“ Zumindest, wenn sie allein gehen würde. Gegenvorschläge kamen, die alle viel Zeit kosten würden – und mancher zornige Einwand. „Deswegen sind wir nicht den ganzen Scheißweg geritten“, sagte Theylrond zornig. „Maglawen, tut das bitte nicht“, schloss sich Brytwine an. „Wir werden hier warten, zumindest eine Zeit“, verkündete Arganthir. „Wenn etwas schief geht, hören wir es, und hauen dich da raus... Und wenn ich eine Reiterattacke da 'rein machen muss!“

Maglawen sah ihn an. Er wenigstens musste doch verstehen, dass das auf keinen Fall sein durfte! „Bitte nicht“, sagte sie. „Wenn es schief geht, müsst ihr wenigstens ankommen.“ Sie sah zu den anderen. „Jeder Moment, den wir diskutieren, ist ein Moment zu viel. Nuas ist hier durch geritten, ist euch das nicht klar?“

Das konnten die sich nicht vorstellen. „Kein aufrechter Gondorer würde mit denen Sache machen!“, empörte sich Aphidor. Maggie konnte es nicht fassen. „Wer sagt denn, dass Nuas aufrecht wäre?“ Sie lachte bitter. „Er ist ein verdammtes Schwein.“ Fast bittend sagte sie: „Wenn wir zu spät nach Dol Amroth kommen, dann... Ich könnte das nicht ertragen, versteht ihr das nicht?“

„Wie du meinst“, sagte Arganthir da. „Wenn dir da drin sterben lieber ist, als es ertragen zu müssen.“ Er setzte seinen Helm auf und ging zurück zu den Pferden. „Viel Glück“, waren Aphidors letzte Worte zu ihr, „verdammte Scheiße“ die von Theylrond.

„Danke. Für alles.“ Sie sagte es ganz leise, und huschte dann im Schatten eines Felsens voran.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Fr 15. Apr 2016, 18:43 
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„He, guten Morgen“, sagte Arvaethil leise zu Saellith. „Kommst du, mit mir den Sonnenaufgang anschauen?“

Es war ein wunderbarer Morgen; ein Frühlingswind ging durch Dol Amroth. Schweigend standen sie eine Weile auf der Mauer und schauten zu, wie die Sonne das Meer in warme Farben tauchte. Auf Saelliths Lippen konnte Arri ein Lächeln sehen. Sie holte tief Luft. „Ich wollte dir etwas geben, Saellith.“

Sally zog die Augenbrauen hoch. „Was denn?“

„Schließ deine Augen“, wies Arri sie sanft an. „Und streck' mal die Hand aus.“

Leise erwiderte Saellith. „Mh... na gut.“ Als sie die Augen geschlossen hatte und ihre Linke vor sich ausgestreckt hielt, legte Arvaethil den Ring in ihre Handfläche. Aufgeregt fragte sie: „Ich hab deinen Finger gemessen... Er passt doch?“

In Saelliths Gesicht konnte sie ein vorsichtiges Blinzeln sehen. Schweigend betrachtete ihre Liebste das Schmuckstück dann eine Weile still, las auch die Gravur.

„Ich... weiß nicht was ich sagen soll“, murmelte sie. Arri lächelte sie unsicher an. „Ich wollte... Ich weiß doch nicht... Ich wollte dir etwas schenken. Als Zeichen.“

Saellith nickte leicht und lächelte. Dann streifte sie den Ring vorsichtig über. Arvaethil hielt den Atem an.

„Passt perfekt“, sagte Sally leise. Erleichtert atmete Arri tief ein.

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Der Morgen schritt schnell voran, doch es blieb noch Zeit, ein wenig dort zu sitzen. Sie aßen etwas Brot und Käse. „Was hast du heute vor?“, fragte Arri.

Saellith hobt leicht die Schultern. „Nichts Besonderes. Und du?“ Immer klang in dieser Frage in den vergangenen Wochen etwas anderes mit.

„Na, das Übliche. Vorbereiten auf den... Wenigstens ist schönes Wetter“, erwiderte Arri und hätte sich im gleichen Moment am liebsten getreten. Es half nicht, den Dingen nicht ins Gesicht zu sehen. Sie sah zu Saellith. „Du weißt genau wie ich: Über kurz oder lang geht es los.“ Mit einem Seufzen antwortete die: „Ja, das weiß ich.“

Vorsichtig legte ihr Arvaethil die Hand auf den Arm. „Es wird... gut gehen. Ganz sicher, Sally.“ Mit einem langsamen Nicken stimmte die leise bei. „Es muss“, sagte sie leise. Der Wind hatte Saellith eine Haarsträhne ins Gesicht geweht, Arvaethil strich sie zur Seite. „Ich erschlage alles, was zwischen dir und mir steht. Ich versprech' es dir.“

Sie versprachen sich auch gegenseitig, dass sie auf sich selbst Acht geben würden. 'Natürlich werde ich das tun', dachte Arvaethil. 'Doch wird es irgendetwas nützen in dem Krieg, der auf uns zukommt?' Sie hätte in dieser Zeit gern die anderen an ihrer Seite. „Schade, dass unsere Freunde nicht hier sind.“

„Wer weiß, vermutlich tauchen sie auf, wenn wir am wenigsten mit ihnen rechnen“, murmelte Saellith. „Ja, irgendwann weht dann die Feder von Aphidors Hut um die Ecke...“, witzelte Arri. Gemeinsam lachten sie über die Vorstellung. Doch dann wurde es Zeit, zum Dienst zu gehen. „Hab einen wunderbaren Tag“, wünschte Arvaethil Sally

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: So 17. Apr 2016, 18:44 
Wächter Gondors
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Dass die Dämmerung bereits begonnen hatte, war natürlich günstig: Im Zwielicht ließ es sich einfach besser verbergen als in hellem Tageslicht. Darüber hinaus war es hilfreich, dass es an diesem schmalen Küstenstreifen so viele Felsbrocken gab, hinter denen sie sich verstecken konnte. Die Korsaren hatten einen regelrechten Stützpunkt aufgebaut, so, als wollten sie jeden kontrollieren, der sich nach Belfalas aufmachte. Eine Weile lang fragte sich Maggie, ob Dol Amroth vielleicht gefallen war. Doch dann schob sie alle Gedanken daran energisch fort von sich. In ihrem Kopf herrschte ohnehin schon Konfusion.

Als sie Nuas' Stimme hörte, nahm sie sich die Zeit, innezuhalten. Sie klang so glatt und unbeschwert, wie sie immer geklungen hatte. 'Er war dein Bruder, du mieses Stück Dreck!' Was sie in den nächsten Augenblicke zu hören bekam, nahm ihr den Atem. Es wäre auch für Gondor gut, wenn sie so schnell wie möglich Dol Amroth erreichen würde. Sie hastete gebückt weiter. Es war jetzt schon dunkel. Sie schien sich dem anderen Ende des Lagers zu nähern; lange war ihr keine Patrouille mehr aufgefallen.

Die Eule, die vor ihr von ihrer Beute aufflog, erschreckte sie vollkommen: Sie hatte sie nicht wahrgenommen. Unwillkürlich machte Maglawen einen Satz zurück; dort aber fand ihr rechter Fuß keinen Halt, denn der Boden fiel steil zum Ufer hin ab. Rücklings fiel sie, drehte sich im Fall und streckte die Arme aus, auf denen sie sich gewohnt geschickt abfing. Nur schien der linke Arm plötzlich weg zu knicken und zu explodieren; so einen Schmerz hatte Maggie niemals zuvor erlebt. Aus ihr heraus drang ein seltsamer tierhafter Laut, bevor sie es schaffte, die Zähne zusammen zu beißen. Dann wurde ihr schwarz vor den Augen.

Als sie wieder erwachte, war der Schmerz in der Schulter sofort wieder da. Sonst schien sie nur Schürfwunden davon getragen zu haben. Es dauerte eine Weile, bevor sie sich orientiert hatte. Ihre Gedanken schienen wie einzelne Holzklötze durch ihr Hirn zu scharren. 'Raus hier!' war derjenige davon, den sie verstehen konnte. So leise, wie es ging kroch sie den Hang hinauf. Ihren linken Arm konnte sie nicht bewegen, schon der Gedanke daran verursachte noch mehr Schmerz.

Als sie oben einige Längen vorwärts geschlichen war, kam sie an eine kleine Wiese, auf der etwa dreißig Pferde an einen quer gelegten Holzstamm angebunden waren. Eine Wache schien es nur auf der anderen Seite zu geben; und sie saß mit geschlossenen Augen an einen Felsen gelehnt an ihrem Wachfeuer.

Es dauerte ungefähr fünfmal so lang wie sonst, bis Maggie es geschafft hatte, einen gutmütig, aber einigermaßen flink aussehenden Wallach loszubinden. Auf seinen Rücken zu kommen, war ein Akt des Wahnsinns; beinahe hätte sie sich übergeben vor Schmerz. Jetzt würde sie in gestrecktem Galopp versuchen müssen, hier heraus zu kommen – ob nun weiter vorn noch Wachen stehen würden oder nicht.

Maglawen war sich sicher: Das würde der schlimmste Ritt ihres Lebens werden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: So 17. Apr 2016, 18:48 
Wächter Gondors
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Arodol presste sich gegen die Wand und sah vorsichtig um die Ecke. Eine junge Frau war ins Haus getreten: schlank mit schulterlangen braunen Haaren. Nicht die in der Schwanenritterrüstung. Die andere. Sie strich der Katze sachte über den Rücken und sah sich dann um. Mit einem Satz war er bei ihr, schlang die Linke von hinten um ihre Arme und presste ihr die Schneide seines Dolchs an die Kehle. Die junge Frau erstarrte.

„Kein Wort“, warnte Arodol. „Zur Truhe.“ Er schob sie in den anderen Raum hinüber. „Vorwärts. Versucht keine Spielchen.“ Es hörte sich an, als würde sie leise knurren.

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„Öffnet sie und nehmt das Seil heraus“, wies Arodol sie an, als sie die Truhe erreicht hatten. Er hatte das Ding schon zweimal durchsucht – nur dummer Krimskrams war darinnen, aber eben auch das Seil. Er ließ sie eine Schlinge knüpfen und dann die Hände hinein stecken.

„Was soll das? Wer seid Ihr?“, fragte die junge Frau.

„Macht, was ich sage. Wenn nicht, werde ich Euch weh tun müssen, und das wollt Ihr nicht.“

Als sie getan hatte, wie ihr geheißen, nahm er in schnellen präzisen Bewegungen das Seilende, führte es straff einmal um ihren Hals herum und band es ihr dann fest um die Fußgelenke - mit jedem Befreiungsversuch würde sie sich so erdrosseln. Dann trat er einen Schritt zurück und sah sie an.

„Wo ist das Dokument?“

Ihr Blick war fassungslos, aber das war vielleicht gespielt.

„Das was?“, fragte sie entgeistert zurück.

„Das Dokument, das diese Frau hier versteckt hat.“

„Welche Frau?“

„Die Elster nennt sie sich, aber das wisst ihr doch Treibt keine Spiele mit mir. Ich habe es überall gesucht.“

„Eine Elster? Wovon redet Ihr?“

Arodol war todmüde; er hatte nicht geschlafen und die Wunde schien sich entzündet zu haben. Es blieb ihm vielleicht nicht mehr viel Zeit.

„Junge Frau. Schwarze Haare. Schlechtes Temperament. Maglawen heißt sie...“, nuschelte er. Sein Blick flog noch einmal durch dieses Zimmer. Zum zehnten Mal. Die junge Frau schwieg.

„Ihr werdet jetzt einen Brief für mich schreiben“, verkündete er und diktierte ihr in die Feder. „War's das?“, fragte sie leise, als er fertig war. Das Mädchen hatte Mut. Er legte sein Schreiben und den Umschlag, den der Dreckskerl ihm gegeben hatte, auf den Boden der Eingangshalle. Dann zwang er die junge Frau in einen Kapuzenumhang und knebelte sie.

„Nun langsam hier heraus.“

Die Schwanenritterrüstung, auch wenn sie ihm nicht wirklich passte, sorgte dafür, dass niemand in Dol Amroth fragte, was er da tat oder wer er sei.

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 Betreff des Beitrags: Re: Nach Hause!
BeitragVerfasst: Do 21. Apr 2016, 17:02 
Wächter Gondors
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Als sie endlich nach Hause kam, war es schon eine Weile dunkel. „Tut mir Leid“, rief Arvaethil, als sie ins Haus trat. „Die Jungs baten mich, noch einmal Nahkampfverteidigung mit ihnen zu üben.“ So nervös und angespannt, wie die jungen Rekruten der Schwanenritter angesichts des bevorstehenden Krieges waren, hatte sie ihnen das nicht ausschlagen wollen.

Kein Licht brannte in ihren Wohnräumen; auch das Feuer im Kamin war ausgegangen. Ein eisiger Griff packte Arris Herz. „Sally? Saellith!“ Um ihre Beine herum strich die junge Katze, die Saellith und sie vor einiger Zeit aufgenommen hatten, und miaute jämmerlich. Arri zündete fahrig einige Kerzen in den Leuchtern an und rief noch einmal. Keine Antwort. Aber etwas anderes sprach Bände voller Angst und Schrecken: Alles, ihr ganzes Haus, war durchsucht und durchwühlt worden. Dinge lagen auf dem Boden, ungeordnet waren Pergamente einfach fallen gelassen worden. Sie eilte in den Nebenraum, dann in den anderen, dann hastete sie die Treppe hoch in den Schlafraum. Das Haus war leer. Saellith war verschwunden.

Sie zwang sich selbst, nicht in Panik zu verfallen, und begann, nach Hinweisen zu suchen. Nahe der Eingangstür fand Arri dann ein in Sallys Handschrift beschriebenes Dokument, das sie zitternd las:

„Wer auch immer weiß, wo dieses Dokument ist: Ich will es haben. Eurer Freundin wird nichts geschehen, das verspreche ich. Wenn es einen anderen Weg gäbe, würde ich ihn gehen, aber es gibt keinen. Wenigstens Nimfiriel soll unbelastet von meinen Fehlern bleiben. Der Umschlag hierbei ist nicht von mir, aber ich muss ihn hier ablegen; sonst will er meiner Tochter Schaden zufügen.

Immer zur Abenddämmerung werde ich in den abgestorbenen hohlen Ast des Baums schauen lassen, der kurz vor dem östlichen Tor der Feste Lontir zu finden ist, auf der rechten Seite – sobald das Dokument dort ist, lasse ich Eure Freundin frei. Es geht ihr gut. Versucht auf keinen Fall, meinen Boten anzugreifen oder zu verfolgen. Er wird Euch nicht zu ihr führen.

Arodol“


Mit einem Knurren riss Arvaethil den Umschlag auf. Als sie seinen Inhalt las, dieser in einer anderen, glatten, flüchtigen Handschrift, wuchs ihre Angst ins Unermessliche:

„Seid mir gegrüßt und willkommen in der Heimat, welcher von Euch Tollpatschen auch immer diese Botschaft liest,

ich will die Elster bei mir sehen – dann werdet Ihr auch Eure kleine Freundin wiedersehen. Zumindest einer von Euch Angehörigen dieses lächerlichen 'Volk Gondors'-Vereins scheint sie ja ziemlich am Herzen zu liegen? Spätestens in fünf Tagen muss Maglawen am Leuchtfeuer in Lamedon, das, welches südlich von Calembel liegt, auftauchen, und zwar allein. Dort werden sie einige Freunde liebevoll empfangen. Sonst wird uns die Kleine, die dieser verblödete Offizier aus Minas Tirith netterweise für uns entführt hat, eine ganze Weile lang mit ihrem Sterben unterhalten. Wir haben die beiden immer fest im Blick und im Handumdrehen auch im Griff. Was Ihr mit seinem Dokument anstellt, ist mir inzwischen egal. All das Gefasel von Ehre wird bald keine Rolle mehr spielen.

Na, Maglawen? Du scheinst ja weich geworden zu sein – reist mit diesen Deppen den ganzen Weg, sogar durch diesen widerwärtigen Berg! Deine Zeit in unserer Grotte scheint dir überraschend gut bekommen zu sein. Hast du wenigstens manchmal Albträume?

Der Weg ist nicht mehr weit, jetzt, da Ihr Gondor schon betreten habt, also wirst du kein Problem haben, unsere Verabredung einzuhalten. Wäre doch schade um die Kleine - auch, wenn sie für meinen Geschmack merkwürdige Vorlieben hat.

In ewig unverbrüchlicher Zuneigung
Nuas“

Maglawen! Sie mochte die junge Frau, die sie recht gut kennen gelernt hatte, als sie beide gemeinsam Lannathrons Hinterlassenschaften durchgesehen hatten; hatte sie als selbstbewusst, geschickt und humorvoll, auch als warmherzig empfunden, wenngleich Maggie das offenbar zu verstecken suchte. 'Ganz anders als ihr Vater Lannathron.' Doch nun war sie offenbar der Grund dafür, dass Saellith entführt worden war. 'Sie muss im Schwarzgrundtal sein', überlegte Arri, und noch bevor der Satz zu Ende gedacht war, saß sie fast schon in Mornurs Sattel und jagte nach Norden. 'Was, bei den Valar, hast du dir dabei gedacht, uns in deine Angelegenheiten hinein zu ziehen?' In Arvaethil steckte ein schmerzhafter Knoten aus Angst und Wut. 'Du musst dafür sorgen, dass Sally nichts geschieht!'

In Dinadáb kam sie an, als die Nacht ihre dunkelste Stunde erreicht hatte. Ein Sturm war aufgekommen und wehte Blätter und Zweige über das Land. Ohne auch nur kurz zu zögern klopfte sie auch hier, genau, wie in den anderen Orten, an jede Tür, und fragte nach Reisenden. Irgendwo mussten Maglawen und die „Deppen“, von denen im Brief die Rede gewesen war, doch zu finden sein! Als sie an einem Stallgebäude vorbei lief, kam Arvaethil plötzlich ein Hut mit einer Feder um die Ecke entgegen. „Aphidor?“, stieß sie ungläubig hervor. „Hallo, kannst du uns sa-“, hatte der angesetzt, erstarrte aber, als er sie sah. Neben ihm stand Arganthir und noch andere Leute. „Wer seid Ihr, wäre meine Frage?“, sagte ein Mann, neben dem dicht eine Frau stand.

Arri hatte keine Zeit für ihre Überraschung und auch nicht für Höflichkeit. „Wo ist Maglawen?“, fragte sie nur. Sie musste doch mit den anderen gekommen sein! „Maglawen wollte sich eigentlich zu dir schleichen“, gab Aphidor Auskunft. Ihre Knie schienen plötzlich aus Pudding. „Zu mir?“, japste sie und reichte den anderen die beiden Pergamente, die sie in ihrer Verzweiflung halb zerknüllt hatte.

„Scheiße, sie hätte bei uns bleiben sollen“, fluchte der Mann, den sie nicht kannte. „Habe ich von vorneherein gesagt“, ergänzte Arganthir grummelnd. Es war, als sei Arvaethil in einem Traum befindlich – so nah bei den alten Freunden und so fern von Saellith. „Wann ist sie denn aufgebrochen?“, fragte sie verzweifelt. „Gestern kurz vor Abend ungefähr“, antwortete Aphidor. „Dann wäre sie noch nicht da gewesen“, murmelte Arvaethil und runzelte die Stirn. „Ich bin am späten Abend losgeritten.“ Sie holte tief Luft. Maglawen zu finden war vermutlich die einzige Rettung. „Ich muss wieder zurück.“

„Ach? Wir kommen mit“, sagte der Fremde. Auch Arganthir nickte. „Wir begleiten dich.“ Wie der Sturm ritten sie durch den Sturm, der über Belfalas hinweg zog.

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Sie erreichten Dol Amroth und das Haus ohne Schwierigkeiten. Arri schloss auf und ließ die Freunde eintreten. Niemand war im Haus zu sehen. 'Ich kann jetzt nicht Dienst tun; nicht bevor Saellith gefunden ist', dachte Arvaethil. „Ich sehe sie nicht“, murmelte sie. „Lasst mich eben zur Kaserne gehen und mich abmelden, dann komme ich sofort zurück.“

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