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 Betreff des Beitrags: Reisetagebuch
BeitragVerfasst: Sa 26. Apr 2014, 22:51 
Erebil sitzt am Ufer des Flusses, der die Moore des nördlichen Auenlands speist. Wie er oder gar die Moore heissen, weiss sie nicht. Doch der Ort, den Arganthir und sie für heute Nacht zum rasten gewählt haben, nennt sich Nadelhohl. Zumindest sagte dies einer der kleinen Bewohner auf ihre Frage hin. Warm und hell scheint ihr Lagerfeuer und ein Blick hinauf zu den Smials verrät ihr, das Arganthir wohl schon ruht. Leise seufzt sie und beginnt in das lederne Buch zu schreiben, das sie einem der Hobbits hier abgekauft hat.

Eine Reise zu den Elben, in die Ered Luin, zur Hafenstadt Celondim. Seit 2 Tagen reisen wir. An Arganthir´s Haus brachen wir auf, nur die nötigsten Sachen gepackt und in den Satteltaschen verstaut. Ich glaube, ihn zieht es ebenso aus dem Breeland fort wie mich derzeit.

In Bree, wo wir Vorräte kaufen wollten, trafen wir Aphidor, doch er blieb nicht lange an unserer Seite. Schon an der Baustelle an Arthur´s Lager verliess er uns. Genauso wie Arantion und auch Arvaethil, die wir dort trafen. So haben wir nach einer Nacht dort unsere Reise allein fortgesetzt und haben heute den Brandywein überquert und kamen bis hierher. Der Weg durch´s Moor war gefährlich, doch die kleinen Leute haben einen sicheren Weg, gut befestigt und mit Holzbrücken, durch´s Moor geschlagen.

An sich wollten wir zu den Elben, damit ich ihre Art zu leben, ihre Häuser und Möbel und all das einmal sehen kann. Doch ich glaube, für Arganthir ist es auch eine Möglichkeit, abzuschliessen mit seiner ehemaligen Gefährtin. Immer wieder fing er auf der Reise an, von ihr zu erzählen. Ich kann nur zuhören und trete mit meinen Nachfragen dann doch wieder nur in Fettnäpfchen oder reisse seine Wunden auf. Ich hoffe und wünsche für ihn, das ihm diese Reise helfen wird, die Wunden zu schliessen.

Ich selbst traue mich nach wie vor kaum etwas Preis zu geben. Weder Genaueres über mein Verschwinden noch über die Gründe, die überhaupt erst dazu führten, weiss er. Vielleicht werde ich das Vertrauen aufbauen können zu ihm und ihm alles erzählen ... eines Tages. Solange werde ich schweigen und versuchen, mit mir selbst ins Reine zu kommen.

Wie es wohl bei den Elben sein wird? Ich hörte von Bibliotheken, umfangreiches und Jahrhunderte altes Wissen. Ich werde auf jeden Fall fragen, ob ich Einsicht in ihre Schriften bekommen kann. Ihre Lebensweise ... ihre Häuser sollen eher Palästen und Schlössern gleichen als den schlichten Häusern der Menschen.

In mir steigt jedoch auch Angst auf. Die letzte Reise, die ich in Gesellschaft antrat, endete mit dem Tod Drogan´s. Ich kann nur hoffen, das diese Reise besser verläuft und wir beide unser Ziel und auch das Breeland dann wieder sicher erreichen. Ich trage Sorge dafür und werde wachen. Schlafen und ausruhen kann ich mich, wenn wir sicher zurück sind. Nocheinmal werde ich mir keine Schwäche erlauben.

Erebil schliesst das Buch, da mittlerweile der Mond hoch am Himmel steht und selbst ihr Lagerfeuer zu wenig Licht spendet, um noch weiter zu schreiben. Sie legt das Buch in ihr Bündel und streckt sich. Den Bogen in der Hand geht sie gen Torbogen, aus dem Dorf hinaus. Nahe der steinernen Brücke lehnt sie sich an eine Birke, lässt sich ins Gras hinabrutschen und schaut gen Moor. Wachsam und bereit, jederzeit einen Pfeil gegen mögliche Angreifer auf den Weg zu schicken.
So verharrt sie, bis die erste Ahnung von Sonnenlicht über den Hügeln erkennbar ist. Erst dann kehrt sie zum verloschenen Lagerfeuer zurück und gönnt sich etwas Schlaf.


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 Betreff des Beitrags: Re: Reisetagebuch
BeitragVerfasst: Fr 2. Mai 2014, 16:18 
Es ist Nacht und der Mond scheint durch das Fenster in´s Lesezimmer. Nur eine Kerze spendet Licht, als Erebil leise ihr Tagebuch hervorholt und zu schreiben beginnt.

Mittlerweile sind wir seit 5 Tagen unterwegs und bereits in den Ered Luin angekommen. Doch der Reihe nach, ehe ich meine Eindrücke von den Elben aufschreibe.

Am dritten Tag regnete es, als wir in Nadelhohl aufbrachen. Nicht nur ein Schauer, nein. Es blieb nass und kalt bis wir Duillont erreichten. Der Weg dorthin war eine kleine Herausforderung für meine Stute, da sie vor hohen Brücken scheut und ich sie daher über die Brücke des Lhûn am Zügel führen musste. Arganthir empfahl mir, einen Rohhirim um Rat zu bitten. Vielleicht verkaufe ich sie auch einfach und suche eine Neue. Noch bin ich unentschlossen, zumal ich keinen Rohhirim kenne.
In den Ered Luin angekommen ritten wir an der Siedlung Falathlorn vorbei, um unsere erste Besichtigung und Rast in Duillont zu machen. Die Elben erlaubten uns, dort zu bleiben, doch unsere Waffen mussten wir bei den Pferden lassen. Trotzdem hatte ich Bedenken und als wir beschlossen, die Nacht in ihrer Bibliothek zu verbringen, schlief ich auf Arganthir´s Drängen direkt vor der Tür statt im Freien, während er Wache hielt und die ganze Nacht las.
Ich beneide ihn um sein Wissen der elbischen Sprache und habe mich sehr gefreut, als er für mich eine Art Lexikon aushandeln konnte. Als Tausch würden die Elben gern eine Abschrift unserer Chronik haben, die ich anfertigen werde, wenn wir zurück sind. Ich hoffe nur, Injael und Bereanor erlauben dies.

Am nächsten Tag zeigte mir Arganthir Duillont. Den Festplatz, wo auch Versammlungen oder Tanzabende stattfinden, den Wachturm, von dem aus man bis zu den Siedlungen blicken kann und die Handwerksstätten. Alle Gebäude sind handwerklich mit kleinen Details versehen und wirken lange nicht so robust und plump wie die uns Menschen typischen Häuser.
Auch einen Festgarten durfte ich sehen, der hinter einem kleinen Tunnel versteckt liegt und daher sehr friedlich wirkt. Vom Treiben in Duillont schallt kein Geräusch herüber und nur wenige Elben waren dort mit der Saat und Ernte beschäftigt.
Von Duillont aus nahmen wir uns Mietpferde, um unsere eigenen zu schonen und ritten zu den Siedlungen. Ein Freund von Arganthir erlaubte ihm wohl vor einiger Zeit, sein Haus zu nutzen, wenn er in der Nähe sei. Auf dem Weg zum Haus steht ein Baum, der etwas die Sicht zu dem Haus selbst verdeckt, was aber keineswegs die Sonnenstrahlen stört. Schön und irgendwie das Gefühl von Freiheit und Heimat zugleich vermittelnd ist das Storchennest, das nahe des Kamins auf dem Dach ist. Sicher fühlen sie sich hier ebenso wohl wie Arganthir. Er wirkt entspannter und beinahe fröhlich, seid wir hier sind. Auch ich merke, das es mir leichter fällt, nicht über Vergangenes nachzudenken, was mich sonst bedrückt.
Das Haus selbst ist mit Möbeln elbischer Machart eingerichtet. Sie scheinen eine Vorliebe zu roten Hölzern zu haben und ich vermute, das sie Kastanienholz nutzen. Der Stil ist filigran mit abgerundeten Kanten, was die Möbel weicher wirken lässt. Ich werde versuchen, ähnliche Möbel für Arganthir zu bauen, wenn er sich entschieden hat, ob er im Breeland bleiben möchte oder doch in die Ered Luin ziehen.
Zudem scheint sein Freund sehr belesen, da er neben einigen Bücherregalen im Hauptraum sogar ein seperates Lesezimmer hat. Leider verstehe ich bisher kaum etwas, doch als Arganthir mir abends am Kamin etwas vorlas, fand ich schon die Worte allein beruhigend. Irgendwann muss ich wohl auch eingeschlafen sein, denn als ich morgens erwachte, lag ich, ebenso wie Arganthir, auf dem Boden vorm Kamin.

Gestern dann zeigte er mir die Siedlung. Wir gingen zum Fluss hinunter und sassen dort bis zur Abenddämmerung, ehe wir zurück zum Haus seines Freundes gingen. Ich kann nicht mal mehr genau sagen, worüber wir sprachen. Doch die Stille und Ruhe hier tun uns beiden gut und ich merke täglich, das ich ihm mehr vertraue. Ich will versuchen, ihm zu schreiben oder mit ihm zu sprechen, was genau vorfiel, ehe ich in die Nordhöhen verschwand. Als mein Mentor sollte er es wissen.

Es ist spät und so versuche ich auch noch ein paar Stunden Schlaf zu finden, ehe wir wohl morgen früh zurück nach Duillont reiten werden. Ich hoffe darauf, das Arganthir mir auch die Hafenstadt Celondim noch zeigt, ehe wir zurück reisen.

Erebil schliesst das Buch und verstaut es wieder in ihrem Beutel. Lautlos schleicht sie in den Hauptraum und legt sich zurück auf das Lager vorm Kamin. Müde schliesst sie die Augen und gleitet in einen ruhigen Schlaf.


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 Betreff des Beitrags: Re: Reisetagebuch
BeitragVerfasst: So 1. Jun 2014, 08:07 
Nur eine Ahnung, mehr sind sie nicht - die ersten scheuen Sonnenstrahlen, welche über die Hügel einen Weg suchen und auf das ruhige Celondim fallen. Noch schläfrige Elben gehen leise durch die Strassen, am Hafen legen die ersten Fischerboote ab.
Erebil sitzt am Boden vor der Bank, auf welcher Arganthir scheinbar noch schläft. Leise schlägt sie ihr Büchlein auf und beginnt zu schreiben, dankbar für das Licht einer nahen Laterne.


Am Morgen nach meinem letzten Eintrag verliessen wir die Elbensiedlung. Wir ordneten die Sachen im Haus von Arganthir´s Freund, so das alles wie vorher war, ehe wir den Rückweg nach Duillont einschlugen. Die Mietpferde fanden ihren Weg nach Hause recht schnell. Im Gegensatz zu uns waren sie wohl froh, aus der Siedlung heraus zu sein. Ich selbst hätte noch Wochen dort bleiben können. Die Elbenlande haben eine eigene Wirkung auf mich, die ich nicht näher in Worte fassen kann. Ruhe, Sicherheit, Geborgenheit und Friede ... ja, vor allem Letzteres.

Das es Arganthir ähnlich geht, sagte er mir dann in Duillont, als wir vom Aussichtsturm nochmals zur Siedlung hinüber schauten. "Ich wünschte, diese Reise würde nie enden." Das waren seine Worte und er sagte auch, er fühle sich so wohl wie schon lange nicht mehr.

Es freut mich, das es ihm hier so gut geht. Oft sehe ich ihn ohne besonderen Grund lächeln, während wir hier unterwegs sind. Vielleicht hilft ihm auch zu wissen, das sein haus im Breeland nicht mit schmerzhaften Erinnerungen auf ihn wartet. Er gestand mir, das er den Verkauf seines Hauses noch vor Aufbruch unserer Reise veranlasst hat. Wenn wir also zurück kommen wird er wohl vorerst ins Haus der Gemeinschaft ziehen, vermute ich. Oder er kauft sich doch hier ein Haus und ich werde allein zurück in die Breelande reisen.

*sieht kurz auf und mustert Arganthir, ehe sie den Blick wieder auf ihr Büchlein senkt*


Auf dem Weg nach Celondim haben wir über meine Stute gesprochen, die brav und ruhig neben Ferro hertrabte. Auch auf der Brücke zwischen Duillont und Celondim scheute sie nicht und ich schiebe es der ruhigen Art Ferro´s zu, wogegen Arganthir behauptet, es liege an den Elbenlanden. Die Wahrheit werde ich wohl nie erfahren, doch werde ich mir nun wirklich Gedanken um einen namen für sie machen. Sie zu verkaufen scheint mir mittlerweile falsch und beinahe wie Verrat.

Schon vom Hügel aus sieht man hinab auf Celondim. Die verzierten Türme, Häuser und Pavillons, die sich sanft der Natur angepasst zu haben scheinen. Links liegt der Hafen und rechts schmiegen sich die Bauwerke den Hang hinauf, anders kann man es nicht beschreiben. Es sieht einfach wunderschön und harmonisch aus.

Unsere Pferde und Waffen gaben wir beim Stallmeister ab. Ich bin sicher, hier wird sich wieder gut um unsere Reittiere gekümmert und auch unsere Waffen sind dort sicher.

Vom Stall sind es nur wenige Schritte zum Hafen hinab. An den Stegen legten grade die letzten heimkehrenden Fischerboote an, doch kein einziges grösseres Schiff war in Sicht. Ich Närrin dachte, auch von hier würden die Elben gen Valinor ablegen. Doch Arganthir belehrte mich. Die weissen Schiffe nach Valinor legen wohl nur an den grauen Anfuhrten ab. Diese sind, genauso wie Valinor selbst, nicht für uns Menschen bestimmt. Ich sagte Arganthir auch, das ich es so besser finde. Ich glaube kaum, das wir dafür geschaffen sind über Jahrhunderte und Jahrtausende nicht nur Glück sondern vor allem auch das Leid dieser Welt zu sehen und es zu ertragen. Wir Menschen würden sicher darunter zerbrechen. So ist es vielleicht sogar eine Gnade, sterblich zu sein und jeden Moment bewusster wahrnehmen zu können, in dem Wissen, das der Moment kostbar ist. Arganthir vertritt in diesem Punkt, wie in vielen anderen scheinbar, die selbe Meinung wie ich. Ich bin froh, ihn nun zum Mentor zu haben und mich auch über solche Dinge mit ihm austauschen zu können. Solche Gespräche hätte ich mit Are wohl nie geführt...

Sie schaut den Fluss entlang, die Hänge hinauf und atmet durch, ehe sie nach einem weiteren Blick zum schlafenden Arganthir weiterschreibt.

Vom Hafen aus schlenderten wir in der fortgeschrittenen Dämmerung einen Hügel hinauf. Arganthir sah oben ein schwaches Leuchten und seine Neugier lenkte ihn hinauf. Oben angekommen überquerten wir eine kleine Brücke und betraten ... ich weiss nicht, wie ich es nennen soll oder welchen Namen die Elben für diesen geheimnisvollen Ort haben.

Dieser Ort ist rund, umschlossen von einem Wasserring, geschützt von Berghängen. Der Kreis selbst wird gebildet von einem Weg, welcher zur Hälfte des Kreises von wunderschönen Elbenstatuen gesäumt ist, die zur Mitte des Kreises sehen. 6 sind es, eine gleicht der anderen bis auf feinste Detail. Hinter ihnen stehen Säulen, welche mit filigran verzierten Balken verbunden sind. Dahinter liegt nur der Wasserring noch. Der Blick der Statuen senkt sich auf ein kleines Plateau in der Kreismitte. Auch ein paar Bänke und einige Bäume finden sich hier. Durch Laternen, die sowohl an Bäumen als auch Säulen sind, wird der gesamte Ort in einem sanften lila erleuchtet udn vollenden die Schönheit dieses Ortes.

Nur leise und voll Ehrfurcht trauten wir uns, diesen Ort zu betreten. Ob er für stille Andachten oder für Meditationen gedacht ist ... wir wissen es nicht. Arganthir liess sich nach einer Weile in der Mitte des Plateaus nieder, schloss die Augen. Ich denke, diese Minuten dort, haben ihm wirklich gut getan. Dieser Ort ist beruhigend und so schön.

Von dort schlenderten wir weiter gen Handwerkerviertel und wir kamen auf das Thema Elbenwein. Ich gestand Arganthir, das ich ihn gern kosten würde, wenn er denn auf mich aufpasst. Das ich nicht wieder weglaufe oder sonstigen Unfug anstelle. Er versprach es und so fragte er bei den Handwerkern, wo es denn Wein zu erstehen gäbe. Man verwies ihn an ein Weingut, das wohl auch zu so später Stunde noch geöffnet hätte. Ich wartete am Hafen, bei den Stegen auf ihn, während er zu dem Weingut ritt.

Die kunstvolle Flasche, mit der er schliesslich zurück kam, öffnete er mit meinem Schnitzmesser. Einen Korkenzieher hatten wir ncht, ebenso wenig wie Gläser oder Becher. Also tranken wir beide aus der Flasche, während ich ihn dann mehrmals bat, auf mich aufzupassen. Nicht das ich ins Wasser fallen würde und ertrinken.

Das ist auch das Letzte, was ich noch sicher weiss. Ab dann wird es verschwommen und nur Fetzen sind über von meiner Erinnerung an gestern, wo ich nichtmal sicher sagen kann, ob es wirklich Erinnerung oder doch nur Träume letzter Nacht sind. Ein schwankender Steg ... Arganthir, der mich umarmt, das ich nicht stürze ... eine Bank, die auf einem Fluss aus Holzdielen schwimmt ... dann nur noch das Gefühl von Geborgenheit. Und nun mein Erwachen, auf der Bank, an Arganthir gelehnt. Ich hoffe, wenn er erwacht, kann er mir sagen, was das zu bedeuten hat.

Erebil schliesst leise ihr Buch und verstaut es mitsamt Schreibzeug iin ihrem Bündel. Sie steht auf und schaut den Fluss entlang, während die Sonnenstrahlen sich entschlossen ihren Weg gekämpft haben und mittlerweile ganz Celondim in warmes Licht tauchen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Reisetagebuch
BeitragVerfasst: So 10. Aug 2014, 14:14 
Ein neuer Morgen bricht an. Erebil sitzt an einen Fels gelehnt im Gras, auf den Knien ihr Tagebuch. Noch unschlüssig ist ihr Blick gen Wachturm gerichtet, in dessen Nähe im Gras Arganthir liegt und schläft. Leicht lächelt sie, als er sich im Schlaf dreht und sich in seinen Umhang mummelt. Dann beginnt sie zu schreiben.

Gestern Morgen habe ich Arganthir direkt auf meine lückenhafte Erinnerung angesprochen. Laut seiner Aussage hatte er von den beiden Weinflaschen kaum etwas getrunken, so dass er sich zum Glück noch an alles erinnern konnte.
Die Umarmung, vond er ich dachte, sie sei ein Traum, war Wirklichkeit. Ich war wohl am Steg aufgestanden udn beinahe ins Wasser gefallen. Um das zu verhindern, hatte Arganthir mich dann festgehalten, umarmt. Über diese Verantwortung, die er dadurch für mich ergriffen hatte, kamen wir auch auf seine Verantwortung der Gemeinschaft gegenüber zu sprechen. Die anderen werden sicher zurück nach Gondor gehen und ich dachte, er würde sich ihnen anschliessen. Doch seine Antwort, nicht erneut in den Krieg ziehen zu wollen, überraschte mich. So wird er wohl hier bleiben, wenn die anderen aufbrechen. Ebenso wie ich es auch für mich entschieden habe, zu bleiben. Auch wenn er gern hier in den Ered Luin bleiben würde, für immer, weiss er, das das nicht geht. Damit würde er würde er kein teil der Gemeinschaft mehr sein, was er nicht möchte. Er hängt an den Menschen dort, ebenso wie ich, und will sie nicht gänzlich aufgeben. Ich wünsche mir für ihn, das er sich hier in den Ered Luin erholt und etwas Ruhe findet, ehe solche Entscheidungen, wie die Rückkehr nach Gondor, getroffen werden müssen.

Erebil´s Blick wandert abermals gen dem Schlafenden. Ein kleines Eichhörnchen huscht nahe von ihm vorbei, klettert geschwind einen Baum hinauf und verschwindet im Blätterdach. Lächelnd senkt sie ihren Blick wieder auf die Seiten des Buchs.

Vom Thema der Gemeinschaft und der Reise kamen wir auch darauf, wie es mit mir weiter gehen soll. Er möchte gern, das ich ein vollwertiges Mitglied werde. Einen Mentor bräuchte ich nicht mehr. Meine Einwände, er könne dies nicht allein entscheiden, zerstreute er. Jeder Offizier dürfe Rekruten zu vollwertigen Mitgliedern aufstufen. Somit auch er. Ich habe ihm dann gesagt, das wir abwarten sollten, bis wir zurück im Breeland sind. Vielleicht grollt man mir noch immer wegen meiner Flucht.

An der Handwerker Terasse hat Arganthir uns dann ein Frühstück besorgt, während ich die ansässigen Drechsler und Möbelbauer um einige Vorlagen für elbische Möbel bat. Ich hoffe, ich bekomme sie entsprechend hin, damit Arganthir sich in seinem neuen Heim wohl fühlen kann.
Da wir Celondim ja ereits erkundet hatten, beschlossen wir das Umland zu erkunden. Arganthir wollte mir das Weingut zeigen, wo er vorgestern den Wein besorgt hatte. Schnell waren die Pferde gesattelt und wir auf dem Weg, die Gegend zu geniessen. Die Ruhe hier und der Frieden sind selten geworden und es tut gut, einmal abschalten zu können von allen Sorgen.

Oberhalb des Weingutes ist ein kleiner Pavillion, wie man sie hier öfter sieht. Den Blick zum Wasserfall, sass ich dort, während Arganthir auf seiner Laute spielte und mir erklärte, das hinter jenem Gebirge die Anfuhrten liegen. Zu Fuss gingen wir dann zum Weingut hinunter. Die beiden Gebäude dort taten es Arganthir wieder sehr an, aber meinen Vorschlag, hier als Winzer zu arbeiten, schlug er dann doch aus. Am grossen Haupthaus sassen wir dann auf den Stufen und Arganthir verriet mir sein Alter. Das er 38 sein soll glaubte ich ihm anfangs nicht. Er erklärte mir dann jedoch das viele Menschen unserer Heimat den Numenor abstammen, welche als langlebig gelten. Auf seine Frage, wie alt ich sei, erzählte ich ihm vom Waisenhaus. Auch Dromian, das Leben mit ihm in den Wäldern, seinen Todestag und seinen letzten Wunsch erzählte ich Arganthir. Seine Theorien und Ideen, wie man Farana finden könnte oder was aus ihr wurde, verliefen im Nichts. Bei genauerer Betrachtung wurde uns beiden klar, das ich sie wohl nie finden werde.

Das Gespräch hatte mich nachdenklich und traurig gestimmt und als wir wieder in Celondim waren, wollte ich für mich alleins ein. Ich schug den Weg zu den Statuen hinauf ein, doch Arganthir folgte mir. Er machte sich Sorgen, da ich ebenso still und in mich zurück gezogen war, wie zu Beginn unserer Reise. Das er hier ein Haus kaufen wolle, lenkte mich etwas ab, wenn auch nicht lange. Irgendwie kamen wir auf das Thema Aredorn und so habe ich Arganthir auch davon erzählt. Von dem Zusammenleben mit ihm, warum ich es schliesslich beendete und dann verschwand. Arganthir konnte mich verstehen und sagte, jeder Mensch müsse frei sein und auch seine eigenen Entscheidungen treffen können. Ich bin mir sicher, das Arganthir mich nie zu etwas zwingen würde.

Auch auf Binx kamen wir zu sprechen. An die guten Zeiten mit ihr würde er sich wohl immer erinnern, doch es würden auch neue, gute Zeiten für ihn kommen. Ich bin froh, das er so denkt und hier endlich mit dem Gewesenen abschliessen kann.

Am Wachturm vor den Statuen haben wir uns dann im Gras zum Schlafen hingelegt. Sein Umhang diente uns als Decke und wir schliefen Arm in Arm ein, um uns gegenseitig Halt und Geborgenheit nach diesem Tag zu geben. Das brauchten wir beide.

Heute wollen wir zu den Siedlungen und nach einem Haus für ihn sehen. Danach hält uns hier erstmal nichts mehr und ich denke, wir brechen nach Bree auf.

Erebil klappt das Buch zu und verstaut es mitsamt Schreibzeug wieder in ihrer tasche, da sie bemerkt, wie Arganthir langsam unruhiegr wird und wohl bald erwachen wird. Leise geht sie zu ihm und setzt sich neben ihm ins Gras, bis er erwacht.


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 Betreff des Beitrags: Re: Reisetagebuch
BeitragVerfasst: Mo 20. Okt 2014, 06:12 
Leise hört Erebil das Wasser des Flusses, als sie auf der Brücke sitzt und ihr Tagebuch hervorholt. Ihr Blick geht zur Seite, schweift über das abendlich erleuchtete Bockland, den im letzten Tageslicht liegenden alten Wald, der dahinter liegt und schliesslich die Strasse nach Osten entlang. Irgendwo am Ende dieser Strasse liegt Bree. Leise seufzt sie und schlägt ihr Buch auf, um zu schreiben.

Einige Tage habe ich es versäumt, diesen Seiten Zeit zu widmen, doch überschlugen sich die Ereignisse.
Kurz nachdem Arganthir erwacht war, brachen wir auch schon auf zu den Siedlungen. Ein Haus für ihn finden, welches ich ihm einrichten werde. Der Ritt dorthin verlief ohne Probleme, sogar die Brücke haben wir gemeistert, ohne das meine Stute gescheut wäre.
In den Siedlungen streiften wir eine Weile umher, besahen uns einige Häuser. Schnell war klar, das Arganthir ein grösseres Haus will und schliesslich fanden wir eins, was sogar schon zum Teil eingerichtet ist. Nahe dem Eingang zur Siedlung, einen Berghang im Rücken und gegenüber, auf der anderen Wegseite, ein kleiner Bach.
Beide waren wir erschöpft vom Tag, erst zu Pferd und schliesslich zu Fuss. So ging Arganthir nur noch zur Siedlungsverwaltung, um alles Nötige für den Kauf zu regeln, ehe wir schon recht bald vor dem Kamin ein Nachtlager aus unseren Decken bauten. Wieder ein Dach über uns, die Wärme des Kamins und die Ruhe der Siedlung - all das half uns, schnell einzuschlafen.

Am Morgen erwachten wir fast zeitgleich, doch ... ich merkte, die Nähe mit ihm war zu viel für mich. Ich traute mich nicht, es ihm zu sagen, das ich überfordert bin und schrieb ihm daher einen Brief.

Erebil blickt über den Fluss. Tief atmet sie durch, doch nach einer Weile schreibt sie weiter.

Einen Brief, in dem ich versuchte, zu erklären. Ich vertraue ihm, achte und schütze ihn und will ihn als Freund nicht verlieren. Doch mehr kann ich nicht geben. Nicht jetzt, nicht hier, nicht ihm. So schön die gemeinsame Reise und die Zeit in den Ered Luin auch war, merke ich doch, es wäre falsch, weiter zu gehen.
Ich legte den Brief zu seinen Sachen und stahl mich heimlich davon, während er draussen am Bach war, um ein bad zu nehmen. Feige von mir, sicher. Doch in dem Moment sah ich keine Wahl.

Beinahe ohne Pause habe ich meine Stute getrieben, um nun hier zu sitzen. Die Brandyweinbrücke, die das Auenland und das Breeland verbindet. Wieder zurück, wieder ... zu Hause? Ich weiss es nicht. Heimat ist Gondor gewesen, damals. Zu Hause war irgendwie Arganthir während der Reise. Familie, das ist die Gemeinschaft. Ich sollte zurück zu ihnen. Oder doch in das Haus, welches Shairmon mir eingerichtet hatte, nachdem ich vor Are floh? Ich weiss noch nicht, wohin ich gehe, doch fest steht: ich gehe zurück nach Bree und werde zur Gemeinschaft zurück kehren, wenn sie mich noch in ihrer Mitte möchten.

Langsam legt Erebil das Schreibzeug zurück in ihr Bündel. Sacht streicht sie über das Reisetagebuch, in dem Wissen, das ihre Reise nun beendet ist. Als auch dieses Kleinod verstaut ist, steht sie auf. Ihre Stute wiehert leise, nachdem Erebil wieder aufgesessen ist und sie mit sanftem Druck der Schenkel gen Bree lenkt. Am frühen Morgen sollte sie bei den Siedlungen ankommen und dann muss sie entscheiden, wo sie sich ausruht. Doch heute Nacht, das weiss sie, wird sie erneut durchreiten. Keine Pause, kein Schlaf.


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