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 Betreff des Beitrags: Die Reise nach Hause
BeitragVerfasst: Do 24. Apr 2014, 22:17 
Wanderer
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Eine schmale Gestalt beugt sich im Kerzenlicht über ein Pergament auf dem kleinen Holztisch vor ihr. Gespannt beginnt sie zu lesen, doch je mehr sie liest, desto mehr ziehen sich ihre Augenbrauen zusammen. Schließlich legt sie die Rolle auf den Tisch und trinkt einen großen Schluck aus dem Weinkelch, der daneben steht. Das Pergament fegt sie ungeduldig zur Seite, schüttelt unzufrieden den Kopf und murmelt: "Da werde ich aber noch einiges zu tun haben, bevor das jemand in die Hand bekommt. So will das doch keiner lesen! Und es klingt, als sei ich uralt. Elbereth!" Eilig steckt sie die Schreibfeder in das Tintenfass und beginnt rasch, auf eine neue, leere Pergamentrolle zu schreiben.

Folgendes ist im Kerzenschimmer auf der Schriftrolle zu lesen, die nun vergessen auf dem Boden vor dem Kamin liegt:

Nun ist es Zeit, so sagte man mir, die Geschichte der Gemeinschaft aufzuschreiben, die nahe dem Fleckchen Bree, nicht weit von den Grenzen des Auenlandes, ein Zuhause fand und doch nie dort zuhause war. Denn sie stammten aus dem Süden: Sie kamen aus den Tälern des Weißen Gebirges und aus dem Schatten des weißen Turms Ecthelions; sie hatten die Möwen über den Mauern Dol Amroths schreien hören und waren durch Ithilien oder über die Pinnath Gelin gewandelt; sie waren in Lossarnach oder Lebennin geboren und hatten das Wasser des Morthond, des Anduin oder des Lefnui getrunken: das „Volk Gondors“ nannten sie sich, denn in Gondor lag ihre Heimat, die sie so vermissten und nach der sie sich so sehnten.

In den Wirren des Dritten Zeitalters waren Bereanor und Injael in das Breeland gekommen und hatten beschlossen, anderen ihrer Landsleute eine Heimstatt zu bieten, und nicht allein Brot und Wein, sondern auch den Schmerz um die verlorene Heimat mit ihnen zu teilen. Immer mehr Frauen und Männer sammelten sich unter diesem Dach, und sie hatten viele bittere Gründe, dem Land ihrer Väter und Mütter den Rücken zuzuwenden, doch gehörte ihr Herz ihm weiter mit ganzer Inbrunst.

Nun geschah es, dass in den Tagen, als der Feind im Süden begann, Minas Tirith und Osgiliath zu bedrohen, eine Gruppe mutiger Menschen aus dieser Gemeinschaft beschloss, ihren Brüdern und Schwestern in Rohan helfen zu wollen, von deren drohenden Untergang sie sichere Kunde hatten. Und sie ritten los, ohne zu wissen, dass ihr Weg viel weiter führen würde als bis Aldburg oder Edoras.

Sie ritten heim. Heim nach Gondor.

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Unter den Erzählungen von Leid und Verfall, die aus dem Dunkel jener Tage auf uns gekommen sind, finden sich doch manche, wo inmitten der Tränen auch die Freude Raum hat und im Schatten des Todes das Licht brennt, das dauert.
Das Silmarillion


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Reise nach Hause
BeitragVerfasst: Mo 28. Apr 2014, 17:52 
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Beiträge: 5
Die schmale Gestalt ist schlafend auf dem Stuhl zusammengesackt; der Kopf neben der ausgebrannten Kerze auf die Unterarme gebettet. Unter ihnen liegt die neue Schriftrolle, mit großen, kühnen Buchstaben beschrieben. Wer ein wenig daran zöge, könnte das meiste des Textes sicher lesen:

Sie erzählten mir, es habe vor allem mit Reden begonnen, und auch mit Streit. Arri seufzt (was sie allerdings ziemlich oft tut), wenn sie davon berichtet, wie Arlaeg damals aus Rohan wiedergekommen war. "Voller Wut und Zorn; man konnte wirklich Angst bekommen..."

Am ersten Abend nach ihrer Wiederkehr war wohl einiges los gewesen im Sippenhaus. Dugal und Aphidor waren da gewesen, außerdem Eldirhad, Saellith, Illusius und Gedrin, der ein seltsames Mädchen namens Idhria dabeigehabt hatte. Außerdem hatte just an diesem Abend ein Mann namens Naerthion nach gondorischen Dokumenten gefragt. Und in diese Runde platzte Arlaeg mit ein paar toten Hasen und einer Jutepuppe unter dem Arm, die sie auf den Tisch legte. "Es. Ist. Krieg", sagte sie den Männern und Frauen um den Tisch herum. Doch dabei wollte sie es nicht bewenden lassen - sie forderte schlechtgelaunt, dass die Gemeinschaft den Menschen in Rohan zur Hilfe eilen müsse.

Manche meinten, der Krieg sei weit weg und man müsse sich nicht darum kümmern. Aphidor sagte außerdem: "Also, ich bin mir sicher, dass sowohl Rohan und Gondor schon längst die notwendigen Maßnahmen ergriffen haben." Doch andere waren da nicht so sicher und fürchteten auch, dass ihre Heimat in Gefahr sei. Dugal mahnte jedoch, dass man Hilfe nach Rohan bringen müsse: "Wenn Rohan bedroht ist, ist das schlimm genug."

Manche entschlossen sich schon an diesem Abend, den Rohirrim zu Hilfe zu eilen. Doch stand noch aus, dass Injael und Bereanor sich äußerten. Und auch andere sollten noch mit der Situation konfrontiert werden. So machte Dugal einen Aushang, der alle über die Lage in Rohan informieren sollte. Und andere gingen los, um sich mit dem zu versorgen, was für eine lange Reise, einen Zug in ein Kriegsgebiet notwendig werden konnte.

Und ein Bote wurde ins Auenland geschickt, um die Anführer des Volks über Arlaegs Zorn zu informieren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Reise nach Hause
BeitragVerfasst: Do 8. Mai 2014, 11:13 
Wanderer
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Beiträge: 5
Es ist nun taghell, und die Kerze auf dem Holztisch ist aus. Die schmale Gestalt schreibt und schreibt; das Tintenfass ist halbleer.

Und Bereanor und Injael kamen. Die Wiedersehensfreude war bei allen groß, doch Arlaeg sorgte für Anspannung und Unbehagen. „Seit du wieder da bist, ist dein Benehmen kaum zu ertragen“, herrschte sogar Eldirhad sie zwischendurch an. Immer noch herrschte Skepsis: Illusius fehlten Beweise für den Krieg, Injael wirkte zeitweilig, als halte sie Arlaeg für hysterisch, Bereanor reagierte zunächst seltsam verhalten und Elphir interessierte sich ausschließlich für Gondor. Nur Dugal schien von Arlaegs Berichten überzeugt. „Das alles sollte uns doch nicht wirklich überraschen - nicht, nachdem, was wir erlebten, als wir Injael und Bereanor retteten“, sagte er. Und für Dugal war ohnehin klar, dass er nach Rohan gehen werde, bevor er in die Heimat zurückkehrte – seine Frau Freahild stammte schließlich von dort.

Shairmon, der viel fragte und zuhörte, gab sich schließlich einen Ruck: „Wisset, wenn das Volk geht, gehe ich mit“, sprach er. Aphidor stimmte, vielleicht erleichtert, zu, als Bereanor anordnete, alle sollten sich eine Woche später noch einmal treffen: „Jeder hat Zeit, darüber zu schlafen, sich zu entscheiden.“ Elphir machte an diesem Abend klar, dass er den Weg nur nach Gondor, und nicht den nach Rohan antreten werde. „Du wirst doch nicht alleine in den Süden ziehen, Elphir?“, fragte Injael daraufhin, und Elphir entgegnete, doch, das werde er, wenn er es müsse. Bereanor sagte nur: „Es wird unvermeidbar sein, dass sich unsere Gemeinschaft nach der Abreise spalten wird. Früher oder später.“

Die Stimmung an diesem Abend war düster und es herrschte eine spürbare Unruhe. „Arlaeg, bitte richte Arvaethil aus ich möchte sie sprechen“, sagte Bereanor noch, bevor sich die Gemeinschaft zerstreute. „Ich sag's ihr“, entgegnete Arlaeg verwundert.

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Zuletzt geändert von Die Schreiberin am Do 8. Mai 2014, 11:30, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Reise nach Hause
BeitragVerfasst: Do 8. Mai 2014, 11:29 
Wanderer
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Immer weiter schreibt die Gestalt:

Gemeinsam mit Saellith traf Arvaethil drei Tage später ein. Sie wirkte seltsam angespannt. Bereanor und Injael waren nicht da, als sie zurückkehrte, aber eine kleine Gemeinschaft saß im Sippenhaus zusammen. Nicht allen war Ahreandril bekannt, die nach langer Abwesenheit zur Gemeinschaft zurückgekehrt war; Illusius' ehemalige Schülerin. Ihr wurde nicht viel Zeit gegeben, sich wieder einzugewöhnen.

Illusius sagte: „Es scheint sich etwas in Rohan zusammenzubrauen, was Gondor ebenso heimsuchen könnte.“ Noch bevor das Gespräch in Gang kam, betrat ein Fremder das Haus: Tharochir aus Dol Amroth, ein Schwanenritter. Und er bestätigte, was Arlaeg Tage zuvor berichtet hatte: „Es herrscht Krieg in Rohan.“ Und was er dann sagte, schlug ein: „Einen Krieg könnte Gondor nicht überstehen. So stark ist es nicht, wohl eher im Gegenteil... Einzig die weiße Stadt könnte standhalten, doch auch das nicht für ewig.“ „Hmm. Was ihr sagt ist ziemlich schwerwiegend“, entgegnete Aphidor. Und Tharochir bot sein Schwert, Schild und Speer für die Gemeinschaft, was Arvaethil dankbar und ernst annahm.

Warum Arvaethil so angespannt war, klärte sich dann: Sie hatte drei Rollen Pergament bekommen, abgesandt von Lothlinn aus Bruchtal, kurz bevor sie zu den Anfurten ritt. Jede Rolle enthielt eine Botschaft aus Träumen der Elbin – eine war für Arri, eine für Saellith und eine für das Volk Gondors. Diese Botschaft lautete:

„Das Volk Gondors wandelte fern der Mauern der Weißen Stadt,
doch stets in ihrem Schutz, umhüllt von Stärke und Trost und Stolz.
Über dunklen Zinnen fliehen Sterne nun, das Mondlicht stirbt,
schrill klagen Stimmen aus dunklem Gebirg. Die weiße Knospe in der Hand
streckt vergeblich sich. Das Licht, es scheint dahin.“


Die Botschaft an Arvaethil hatte folgenden Text:

„Arvaethil Feuerherz, ohne Straucheln schrittest du so stark
in der schönen Fremde einher. Doch was wird werden,
wenn das Meer du wieder singen hörst?
Nun naht der Tag, den immer schon du fürchtetest.“


Und auch Saellith las vor, was Lothlinn zu ihr geschrieben hatte:

„Saellith, Adaneth von Gondor, mit dem Herzen hell wie Morgenlicht,
deine Stunde kommt. Fasse Mut und erstarke.
In der Brandung kühlem Reich - wird dort das Feuer deines Herzens erlischen?
Wie kann die Treue zahlen für ihre ehern starke Macht?“

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 Betreff des Beitrags: Re: Die Reise nach Hause
BeitragVerfasst: Do 8. Mai 2014, 11:42 
Wanderer
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Registriert: Di 22. Apr 2014, 13:29
Beiträge: 5
Die schmale Gestalt streckt sich noch einmal und stellt dann diesen Abschnitt fertig:

Die Freunde saßen beisammen und versuchten zu verstehen, was Lothlinn geschrieben hatte. Ahreandril fragte sich, ob die weiße Knospe sich auf den weißen Baum Gondors bezog. „Nein, eigentlich kann es nicht sein, schließlich ist er ja verdorrt“, grübelte sie. „Hmm. Injael, Bereanor und der Rest der Gemeinschaft sollten so schnellst wie möglich davon erfahren, denke ich“, sagte Aphidor. Shairmon fand, so wie er es meist vermochte, tröstende Worte: „Arri, ich kenne Dich als jemanden der nicht davonläuft, vor was auch immer. Ich kann nur sagen ich, wäre dabei.“ Saellith murmelte:“Ich finde das alles verwirrend und bedrohlich.“

Saellith kam auch darauf, dass Mond im elbischen „Ithil“ war, und von dort kamen sie auf Minas Ithil und Ithilien. Und bezogen sich die fliehenden Sterne auf das Wappen und so vielleicht auf die Menschen Gondors? „Sie sind besorgt, doch noch fliehen sie nicht...“, meinte Tharochir.

Sie überlegten lang und redeten sich die Köpfe heiß. Arvaethil fasste zusammen, was alle fühlten: „Ich finde, es klingt unheilvoll.“ „Was anderes habe ich von einer Prophezeiung auch gar nicht erwartet“, entgegnete Aphidor dumpf. „Deshalb mag ich keine Prophezeiungen“, ergänzte Ahreandril.

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