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 Betreff des Beitrags: Arlaegs Zorn
BeitragVerfasst: Mo 3. Mär 2014, 12:45 
Wächter Gondors
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Registriert: Sa 7. Jul 2012, 14:43
Beiträge: 818
Seufzend legt Arri eine Pergamentrolle auf den Tisch im Sippenhaus. Sie sieht aus, als habe sie einiges hinter sich: Ein Blutspritzer zieht sich über die Rückseite, ein kleiner Teil wurde offensichtlich abgerissen und sie riecht, als sei sie in der Nähe eines Feuers gewesen. Arri liest den Text, den sie schon auswendig kennt, noch einmal durch. "Sie hat sich nicht verändert", murmelt sie dann leise. "Wenn sie hier ist, wird es unruhig werden."

Folgendes wird lesen, wer die Rolle in den Händen hält:



Liebe Arri,

ich weiß nicht, ob du dich freust, von mir zu hören. Ich bin damals ohne Abschied weg; du weißt, warum. Ich entschuldige mich nicht dafür, du musst wissen, ob du es mir verzeihst.

Seit fast einem Jahr bin ich auf den grünen Weiden der Rohirrim unterwegs. Oder: auf dem, was früher grüne Weiden waren. Denn vieles ist zerstört und verbrannt, auch Äcker, Höfe und Dörfer. Hier ist Krieg, Arri, auch wenn es niemanden zu kümmern scheint. Orks strömen frei durch die Lande und greifen Männer, Frauen, Kinder und Vieh an, ohne Unterschied. Gestern kam ich auf einem Ritt an einem kleinen Bauernhof vorbei, von dem nur noch schwelende Überreste standen. Auf dem Boden lag noch eine Puppe, aus Jute genäht, mit einem grünen Kleid und blonden Haaren wie Flachs. Ich habe lange gesucht, aber das Kind, dem die Puppe gehörte, fand ich nicht.

Ich kämpfe mit den Rohirrim, aber der Kampf ist aussichtslos. Viele haben jede Hoffnung verloren hier. Und wenn ich abends an einem Feuer sitze und das Fleisch mit ihnen teile, denke ich an unsere Leute: Ich denke an die Menschen von Gondor, die Brüder und Schwestern derer, die hier fallen. Und ich frage mich: Wo sind sie? Warum helfen sie nicht in dieser Not?

Deswegen werde ich bald zurückkommen, sobald ich hier wegkomme. Nicht, um dann gemütlich in Bree zu bleiben; du weißt, alles, was ich will, ist, dies hier zu bekämpfen, die Grausamkeit, den Verrat, die Unterdrückung, den Hass. Nein: Ich will, dass ihr alle mit mir kommt und tut, was unsere Pflicht ist. Bevor es endgültig zu spät ist.

Darum will ich mit dir sprechen. Mit Bereanor und Injael. Mit euch allen.

Gruß
Arlaeg

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 Betreff des Beitrags: Re: Arlaegs Zorn
BeitragVerfasst: Mi 16. Apr 2014, 14:47 
Wächter Gondors
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Registriert: Sa 7. Jul 2012, 14:43
Beiträge: 818
Arlaeg saß wütend ab und entsattelte das Pferd. Wieder eine Pause! Dauernd musste sie anhalten: entweder, weil das Tier nicht mehr weiterkonnte, oder weil sie essen oder schlafen musste. Dabei hatte sie das Gefühl, jede Stunde sei zuviel, die sie dafür verwendete.

Der Wasserschlauch war auch leer, also füllte sie ihn an dem Quell, der aus dem Felsen tröpfelte, auf. Dann legte sie ihn neben sich und trank durstig direkt aus dem Bach. Als sie ihren Kopf hob, sah sie ihr Spiegelbild im Wasser - ein hageres, angespanntes, unfreundliches Gesicht. Für einen Moment erschrak sie. Das bin ich?, schoss es ihr durch den Kopf.

Doch ihre Gedanken waren schnell wieder woanders. Sie konnte das Kind nicht vergessen, dessen Puppe sie gefunden hatte. Lange hatte sie gesucht, doch niemanden gefunden. Oft hatte sie Bilder vor Augen, die sie mit aller Macht zu verdrängen suchte. Das Kind war sowieso bereits tot. Hoffentlich.

Sie rollte ein Fell aus und legte sich darauf. Ohne auch nur einen Moment entspannen zu können, sah sie in den sich verdunkelnden Himmel. Vielleicht vier Tage noch oder fünf, dann sollte sie Bree erreicht haben. Würden sie ihr zuhören? Würden sie mitkommen?

Sie würde ihnen Beine machen, wenn nicht...

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 Betreff des Beitrags: Re: Arlaegs Zorn
BeitragVerfasst: Mo 21. Apr 2014, 15:48 
Wächter Gondors
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Registriert: Sa 7. Jul 2012, 14:43
Beiträge: 818
Müde trabte ihr Pferd den ersten Bäumen entgegen. Arlaeg richtete sich im Sattel ein wenig auf. Der Chetwald... Es kam ihr vor, als sei sie Jahrzehnte nicht hiergewesen. Geistesabwesend klopfte sie Jakli den Hals und ließ sie in Schritt fallen.

Arlaeg zerrte ein Stück Fleisch aus der Satteltasche und biss hungrig hinein. Es dauerte lang, den zähen Bissen zu zerlegen. Langsam kaute sie vor sich hin und behielt den bewaldeten Horizont im Blick. Es sah alles so friedlich aus. Sie spürte, wie sich die heiße Welle des Zorns wieder in ihr aufstaute. Friedlich, sicher, behaglich... Als gäbe es nicht einige Tagesritte entfernt einen verzweifelten Kampf um das Überleben. Als sei Mittelerde von keiner Gefahr bedroht, von keinem Schatten verdunkelt. Als würde es genügen, edel zu denken!

Arlaeg knurrte und spornte Jakli mit ihren Schenkeln wieder an. Ergeben begann die Stute erneut zu traben.

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