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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: So 27. Apr 2014, 20:50 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
Beiträge: 190
Kapitel 11 – Annúminas und Evendim

Eines Tages erreichte mich eine Botschaft meines Mentors. Es waren nicht viele Informationen, die ich hatte, und dennoch folgte ich dem Ruf – ein Treffen in Bree sollte Klarheit bringen. Elben wie Menschen waren es, die ihm beiwohnten, und ich erfuhr, dass es eine Suche nach zwei Personen namens Lannathron und Lothlínn war.
Ich wusste nicht warum, doch mein erster Gedanke fiel in den Nordwesten – dort liegt ein großer See, an dem sich Arnors alte Hauptstadt Annúminas befindet. Doch auch um das Gebiet herum liegen Ruinen, die nur dazu einladen, sich zu verstecken – vielleicht hätte es auch nur ein Gefühl sein und ich falsch liegen können. Ich sollte richtig liegen.
Zunächst jedoch erklärte ich mich bereit, mit einem der Waldläufer aus Evendim zu sprechen, der die Gemeinschaft um Hilfe ersucht hatte. Er rastete in einem der Gasthäuser im Umland Brees, und rasch hatte ich ihn gefunden. Ich reiste mit ihm bis zur Kreuzung des Hohen Königs in Evendim – dort verläuft der Weg nach Annúminas, geschützt durch eine Statue des Hochkönigs Elendil, hoch wie ein Berg und so eindrucksvoll, dass man es nicht in Worte fassen kann.
Dort erfuhr ich einige interessante Dinge und setzte meinen Weg zur Feste Forod fort, einer alten Befestigung im Norden Evendims. Jedoch sollte dort nicht das Ende meiner Reise sein – weiter in den Norden führten mich meine Wege, bis an die Grenzen von Forochel, der Eiswüste, in deren Bucht bereits einige den Tod fanden…
Was ich am Tor zu Forochel vorfand, beunruhigte mich zutiefst, und so rief ich die Gruppe zusammen, die sich bereits in Bree getroffen hatte. Auch sie waren ratlos und besorgt über den Ursprung des Fundstückes – ein Beil, mit Runen in einer schwarzen Sprache übersäht.
Abermals teilte sich die Gruppe, und ich erklärte mich bereit dazu, Tinnudir und Annúminas im Blick zu behalten. Bereits der Weg dorthin erwies sich als schwierig, denn kurz vor der Brücke, die nach Tinnudir führt, legten die Wächter mir einen Hinterhalt – nur dank der Tatsache, dass ich mit einem der ihren gereist war, ließen sie mich wieder frei.
Einige Kämpfe schlug ich an ihrer Seite, gegen Grabräuber in den Ruinen Evendims ebenso, wie gegen Menschen in Annúminas. Annúminas! Einst wohl so schön, dass selbst der Versuch, es zu beschreiben, eine Beleidigung gewesen wäre, heute ein bedrückender Ort. Verfallene Ruinen, die jedoch noch immer einen Teil ihres früheren Glanzes behalten haben, gemischt mit Blutspuren, verschossenen Pfeilen und den Tönen ferner – oder auch naher – Kämpfe.
Die Wächter begannen mich für den Einsatz, den ich im Kampf zeigte, zu schätzen, und so durfte ich sie bei einigen Hinterhalten unterstützen. Eines Tages kam ich wie durch Zufall an Informationen, die von höchster Wichtigkeit waren. Ich belauschte ein Gespräch zwischen zwei Menschen, und als wir die Falle zuschnappen ließen, entwaffnete ich einen der beiden und nahm ihn gefangen.
Tagelang verhörte ich ihn auf Tinnudir, und mithilfe von Mitteln, auf deren Einsatz ich nicht stolz bin, verriet er mir den Plan. Ich begab mich sofort in den Norden, und in der Feste Forod traf ich jene, die sich bereits in Bree beraten hatten.
Es gäbe noch viel zu schreiben, über die Ereignisse, die damals vor sich gingen, und eines Tages wird es ergänzt werden – für das Erste müssen ein paar Wörter genug sein:
Lannathron, den wir suchten, wurde seiner verdienten Strafe zugeführt, mein Kampf an der Seite der Wächter ging weiter, bis sich die Lage dort beruhigt hatte.

Elphir seufzt, als er den letzten Satz beendet. Ob die Lage dort noch immer ruhig ist? Ob die Stadt nun ganz in der Hand der Wächter liegt – oder vielleicht doch in der der Feinde? Er sollte es noch einmal erblicken, bevor er den Rückweg nach Gondor einschlagen würde. Zumindest nahm er es sich vor.

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Drei mal drei,
Was brachten sie aus versunkenem Land
Über das flutende Meer?
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Und einen weißen Baum.


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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Mo 2. Jun 2014, 12:25 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
Beiträge: 190
Einige Zeit später lässt Elphir sich erneut vor dem Buch nieder. Er wirkt erschöpfter als zuvor, kein Wunder, kommt er doch direkt von den nachmittäglichen Waffenübungen. Dennoch lächelt er, als er die Feder zur Hand nimmt, und sie in das Tintenfass tunkt. Es ist eine der erfreulicheren Geschichten, die er nun zu Papier bringen wird.

Kapitel 12 – Eine erfreuliche Bekanntschaft

So verlief das Leben im Norden ruhig, zumindest für die nächste Zeit. Ich fand mich in der Gemeinschaft immer besser zurecht, bis ich schließlich als vollwertiges Mitglied aufgenommen wurde – eine recht amüsante Geschichte, bei der mein Mentor Dugal mich ein wenig hinters Licht führte.

Elphir lacht leise auf, während er den letzten Teil des Satzes schreibt.

Doch das erfreulichste aller Ereignisse, die ich im Norden erleben sollte, folgte erst. Für mich selbst ist es eine jener Geschichten, die selbst in den dunkelsten Zeiten Hoffnung und Mut zu geben vermögen – für andere mag es einfach nur eine Geschichte, so wie jede andere auch, sein.
Sie begann an einem gewöhnlichen Abend am Hause der Gemeinschaft, bei Bier, Wein und bester Gesellschaft. Mit am Tisch saß auch ein neues Gesicht – eine junge Frau aus Gondor – zu jener Zeit nichts ungewöhnliches, fanden doch immer wieder Männer und Frauen aus der Heimat, aber auch Gäste aus anderen Gegenden, den Weg zu unseren Hallen. Doch diesmal war etwas anders. Diese Frau – Nethraeen – hatte etwas an sich, das ich bis heute nicht recht zu beschreiben vermag. Ich sollte verstehen, was es war, als ich einige Tage später die Geschichte ihrer Vergangenheit hörte.
Doch an jenem besagten Abend war es für mich unerklärlich. Bis spät in die Nacht unterhielten wir uns, und ich durfte Soën kennenlernen, Neths treue Begleiterin – ein edles Tier, wie es alle Falken sind.
In den nächsten Tagen verbrachten wir einige Stunden zusammen, doch noch immer hatte ich nicht viel über ihre Vergangenheit gehört. Eines Abends sollte sich dies jedoch ändern, als Herr Arantion (eine Bekanntschaft aus dem Tänzelnden Pony und ebenfalls ein Landsmann) am Haus der Gemeinschaft erschien, und uns über seine Vergangenheit unterrichtete. Neth stürmte aus dem Haus und ich entschloss mich, ihr zu folgen. Hier erfuhr ich nun die Geschichte, die mich in den letzten Tagen vor so manche Fragen gestellt hatte – sie war grausam.
Nach diesem Abend und dieser Geschichte wurde mir bewusst, dass etwas im Gange war, das ich nicht mehr beeinflussen konnte – ich fühlte mich zu Neth hingezogen, ohne Zweifel.

Elphir schmunzelt, während er den nächsten Satz schreibt.

Wer nun eine folgende Liebesgeschichte befürchtet, den kann ich beruhigen – es gibt sie hier nicht, und auch in keinem anderen Teil dieses Buches. Denn es ist eine Chronik, und keine detaillierte Geschichte meines Lebens.
Jedenfalls waren wir von diesem Zeitpunkt an ein Paar, mein Haus war um eine Bewohnerin reicher und ich fühlte mich im Norden noch ein Stück wohler.

Lächelnd blickt der Mann aus dem Fenster. Mittlerweile hat sich der Himmel verdunkelt, es ist spät geworden. Zeit, das Schreiben für heute zu beenden und den Abend mit seiner Gefährtin zu verbringen.

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Mo 2. Jun 2014, 12:26 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
Beiträge: 190
Am nächsten Morgen verlässt Elphir das Haus mit dem Buch in der Hand. Zielstrebig steuert er einen der Bäume in seinem Garten an, an den er sich lehnt und das Buch aufschlägt. Zunächst starrt er nachdenklich auf die leeren Seiten, die mit Worten und Geschichten gefüllt werden wollen. Allzu viele sind es nicht mehr, bis er das hier und jetzt erreicht hat. Danach die Heimreise, die wohl ebenfalls einige Seiten verschlingen wird…
Elphir reißt sich aus den Gedanken, blickt kurz auf den Fluss, der ein beruhigendes, leises Plätschern von sich gibt, und beginnt zu schreiben.


Kapitel 13 – Suche im Norden

Um die folgende Geschichte – und besonders meine Rolle darin und Ansichten dazu - zu verstehen, ist es wichtig, die Gegebenheiten und Größe der Gebiete des Nordens zu kennen. Man mag nun auf eine Karte blicken und denken, dass man so genügend darüber lernt – doch das wäre ein Fehler. Einige Länder im Norden dieser Welt sind gefährlich, und obwohl sie auf Karten noch so klein und unbedeutend aussehen mögen, sind sie doch tödlicher als weitaus größere Gebiete. Als Beispiel sei hier die Eiswüste von Forochel genannt, oder die verderbten Lande von Angmar – oder auch die beinahe endlosen Weiten der Wege im Norden des Breelands, die schließlich über die Felder von Fornost in die gleichnamige Festung führen. Viele Gerüchte kreisen um sie, doch ich war nie dort, um diese zu überprüfen. Da ich die Geschichten von wandelnden Schatten der Toten jedoch für Nonsens halte, denke ich eher, dass Fornost von Orks besetzt sein könnte. Sei es, wie es sei – der Norden Mittelerdes ist gefährlich, besonders für jene, die sich nicht zu wehren wissen.

Es war ein Abend am Haus der Gemeinschaft, an dem mein früherer Rekrut Shairmon uns davon berichtete, dass unsere Rekrutin Erebil verschwunden sei. Sie hatte sich wohl von ihrem Gefährten getrennt, sich betrunken, und war abgehauen – wir sollten sie nun suchen, ohne eine Himmelsrichtung zu kennen, ohne zu wissen, ob sie vielleicht womöglich einfach nur weitergezogen war. Natürlich weigerte ich mich vehement dagegen, so unüberlegt und impulsiv zu handeln, was mir den einen oder anderen zornigen Blick einbrachte. Doch es war gegen jegliche Vernunft, auf Verdacht in den Norden zu ziehen, um sich danach vielleicht nach Süden zu wenden, wenn man dort nichts finden würde. Arantion sah es wie ich, doch schließlich ließen wir uns beide breitschlagen – zumindest zum Schutz der Mitglieder der Gemeinschaft würde wir die Gruppe begleiten.
Am nächsten Morgen brachen wir auf – eine viel zu große Gemeinschaft, um von nur zwei Kämpfern beschützt werden zu können. Zwar betonte der Heiler, dass er Übung im Schwertkampf hätte, doch das ist schnell behauptet.
Also ritten wir nach Norden, unser Weg führte uns Hinweis um Hinweis durch Schragen, und, um meine Befürchtungen wahr werden zu lassen, bis an den Westpass von Nan Wathren.

Hier bedarf es wohl abermals einer Erklärung, warum Nan Wathren mich erschaudern ließ. Es ist ein Tal im Norden Brees, zu erreichen über einen West- und einen Ostpass, und verseucht mit Orks. Sie nutzen es wohl als Basis, um Angriffe auf die Bauern der Umgebung durchzuführen, oder einfach als Lager – ich vermag es nicht zu sagen.
Jedoch war der Pass – entgegen aller meiner Erwartungen – geräumt, der Weg frei. Ich konnte es mir nicht erklären, daher blieb ich wachsam und angespannt.
Als wir Erebil gefunden hatten, hielten Arantion und ich Wache, während der Heiler sich um sie kümmerte. Wie durch ein Wunder konnten wir den Pass auch verlassen, doch vor einem vorgelagerten Lager des Passes geschah es – Orks wurden auf uns aufmerksam! Arantion und ich schickten die anderen nach Schragen, danach wandten wir uns den Orks zu. Ein erfrischender Kampf, der die Reise in den Norden nicht gänzlich umsonst erscheinen ließ, folgte, und schließlich verließen wir den Vorposten lebend.
Zurück in Schragen kümmerte sich der Heiler bereits erneut um Erebil, um danach Arantion und anschließend mich zu verarzten.
Lange hatte ich das Bedürfnis, Erebil zur Rede zu stellen, ihr klarzumachen, in welche Gefahr sie insbesondere Shairmon und seine Verlobte, aber auch alle anderen gebracht hatte, doch ich wich davon ab, als ich bei meinem nächsten Besuch in den Hallen der Gemeinschaft hörte, dass sie mit dem Gedanken spielte, das Breeland erneut zu verlassen. Ich verstehe ihre Gründe nicht, doch andererseits habe auch ich Gründe, die mich sehnsüchtig in den Süden blicken lassen… Ob es tatsächlich ähnlich ist, kann ich jedoch nicht sagen.

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Di 10. Feb 2015, 10:29 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
Beiträge: 190
Der Mann wendet den Kopf in den wolkenlosen blauen Himmel, lehnt sich gähnend gegen den Baum und schließt eine Zeitlang die Augen. Das Zwitschern der Vögel klingt zunächst noch angenehm und fröhlich, doch immer mehr beginnt es, schrill und feindselig zu werden, wie das gehässige Krächzen der Krähen im Dunland und in Rohan. Einmal mehr beginnen die Bilder vor seinem inneren Auge abzulaufen, die er nicht sehen will – Krieg, ein brennendes Dorf, und inmitten der Ruinen ein lebloser Mann.
Elphir schreckt auf, als er aus dem Traum erwacht. Schwer atmend erhebt er sich und geht einen Schritt nach vorne, in die Sonne, deren Wärme er sofort auf der Haut spürt. Das Buch liegt neben dem Baum auf dem Boden, Tintenfass und Feder stehen darauf. Mit langsamen Schritten steigt Elphir zum Fluss hinab, schöpft etwas Wasser heraus und wäscht sich das Gesicht.
Mit einem gequälten Gesichtsausdruck blickt er zurück zu dem Buch. Es ist soweit. Die Geschichte, die ihn bis in den Schlaf verfolgt, will in Worte gefasst werden.
Langsam lässt Elphir sich wieder an den Baum sinken, nimmt das Buch zur Hand und beginnt zögerlich zu schreiben.


Kapitel 14 – Rohan

Mit Sorge nahmen wir alle die Gerüchte, die von Krieg in Rohan handelten, wahr. Was wäre, wenn der Krieg von Rohan auf Gondor übergreift? Was, wenn Gondor von Norden und Osten gleichzeitig attackiert werden würde?
Es ließ uns keine Ruhe, und so beschlossen Arantion und ich, in den Süden zu reisen – er wollte nach Rohan, mein Weg sollte mich nach Gondor führen. Wir verließen das Breeland nach Westen hin, durchquerten die Einsamen Lande und die Trollhöhen, um schließlich über Eregion und Enedwaith ins Dunland zu gelangen. Bis dorthin verlief die Reise ruhig, Arantion und ich hatten viel Zeit, uns zu unterhalten – nicht nur über den vielleicht drohenden Krieg, auch über andere, viel belanglosere Dinge.
Die erste Überraschung erlebten wir in Galtrev, wo wir uns mit neuen Vorräten eindecken wollten – das Dorf war von Halborks der weißen Hand besetzt worden, wir wurden gefangen genommen und weiter hinein gebracht. Während die Kreaturen mich fesselten, zückte Arantion sein Schwert, das er unter dem Sattel versteckt hatte und kümmerte sich um die beiden Halborks neben ihm. Ich für meinen Teil musste mich auf meine Erfahrungen im Faustkampf verlassen, um die Wachen an meiner Seite auszuschalten. Ich drängte Arantion dazu, das Dorf mit den Pferden zu verlassen und außerhalb auf mich zu warten, während ich mit ruhigen Schritten das Versorgungslager des Dorfes suchte. Ich hatte Erfolg, und kurze Zeit später verließ ich das Dorf mit zwei prall gefüllten Säcken auf dem Rücken.
So setzten wir unseren Weg fort, doch bei dem Pass, der das Dunland von der Pforte Rohans trennt, folgte die nächste Überraschung. Ein Pfeil bohrte sich in den Sand vor unseren Füßen, ich war mir sicher, dass es sich um einen Orkangriff handeln musste – nur diese Bestien würden zu solch feigen und ehrlosen Methoden greifen. Ich hatte Unrecht.
Es handelte sich um eine Frau, noch dazu aus Gondor! Allerdings besaß sie, wie mir der hinterhältige Angriff gezeigt hatte, in etwa so viel Ehrgefühl und Mut wie ein Ork, weshalb ich sie zu Beginn auch für einen Diener des Feindes hielt.
Der langen Rede kurzer Sinn ist, dass ich mich von ihr breitschlagen ließ, den Weg nach Gondor zu verlassen, und mit den beiden nach Rohan zu gehen. So überquerten wir die Furten des Isen und ritten nach Helms Klamm, wo wir die nächsten Tage verbrachten. Doch die Zeichen des Krieges waren auf unserem Weg eindeutig – verbrannte Felder und geraubte Dörfer.

So kam es, dass einige Tage nach unserer Ankunft in Helms Klamm eine Gruppe Reiter, vom Kampf gezeichnet, die Festung erreichte. Arlaeg – die Frau, der wir auf unserem Weg begegnet waren – erfuhr, dass sie von einem Dorf ganz in der Nähe kamen, das überfallen worden war, wollte sie sofort losziehen. Auch Arantion war dieser Idee zugetan, nur ich blieb skeptisch. Als die beiden jedoch meinten, sie würden auch ohne mich zu dem Ort des Geschehenen reiten, schloss ich mich an, weniger aus Überzeugung, als aus Pflichtgefühl.
Als wir das Dorf erreichten, stand es in Flammen, doch Feinde waren nicht zu sehen. Wir einigten uns darauf, nach Überlebenden zu suchen, und schließlich fanden wir auch einen Keller, in dem sich einige Bauersfamilien versteckt hatten.
Gerade als wir diese in Sicherheit gebracht hatten, geschah das unabwendbare – wir wurden entdeckt. In einem kurzen, aber heftigen Kampf fiel zunächst Arantions Ross, danach er selbst. Ich fand ihn mit einem Pfeil durchs Auge geschossen, während nicht allzu weit entfernt bereits die Laute von anrückenden Orks zu hören waren.
Er lehnte jedes Angebot ab, ihn mit mir zu nehmen, überredete mich zu fliehen – und ich tat es. Ich ließ ihn im Stich, und bis heute verfolgt mich diese Entscheidung in meine Träume. An dieser Stelle mag es gerecht erscheinen, mich dafür zu verurteilen, doch das sollte nur jemand tun, der dieselbe Lage erlebt und eine andere Entscheidung getroffen hat.

So kehrte ich zurück nach Helms Klamm, verbrachte noch einige Tage dort, und begann meine Rückreise in den Norden. Dennoch sollte ich nach meiner Ankunft dort nicht allzu lange dort bleiben…

Elphir schließt das Buch mit erleichterter Mine, schließlich ist diese Geschichte endlich zu Papier gebracht – vielleicht nicht mit allen Einzelheiten, vielleicht nicht ganz so, wie sie tatsächlich war – aber so, wie er sich daran erinnert.
Er klemmt das Buch unter den Arm, Feder und Tinte nimmt er in die Hand und betritt sein Haus.

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