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 Betreff des Beitrags: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Fr 23. Aug 2013, 20:11 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
Beiträge: 190
Elphir sitzt in seinem erst zur Hälfte eingerichteten Haus an einem großen Schreibtisch, über ein Buch mit schwarzem, kunstvoll verziertem Ledereinband gebeugt. Neben dem Buch steht ein Tintenfass, in welchem eine Feder steckt, bereit, die Worte und Gedanken des Gondorrim in eben jenes zu übertragen. Der Raum ist in schwaches Kerzenlicht getaucht, Elphir zieht an einer Pfeife, die kurz vor dem Erlöschen ist. Er atmet tief ein, erhebt sich aus dem Stuhl und geht in die andere Ecke des Raumes, wo er in einer kleinen Truhe hektisch nach etwas kramt. Nach einer Weile scheint er gefunden zu haben, was er gesucht hat, und holt erleichtert einen kleinen, braunen Beutel hervor. Der Beutel ist gefüllt mit Pfeifenkraut aus dem Auenland, mit welchem Elphir seine Pfeife erneut stopft. Er setzt sich wieder auf den Stuhl, entzündet die Pfeife und blickt mit nachdenklicher Miene auf das Buch.

Zunächst blickt er in Gedanken versunken auf die erste Seite des Buches, offenbar überlegt er sich einen Titel für seine Geschichte. Als er seine Gedanken geordnet hat, schüttelt der Mann den Kopf, blättert auf die zweite Seite des Buches und beginnt in einer feinen, gut leserlichen Handschrift zu schreiben…


Dieses Buch wird von Elphir aus Dol Amroth, Sohn des Barandor, der wiederrum Sohn des Arathir war, im Alter von achtundzwanzig Sommern begonnen und stetig fortgeführt, um seinen Kindeskindern seine Geschichte zu erhalten.

Kapitel 1 – Aus meiner Kindheit

Ich wurde in Dol Amroth als Sohn eines Kaufmannes und einer Tochter aus dem niederen Adel geboren. Als ältester von drei Söhnen – zu meinen Brüdern verliere ich später noch einige Worte – in einer sehr wohlhabenden Familie wurde ich behütet erzogen, und aus den frühen Jahren meiner Kindheit gibt es nicht allzu viel zu berichten. Früh erlernte ich die Kunst des Lesens und Schreibens und bekam von Gelehrten die Geschichten, Lieder und Gedichte aus der Vergangenheit vorgetragen. Die Vorstellungen vom einstigen Glanz und Ruhm Gondors und seiner Soldaten faszinierten mich, und so wurde wohl schon in meiner Kindheit der Grundstein für mein weiteres Leben gelegt.
Aus meiner frühen Kindheit gibt es, wie man sieht, also nicht sehr viel zu berichten – und schon garnichts abenteuerliches, wie es in diesem Buch noch geschildert werden wird. Ja, das abenteuerlichste waren wohl die Tage, an denen ich mich mit meinen beiden engsten Freunden – die Jungen Amgond und Eladion – aus der Stadt schlich, um Kundschaftergänge zu unternehmen. Wir fühlten uns wie Krieger, große Soldaten, wie sie in den alten Geschichten vorkamen – aus heutiger Sicht wagten wir uns nicht einmal eine lár vom Stadttor weg.

Hier macht der Mann aus Gondor eine Pause und lacht leise, während in seinen Augen für einen kurzen Moment ein kindliches Funkeln zu sehen ist. Dann fügt er bei dem Wort „lár“ eine Fußnote ein, und notiert am unteren Ende der Seite folgendes:
„Lár, númenórisches Wort für Rast, gleichzeitig Längenmaß; entspricht etwa drei Meilen.“
Dann tunkt Elphir seine Feder in das Tintenfass und fährt mit seiner Geschichte fort:


Als ich zehn Sommer gesehen hatte, sah mein Vater die Zeit gekommen, mich in sein Geschäft einzuführen. Er erklärte mir einiges, was ein Geschäftsmann zu wissen hat, doch hatte ich weder sein Verhandlungsgeschick, noch seine Härte, die er zeigen konnte, um das Beste für sich herauszuholen. In der Hoffnung, dass ich mich weit entfernt von meinen engsten Freunden doch noch zu einem fähigen Händler entwickeln würde, sandte Barandor mich zu seinem Bruder – meinem Onkel – Beladír. Ich hatte ihn zuvor nie gesehen, doch wusste ich über ihn, dass er ebenfalls Händler war – in Gondors Hauptstadt Minas Tirith, welche ich nun in all ihrer Pracht erblicken durfte. So muss ich nicht sagen, welch Freude ich zu dieser Zeit empfand, nicht ahnend, welch Heimweh mich nur ein paar Monate später plagen würde.
Also begab ich mich auf die lange Reise in die weiße Stadt, zwar begleitet von Leibwachen meines Vaters, aber doch alleine.
Wie ein langer Ritt über Wochen kam es mir damals vor, in Wirklichkeit waren es wohl nur einige Tage – doch dies alles war mit einem Schlag vergessen, als ich die weiße Stadt zum ersten Mal erblickte. Prachtvoll und anmutig zugleich, für ein Kind von zehn Jahren größer als alles, was es sich vorstellen könnte.
Elphir hört auf zu schreiben, nimmt einen Zug von seiner Pfeife und schwelgt in seinen frühen Kindheitserinnerungen.

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Hohe Schiffe, hohe Herrscher,
Drei mal drei,
Was brachten sie aus versunkenem Land
Über das flutende Meer?
Sieben Sterne und sieben Steine,
Und einen weißen Baum.


Zuletzt geändert von Elphir am Do 12. Sep 2013, 13:39, insgesamt 2-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: So 1. Sep 2013, 23:00 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
Beiträge: 190
Nach einer langen Pause voller Erinnerungen an eine glückliche Kindheit besinnt sich der Mann aus Gondor langsam wieder auf sein Buch, und die Geschichte, die er niederzuschreiben vorhat. Er tunkt seine Feder erneut in das Tintenfass und schreibt die folgenden Worte nieder…

Kapitel 2 – Die weiße Stadt

Je näher ich der Stadt kam, desto beeindruckter war ich. Mauern, hoch wie Gebirge (so zumindest damals mein Eindruck)! Sieben Mauerringe, eine uneinnehmbare Festung, die alles, was ich mir über die weiße Stadt ausgemalt hatte, bei weitem übertraf. Wir durchquerten das Haupttor, und ritten in den vierten Ring, wo sich das Haus meines Onkels befand. Es war viel kleiner als die Villa, die wir in Dol Amroth bewohnten, bot aber doch genügend Platz.

Knapp zwei Jahre verbrachte ich in Gondors Hauptstadt, und anfangs versuchte mein Onkel, mir das Handwerk eines Kaufmanns beizubringen, aber rasch merkte er, dass ich dafür nicht geeignet war. Viel lieber übte ich mit meinem Vetter den Kampf, ob mit Holzschwertern oder Fäusten, wir tobten durch die Stadt, und oft geschah es, dass einer von uns mit blauen Flecken nach Hause zurückkehrte. Mit ihm teilte ich den späteren Traum, in Gondors Armee zu dienen, der sich jedoch nur für mich erfüllen sollte.

Bereits ein paar Monate nach meiner Ankunft in Gondors Hauptstadt kannte ich ihre Straßen wie meine Westentasche und hatte einige Kameraden gefunden. Oft bewunderten wir die Wachen der Stadt, mit ihren beeindruckenden Rüstungen, den scharfen Schwertern und dem Symbol des weißen Baumes auf der Brust – wohl der nächste Grundstein für meinen weiteren Weg.
Nun, so, wie ich die Zeit in Minas Tirith beschreibe, klingt es wohl nach Spaß und Heiterkeit – der größte Teil dieser Zeit jedoch bestand aus Gedanken an die Heimat, Heimweh und Sehnsucht nach Mutter, Vater und meinen Brüdern. Obwohl mein Onkel und seine Frau alles versuchten, es mir so heimisch wie möglich zu machen – oft stand ich auf den Mauern von Minas Tirith, blickte über die Pelennor-Felder und die Rammas Echor auf den Anduin herab, und versuchte mir das Rauschen des Meeres und den Klang von Möwen vorzustellen.

Sosehr ich den Tag herbeigesehnt hatte, an dem ich die weiße Stadt hinter mir lassen durfte um nach Hause zurückzukehren – als es so weit war, fiel es mir schwer, Abschied zu nehmen. Abschied von der Stadt, die die letzten zwei Jahre mein Zuhause gewesen war, von meinem Onkel, der für mich in dieser Zeit zu einer Art zweitem Vater geworden war, und Abschied von den Kameraden, die ich gefunden hatte.
Und doch, je näher wir Dol Amroth kamen, desto mehr wich die Erinnerung der Vorfreude – endlich könnte ich meine Familie wieder in die Arme schließen und meine alten Freunde wiedersehen. Zuhause angekommen gab es ein großes Fest zu meinen Ehren, veranstaltet von meinem Vater, reichlich Speisen und Getränke wurden aufgetragen.

So war ich also wieder in meiner Heimat angekommen, und doch war nur allzu wenig wie zuvor. Mein Vater war noch immer der Meinung, dass ich als sein Erstgeborener unbedingt seinen Beruf erlernen müsste, ließ mich jedoch vorerst mit Zahlen und Geschäften in Ruhe – hingegen wurde ich zu einem zuvorkommenden, höflichen jungen Mann erzogen.
Ich war froh, wieder in der Heimat zu sein, die ich so sehr vermisst hatte, und meine alten Freunde wieder um mich zu haben. Oft zog ich mit Amgond und Eladion durch die Stadt, oder durch die Gebiete in ihrer Nähe, und berichtete ihnen von meiner Zeit in Gondors Hauptstadt. Viele meiner Worte lösten bei ihnen Begeisterung aus, und oft sprachen sie davon, die weiße Stadt selbst bereisen zu wollen, wenn sie alt genug wären.
Aus den nächsten beiden Jahren gibt es nicht viel niederzuschreiben, ich lernte zu tanzen und mich an einer festlichen Tafel in adeligen Kreisen angemessen zu verhalten. Ich wagte noch nicht, es meinem Vater zu erzählen, doch in mir regte sich ein Wunsch – der Wunsch, für meine Heimat zu kämpfen, und alles für ihren Schutz zu unternehmen. Immer öfter kam in mir der Gedanke auf, und immer schwerer wurde es, ihn zu unterdrücken.

Der Gondorrim denkt an seine Kindheit zurück, und an alles, was sich seitdem veränderte - in seinen Augen ist zu sehen, dass es wohl nicht immer die glücklichsten Erinnerungen waren.

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Zuletzt geändert von Elphir am Do 12. Sep 2013, 13:39, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Do 5. Sep 2013, 15:56 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
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Nachdem er sich aus seinen Gedanken und Erinnerungen reißt, überfliegt Elphir seine bisher geschriebenen Worte, allzu zufrieden wirkt der Mann allerdings nicht. Mit nachdenklichem Blick starrt er auf das Buch, zu unübersichtlich findet er die Aufteilung der Texte darin. Langsam greift er zu seiner Feder, und beginnt, über den bisher geschriebenen Seiten Kapitel hinzuzufügen. Merklich zufriedener betrachtet er sein Werk erneut, zieht an seiner Pfeife und blickt nachdenklich auf das Buch. Vieles gibt es aus seinem Leben noch zu schreiben, und vollendet wird es wohl erst mit dem Tod des Mannes aus Gondor sein. Mit einem erneuten Zug aus seiner Pfeife versucht er, diese Gedanken zu vertreiben, nur gelingen mag es ihm nicht recht.
Seufzend erhebt sich Elphir von seinem Schreibtisch, holt eine Flasche Wein aus einem Regal in der Nähe, und füllt einen Krug damit zur Hälfte. Er setzt sich wieder zu seinem Buch, nimmt genüsslich einen Schluck und lächelt – ein guter Tropfen!
Kurz blickt er noch nachdenklich drein, es folgt ein zufriedenes Nicken, und der Gondorrim beginnt, seine Geschichte fortzuführen.


Kapitel 3 – Der Weg in Gondors Heer

Ich trug also im Alter von vierzehn Jahren den Wunsch in mir, für mein Land zu kämpfen – gegenüber meinem Vater natürlich gut behütet. Ich sprach darüber nur mit meinen engsten Freunden Amgond und Eladion, sowie mit einer der Leibwachen meines Vaters, ein junger Mann namens Caeryn darüber.
Nun wird man sich natürlich die Frage stellen, warum ich nicht mit meinem Vater, jedoch mit einem seiner engsten Vertrauten darüber sprach – doch dies ist schnell erzählt. In den zwei Jahren war ich oft auf Festen anderer Adeliger, entweder in der Stadt, oder etwas außerhalb davon, zu Gast. Mein Vater, sofern er nicht selbst mitkommen konnte, bestand darauf, mich nicht alleine gehen zu lassen, und so wurde ich zu einigen Festen und Tanzabenden von einer seiner Leibwache begleitet.
Eines Abends war dies Caeryn, ein fröhlicher, offener junger Mann, damals im Alter von etwa siebzehn oder achtzehn Jahren. Im Gegensatz zu den anderen Männern aus der Leibwache meines Vaters behandelte er mich nicht wie einen Herrn, sondern wie einen Freund – er machte Späße, wir alberten herum und redeten über viele Dinge.
Von diesem Abend an zählte ich ihn – trotz meiner Jugend von damals dreizehn Jahren – zu meinen Freunden, wir teilten Geheimnisse, Ängste und Sorgen genauso wie Spaß, Freude und Heiterkeit.
Nun ist es hoffentlich klar, warum ich ihm diesen Wunsch anvertraute – und Cearyn reagierte so, wie ich es erwartet hatte. Er redete auf mich ein, sagte mir, dass ich mich meinem Vater anvertrauen sollte – nicht nötig zu erwähnen, dass er immer der vernünftige war.

Elphir lacht leise auf, zieht noch einmal an seiner Pfeife und schreibt dann weiter.

Viel wichtiger war jedoch, dass er mir dabei helfen wollte, meinen Weg in Dol Amroths Truppen zu finden. Er selbst war nie ein Soldat gewesen, doch ein guter Freund seines Vaters hatte lange Dienst für die Garde von Fürst Imrahil geleistet.
So brachte ich also die nächsten beiden Jahre damit zu, meinen Vater im Glauben zu lassen, ich würde seinen Beruf erlernen, während ich zu einem jungen Mann reifte und mich insgeheim immer wieder mit Cearyn im Schwertkampf übte.
Schließlich war der Tag gekommen – der Tag, an dem meine Ausbildung beginnen sollte, im Alter von sechzehn Jahren. Lange hatte ich überlegt, wie ich meinem Vater und meiner Familie diese Entscheidung beibringen sollte. Sollte ich mich früh am Morgen außer Haus stehlen und nur ein paar Abschiedsworte zurücklassen? Das brachte ich nicht über das Herz, und so teilte ich meiner Familie meinen Entschluss ein paar Tage vor dem Beginn meiner Ausbildung beim Abendessen mit. Mein Vater verhielt sich, wie ich es erwartet hatte – er erhob sich vom Tisch, warf mir einen bitter enttäuschten Blick zu und verließ den Raum. Für meine kleinen Brüder war ich ein Held, und meine Mutter – sie versprach mir, mit meinem Vater zu reden, obwohl ihr diese Idee auch nicht recht zu sein schien.
Meinen Vater hatte ich in dieser einen Woche nur selten zu Gesicht bekommen, und wenn ich versuchte, ihm meinen Entschluss zu erklären, winkte er nur müde ab. Es war nur schwer zu ertragen, doch meine Entscheidung war gefallen.
So verließ ich also unsere Villa, die auf den Klippen über dem Handelshafen lag, und bezog mit drei anderen Jungen einen Raum in einer der Kasernen am Kriegshafen.

Elphirs Gedanken schweifen zurück in die Heimat, zu der Villa seiner Kindheit, verziert mit Säulen und Torbögen, zurück zu seinem anfänglichen Leben in der Kaserne, den späteren Nächten im Feld und zu seiner Familie. Er fragt sich, wie es seinem Vater und seinen Brüdern wohl gehen mag, ob sie wohlauf sind und ob sein jüngerer Bruder sich im Beruf des Vaters noch immer so gut zurechtfindet wie damals, als Elphir die Stadt hinter sich ließ.

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Do 12. Sep 2013, 13:39 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
Beiträge: 190
Nach einer Weile voller Gedanken und Erinnerungen blickt Elphir aus dem Fenster des Zimmers. Die Nacht ist mittlerweile vorüber, und die Sonne wirft ihre ersten Strahlen sanft durch den Nebel auf die Siedlung im Breeland. Der Gondorrim lässt ein herzhaftes, lautes Gähnen hören und erhebt sich aus seinem Stuhl, um sich die Beine zu vertreten. Einen Schritt aus der Haustür später bereut er dieses Vorhaben, die Sonne konnte das Land noch nicht erwärmen, und die Kälte der Nacht liegt noch darüber. Er beschließt, sich wieder seinem Buch zuzuwenden und setzt sich zurück an den Schreibtisch.

Kapitel 4 – Meine Ausbildung

So hatte ich also endlich erreicht, was – wenn auch unbewusst – von klein auf mein Wunsch gewesen war. Die ersten Wochen der Ausbildung waren erfüllt von Freude und Glück, vom Kennenlernen der anderen Rekruten und von Disziplin und Gehorsam. Ich kam mit allen Ausbildnern und Rekruten aus, mit manchen besser, mit anderen weniger gut. Meine drei Zimmergenossen allerdings – Doronar, Delon und Curaon – waren mir rasch ans Herz gewachsen. Wenig gab es, was wir nicht zu viert unternahmen – ob Besuche in einem der Gasthäuser Dol Amroths, Würfelspiele zum Zeitvertreib oder Dinge, die wir als Rekruten für die Ausbilder erledigen mussten.
So wurden diese drei zu einer Art Ersatzfamilie für mich, vielleicht, weil sie mich ein wenig an meine richtige erinnerten. Curaon, genauso tollpatschig wie mein jüngster, Doronar, ähnlich klug wie mein zweitjüngster Bruder und Delon, ruhig und besonnen wie meine Mutter es war.

Oft verbrachten wir die Nächte im Feld, in Zelten oder unter freiem Himmel, zu Beginn geplagt von der weiten Strecke, die wir an diesem Tag bereits zurückgelegt hatten, und gequält von dem Gedanken, dass es am nächsten Tag nicht anders sein würde. Doch mit der Zeit fand man sich damit ab, und ich empfand es nach kurzer Zeit bereits als willkommene Abwechslung, die schönen Landschaften Gondors sehen zu können.
So beendeten wir vier also unsere Ausbildung, und wurden in den Rang eines Ethar gehoben.

Elphir fügt eine Fußnote ein:
Ethar, Soldat mit beendeter Grundausbildung.


Danach waren wir verpflichtet, für ein Jahr in Dol Amroths Heer zu dienen, wo besondere Fähigkeiten festgestellt werden sollten, um uns danach in eine passende Truppenart zu versetzen.
Nun stand es uns auch frei, unsere Zimmer in der Kaserne wieder zu verlassen um ins Elternhaus zurückzukehren, oder dort wohnen zu bleiben. Ich entschied mich für zweiteres, denn ein Jahr lang hatte ich nun nicht mit meinem Vater gesprochen, nur meine Brüder und meine Mutter traf ich des Öfteren.
Als Ethar hatten wir im Gegensatz zu den Rekruten keine Zimmer mit vier Betten mehr, sondern waren in gemütlichen Räumen für zwei Soldaten untergebracht. Ich teilte mein Zimmer mit Delon, Doronar und Curaon hatten sich dafür entschieden, ins Elternhaus zurückzukehren.

Mein Dienst verlief unterdessen nach Wunsch, und oft blieb ich bis Spätabends vor den Übungspuppen und versuchte, meinen Hieben noch mehr die nötige Schnelligkeit, Zielsicherheit und Wucht mitzugeben. Dies sollte sich bezahlt machen, denn ein paar Mal zogen wir aus der Stadt aus, wenn sich Gruppen von Banditen oder Söldnern an den Höfen außerhalb Dol Amroths vergehen wollten. So erlebte ich also meine ersten Kämpfe, und bereits beim ersten Mal war ich gezwungen, einen Mann zu töten. Es war kein schönes Gefühl, und richtig fühlte es sich auch nicht an – doch es waren Feinde Gondors, und entweder ich würde ihr Leben nehmen, oder sie meines, so rechtfertige ich es mir gegenüber bis heute.
Den Kampf an sich genoss ich aber, Schulter an Schulter mit Freunden, dem Feind gegenüberstehend und einer für den anderen kämpfend. Freundschaft, Zusammenhalt und Verteidigung der Heimat.

Ein Jahr später hatten wir unseren Dienst beendet, und jeder von uns wurde nun anderen Truppen zugeteilt – Doronar, der sich in der Ausbildung oftmals zu Ross bewiesen hatte, erhielt seine weitere Ausbildung von den Schwanenrittern. Curaon wurde zur Stadtwache beordert, Delon in die Marine – und ich? Ich hatte in diesem Jahr große Fortschritte im Umgang mit Schwert und Schild gemacht, darüber hinaus war ich durch einige, in der Rekrutenzeit hinter dem Rücken der Aufseher ausgetragenen Kämpfe zur Bestimmung der Rangordnung sehr Nahkampferprobt – ich wurde der Leibgarde des Fürsten zugeteilt.

Elphir blickt abermals aus dem Fenster, die Sonne steht nun höher am Himmel und er tut abermals einen Schritt aus der Tür. Es ist warm, einige Vögel singen und der Mann aus Gondor genießt die Sonne, die auf seine Arme und in sein Gesicht scheint. Aus dem Hausinneren holt er sich ein wenig Brot, Käse und einen Krug Wasser und beginnt, vor seinem Haus zu frühstücken, seine Gedanken wandern dabei in die Heimat…

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Di 1. Okt 2013, 18:24 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
Beiträge: 190
Einige Zeit ist vergangen, seit Elphir zuletzt über seinem Buch saß. Viel ist passiert, erfreuliche Dinge sind dem Mann aus Gondor widerfahren. So ist es nicht verwunderlich, dass er sich eines Nachmittags fröhlich mit dem Buch in den Garten seines Hauses begibt und sich unter einen Baum in den Schatten setzt. Er liest seine bisher geschriebenen Worte mit einem Lächeln im Gesicht und lässt seinen Blick zu dem Fluss wandern, der direkt neben seinem Grundstück mit einem angenehmen Plätschern vorbeifließt. Er lauscht dem Geräusch des Flusses, dem Gesang der Vögel und überlegt dabei, wie er das nächste Kapitel wohl beginnen könnte. Nach einiger Zeit tunkt er die Feder in das Tintenfass, welches neben ihm steht, und beginnt zu schreiben…

Kapitel 5 – Von meiner Zeit in Dol Amroths Heer

Ich nahm die Nachricht, ich wäre in die Leibwache von Fürst Imrahil beordert worden, mit gemischten Gefühlen auf. Einerseits bot sich mir eine Gelegenheit, die wohl so schnell nicht wieder kommen würde – andererseits war ich nicht erfreut davon, meine Kameraden verlassen zu müssen, die mich zuvor ein Jahr lang begleitet hatten, an deren Seite ich gekämpft und gefeiert hatte. So lehnte ich es im Alter von achtzehn Sommern ab, in der Leibgarde Imrahils zu dienen – dem Hauptmann der Garde sagte ich, ich wolle noch Erfahrungen sammeln und meine Fähigkeiten im Kampf weiter ausbilden.
So blieb ich weiter an der Seite der Männer des gewöhnlichen Heeres, übte weiterhin den Schwert- und Faustkampf, sowie den Umgang mit schweren Schilden. Im Kampf wurden wir zu Beginn nicht oft gebraucht, es war eine sehr ruhige Zeit gewesen.
Dies änderte sich jedoch bald, etwa zu der gleichen Zeit, als auch Dol Amroths Schiffe immer öfter kampfbereit ausliefen. Gerüchte machten unter den Soldaten die Runde, Gondor müsse bald erneut einem Feind gegenübertreten. Ich tat dies als Unsinn ab, und erklärte mir die immer häufiger aufkommenden Söldner- und Banditentruppen in den Dor-en-Ernil und dem restlichen Belfalas als Versuch dieser, eine Schwäche in Dol Amroths Heer zu finden, um an die Höfe der Stadt gelangen zu können.
Viele kleine Scharmützel gab es damals in den Lehen Dol Amroths, und von den meisten wusste der Großteil der Bevölkerung nicht einmal. Die ausziehenden Soldaten, wenn sie denn durch das Stadttor zogen, wurden für Patrouillen gehalten, die es auch zuvor schon gegeben hatte.
Zu einer solchen wurde auch der Trupp, dem ich angehörte, eines Tages ausgesandt. Wir alle waren gut gelaunt, unser Weg sollte zunächst nach Süden, und danach durch die Dor-en-Ernil führen. Die ersten zwei Tage verliefen ruhig, wir begegneten weder Banditen, noch anderen Menschen, und dies bestätigte mich in der Meinung zu den Gerüchten der anderen.

Der Gondorrim hält an dieser Stelle kurz inne, und sein Lächeln verschwindet mit einem Schlag aus seinem Gesicht, ihm folgt ein Ausdruck von Trauer und Wut.

In der vierten Nacht allerdings sollte sich diese schlagartig ändern. Wie die Abende zuvor rasteten wir über Nacht, diesmal an einer Lichtung in einem Wald. Wie immer wurden die Wachen eingeteilt und die anderen legten sich schlafen.
Ein paar Stunden später weckte uns der Schrei der Nachtwache, woraufhin ich mein Schild aufnahm, und nach meinem Schwert greifen wollte. Dabei hörte ich bereits das Surren der Pfeile, die aus den Büschen auf jene gefeuert wurden, die bereits aufgesprungen waren.
Dann herrschte Stille, nur unterbrochen von dem Geräusch des brennenden Lagerfeuers. Ich erhob mich vorsichtig, den Schild stets schützend vor mich haltend, doch nichts geschah. Mit mir erhoben sich noch sieben andere, der Rest unserer Truppe war gefallen. Trauer umfing uns, als wir auf die Leichen unserer Freunde blickten, gefolgt von blinder Wut. Bis in die Morgenstunden saßen wir wach am Feuer, leise Trauerlieder singend, und Rache für unsere Brüder schwörend, obwohl wir nicht wussten, wer den Hinterhalt ausgeführt hatte.
Das sollte sich ändern, als die Sonne ihre ersten Strahlen auf die Erde sandte. Gerade war ein leises Trauerlied verstummt, hörten wir Stimmen aus dem Norden unseres Lagers, noch weit entfernt, aber näher kommend. Rasch beschlossen wir, gleiches mit gleichem zu vergelten, und den Männern ebenfalls einen Hinterhalt zu stellen. Gerade noch rechtzeitig konnten wir uns in den Büschen verstecken, mit Lederrüstungen bekleidet, und beobachteten das Lager.
Dem Aussehen und der Sprache nach waren sie Südländer, wohl Söldner aus Harad, zehn an der Zahl. Sie begannen, die Leichen zu durchsuchen, wohl nach Castar und anderen Wertgegenständen. Wut überkam uns alle, doch mussten wir uns beherrschen und auf die richtige Gelegenheit warten – sie kam.
Mit lauten Schreien sprangen wir aus dem Dickicht, den ersten sechs blieb keine Zeit mehr, Waffen zu ziehen – sie fielen unseren Schwertern zum Opfer. Zwei fielen nach einem kurzen Gefecht, und die restlichen beiden wollten sich aus dem Staub machen. Weit kamen sie nicht.

Wir hatten den Tod unserer Brüder gerächt, doch keiner von uns konnte sich dadurch trösten. Mit sechzehn Mann war unser Trupp ausgezogen, acht sollten zurückkehren. Unser Kommandant, der zwei junge Söhne hatte, war gefallen, und auch einige der anderen waren verheiratet und erwarteten Kinder.
Die Leichen der Männer aus dem Süden schafften wir beiseite, doch wir wussten nicht, was mit denen unserer Kameraden passieren sollte.
Wir hatten Glück, denn eine Patrouille, die gerade auf dem Rückweg nach Dol Amroth war, passierte unser Lager. Sie halfen uns, die Leichen zurück in die Stadt zu bringen.
Mir, einem jungen Mann von damals zwanzig Jahren, wurde das Kommando über unsere Truppe übertragen, weil sich, wie man mir sagte, die überlebenden altgedienten Truppenmitglieder aufgrund meines Verhaltens bei dem Hinterhalt dafür ausgesprochen hätten. Somit stand ich im Rang eines Methîr iaur, fortan trug ich einen Dolch als Erkennungszeichen, und musste meine fünfzehn Soldaten selbst ausbilden – zum Glück standen mir die älteren Kameraden dabei zur Seite.

Als ich von meiner Beförderung erfuhr, lud ich zu einer Feier in einem der Gasthäuser Dol Amroths. Soldaten, alte Freunde, einige gleichrangige Offiziere hatte ich eingeladen – und meine gesamte Familie.
Es war ein geselliger Abend, ich freute mich, sie alle nach langer Zeit wiederzusehen: Amgond und Eladion, meine Freunde von Kindheit an; Cearyn, der mir den Weg in Gondors Heer erst ermöglicht hatte; Doronar, Curaon und Delon, meine engsten Freunde in der Ausbildung; ja, selbst mein Onkel Beladír aus Minas Tirith war gekommen; und natürlich meine Familie – meine Mutter und meine beiden Brüder.
Grenzenlos wurde meine Freude, als meine Mutter mir sagte, mein Vater wolle ebenfalls kommen, wenn er seine Geschäfte erledigt hätte. Er kam. Meine Freude konnte nicht größer sein, ich hoffte auf Versöhnung und die Anerkennung meiner Leistungen, als er die Tür zum Gasthaus betrat. Diese Hoffnung verschwand und wurde zum Gegenteil. Obwohl ich der Erstgeborene war, begrüßte er mich als letzten, eine Umarmung oder Worte des Lobes gab es nicht. Er begrüßte mich mit einem Handschlag, ein paar knappen Worten und wandte sich dann wieder meinem zweitjüngsten Bruder zu. Voll des Lobs war seine Stimme ihm gegenüber, mittlerweile hatte er sich wohl als Kaufmann selbstständig gemacht, und würde bald auch das Geschäft unseres Vaters übernehmen.
Enttäuscht ließ ich die beiden stehen und verließ das Gasthaus im Handelsviertel mit schnellem Schritt, Cearyn stürmte mir nach. Er versuchte auf mich einzureden, ich solle mir von meinem Vater nicht den Abend zunichtemachen lassen. Ich willigte ein, betrat das Gasthaus, um Amgond und Eladion zu holen, und zu viert zogen wir in ein anderes Gasthaus.

Elphir legt die Feder zur Seite, und denkt nach. An das Verhältnis zu seinem Vater, dass sich wohl nie wieder verbessern wird. An die Freunde und Kameraden, die er verloren hat. Und daran, dass die Entscheidung, ein anderes Gasthaus aufzusuchen, großen Einfluss auf sein weiteres Leben hatte.

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Mo 14. Okt 2013, 12:43 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
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Elphir schrickt aus seinen Gedanken, als ihm ein einzelner Regentropfen auf den Kopf fällt. Er richtet den Blick nach oben, der Sonnenschein, der seinen Garten bedeckte, ist einem bewölkten, dunklen Himmel gewichen. Der Vogelgesang ist verstummt, im Osten erhellt ein Blitz die dunkle Wolkenfront. Schnell nimmt der Mann Feder, Tintenfass und das Buch zur Hand und geht raschen Schrittes zu seinem Haus – keine Sekunde zu früh. Als er die Türe öffnet, setzt ein Regenschauer ein, dicht gefolgt von Blitz und Donner. Elphir nimmt einige Holzscheite, entzündet ein Feuer im Kamin, das den Raum langsam in eine warme und gemütliche Atmosphäre hüllt.
Sein Buch liegt auf dem Schreibtisch, an dem sich der Gondorrim niederlässt, nachdem er eine Pfeife gestopft und angeraucht hat. Nur unterbrochen vom prasselnden Feuer des Kamins und gelegentlichem Donner beginnt Elphir ein neues Kapitel.


Kapitel 6 – Die fürstliche Leibwache

Cearyn führte uns in ein kleines, schmuddeliges Wirtshaus namens „Grüner Fasan“ in der Nähe des Arbeiterhafens, wo seine Schwester die Schankdame war. Die üblichen Gäste waren wohl einfache Leute, Menschen die hart arbeiteten und hier das eine oder andere Bier trinken wollten. Und doch wurden wir recht herzlich aufgenommen, und spätestens als wir in einige der amüsanten Lieder, die von rauen Stimmen gesungen wurden, einstimmten, konnten wir uns dort zu Hause fühlen.
Einer nach dem anderen verließ das Gasthaus, bis am Ende nur noch Cearyn, seine Schwester Ialeth und ich bis in die frühen Morgenstunden an einem Tisch beisammen saßen und uns über Klatsch und Tratsch köstlich amüsierten.

In den nächsten Tagen danach tat ich meinen Dienst, legte Wert auf die Ausbildung meiner Männer – wie natürlich auch auf meine eigene – und fand mich in meinem neuen Rang immer mehr zurecht. Bis zu einem Abend, an dem ich erneut den Grünen Fasan aufsuchte, um dort in Gesellschaft gemütlich ein Bier zu trinken. Natürlich war auch Ialeth anwesend, und erneut blieb ich bis in den frühen Morgen, wobei wir uns diesmal über ernstere Themen unterhielten. Ich schüttete auf ihr Drängen hin widerwillig mein Herz aus, erzählte von meinem Vater und auch sie vertraute sich mir an. Ich verließ das Wirtshaus als die Sonne bereits ihre ersten Strahlen auf Dol Amroth sandte und legte mich schlafen.
Sosehr ich mich auch durch üben mit dem Schwert oder Gespräche mit Kameraden ablenken wollte, ständig glitten meine Gedanken zurück zu diesem Abend. So begannen wir, viel Zeit miteinander zu verbringen, befreundeten uns und in weiter Folge wurde diese Freundschaft stärker und enger. Immer öfter verbrachte ich nach dem Dienst Zeit mit ihr, und aus Freundschaft wurde schließlich Liebe.
Wir waren glücklich, verbrachten jeden freien Moment zusammen, was natürlich auch Cearyn nicht entging. Seine Reaktion fürchtete ich ein wenig, doch dazu gab es keinen Grund – er beglückwünschte uns.

Ich war zwanzig, als ich schlussendlich mein Zimmer in der Kaserne aufgab und zusammen mit Ialeth ein kleines Haus zwischen Arbeiter- und Kriegshafen bezog. Lange sollte ich dort allerdings nicht verweilen, mein Trupp erhielt mit einigen anderen die Order, die Stadt sofort zu verlassen, und ein dauerhaftes Lager im östlichen Belfalas zu errichten. Zweifel überkamen mich, ich wollte Ialeth nicht zurücklassen, und mitkommen konnte sie auf keinen Fall.
So fasste ich einen Entschluss: Zwei Jahre zuvor hatte ich es abgelehnt, in der Leibwache des Fürsten zu dienen. Doch nun war ich gereift, hatte vieles gesehen und erlebt, und hatte meine Fertigkeiten bewiesen – in erster Linie mir selbst. Ich sprach also mit dem Kommandanten der fürstlichen Leibgarde, und einige Tage später wurde ich ihr zugeteilt.

So konnte ich in Dol Amroth verweilen und gleichzeitig weiter Erfahrungen sammeln. Die Übungseinheiten bei der Leibwache waren hart, weitaus härter als alles, was ich bisher erlebt hatte. Doch ich verbesserte mich immer weiter, ob im Schwert- oder Faustkampf, und auch der Kontakt mit dem hohen Adel Dol Amroths, beispielsweise bei Banketten, gefiel mir, schließlich hatte ich gelernt, mich in solchen Kreisen angemessen zu verhalten. Und natürlich war ich auch stolz auf die Rüstung, die ich tragen durfte: schwere, schimmernde Schulterschützer, Stiefel und Handschuhe, am Körper ein schweres Kettenhemd und darüber einen blau-weißen Waffenrock, am Kopf einen Helm, der im Sonnenlicht wahrlich strahlte, und edle Umhänge.
Und natürlich erhielt ich eine Unterkunft in der Nähe der Zitadelle, die ich zusammen mit Ialeth bewohnte – das Haus am Hafen gaben wir auf.

Glücklich war ich zu dieser Zeit an jedem einzelnen Tag, doch die Lage sollte sich zwei Jahre später ändern.

Elphir blickt aus dem Fenster, Blitz und Donner haben aufgehört, der Regen fällt nur noch leicht vom Himmel. Er erhebt sich von seinem Stuhl und holt sich einen Krug Wein, nachdenklich überfliegt er die bisher in dem Buch geschriebenen Kapitel noch einmal.

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Do 12. Dez 2013, 16:22 
Wanderer

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Nachdem er sein Buch durchgelesen hat, nimmt er einen Schluck aus dem Krug, der auf dem Schreibtisch steht, und denkt nach. Wie könnte er das nächste Kapitel am besten beginnen? Wie soll er zu Papier bringen, warum er seine Heimat verließ?
Er schüttelt den Kopf und trinkt noch einen Schluck Wein, der ihm das Nachdenken sichtlich erleichtert. Rasch die Feder in das Tintenfass getunkt, beginnt Elphir sein Buch fortzuführen.


Kapitel 7 – Abschied aus Dol Amroth

Die Geschichte, die in diesem Kapitel folgt, ist eine traurige. Man mag versucht sein, Mitleid für mich zu empfinden – was im Kleinen angebracht sein mag, in großen Teilen allerdings nicht notwendig ist. Ich wäre wohl nicht der, der ich heute bin, hätte ich meine Heimat nicht hinter mir gelassen und eine große Reise angetreten.

Bei den letzten Worten schmunzelt Elphir ein klein wenig, bevor er weiterschreibt.

In diesen zwei Jahren, die ich in der Leibgarde des Fürsten diente, geschah vieles. Immer mehr Truppen wurden zur Verteidigung und Sicherung von Belfalas ausgesandt, und nach einiger Zeit hatte Dol Amroths Heer auch seine ersten Verluste zu beklagen. Zwar waren es nur kleine Scharmützel, doch Fürst Imrahil schien große Sorgen um Dol Amroth zu haben. Immer wieder führte er geheime Unterredungen mit hochrangigen Offizieren, während denen er sogar seine eigene Leibwache aus dem Raum schickte.
So wurde ich eines Tages von der Nachricht überrascht, dass der Fürst nach Minas Tirith reisen wolle, ich sollte seinem Begleittrupp angehören. Die Reise wurde mit großer Vorsicht geplant, wir wollten kein Risiko eingehen, und schließlich ritten wir früh an einem Morgen von Dol Amroth aus los – der Fürst und zehn Mann aus seiner Leibwache, mich eingeschlossen.
So kehrte ich nach einer ereignislosen Anreise also zurück nach Minas Tirith, nicht ahnend, dass ich schon bald erneut eine lange Zeit hier verbringen sollte. Die Zeit, die der Fürst bei Gesprächen mit dem Truchsess verbrachte, nutzte ich, um meinem Onkel und meinem Vetter einen Besuch abzustatten. Der Empfang war herzlich, mein Vetter erschlug mich beinahe mit Fragen zu meinem Dienst an der Waffe und in der fürstlichen Leibgarde, meine Tante kochte einen herrlich duftenden Eintopf. Mein Onkel drückte mit einem Blick auf meine Rüstung und einem breiten Grinsen im Gesicht seine Freude darüber aus, dass aus mir „entgegen der Erwartung meines Vaters“ auch als Soldat etwas geworden war. Die Frage, ob ich durch meine Tätigkeit in dessen Leibgarde auch privaten Kontakt zu Fürst Imrahil hatte, musste ich allerdings verneinen – es war höchst unüblich für jemanden aus der Fürstenfamilie, Kontakt zu den Soldaten zu halten.

Knapp eine Woche hielten wir uns in Gondors Hauptstadt auf, ehe Fürst Imrahil die Rückkehr befahl. Auch die Rückreise verlief ereignislos, zumindest, bis die Stadttore von Dol Amroth in Sicht waren. Kaum hatte Imrahil das Tor durchquert, kamen eine Menge Soldaten und Offiziere auf ihn zu, und redeten ohne Pause auf ihn ein. Wir geleiteten ihn zu den Ställen des Palastes, danach waren wir entlassen und durften nach fast zwei Wochen Abwesenheit in unsere Quartiere zurückkehren.
Ich freute mich auf Ialeths Gesicht, wenn sie mich erblicken würde, und ich sie endlich wieder in die Arme schließen konnte – die Freude war verflogen, bevor ich unser Quartier erreicht hatte.
Ein Soldat, der mit mir zusammen Rekrut gewesen war, hielt mich auf – und was er mir mitteilte, erschütterte mich. Offenbar war das Schiff, auf dem Delon, einer meiner engsten Freunde nicht nur in der Grundausbildung, gedient hatte, auf Grund gelaufen und nicht zurückgekehrt. Die Besatzung wurde für verschollen erklärt und ich spürte eine Trauer, wie ich sie nie zuvor gespürt hatte.

Einiges geschah in den nächsten Monaten meines Lebens, und nichts davon trug dazu bei, meine Trauer über den Verlust meines Freundes zu mindern – das Gegenteil war der Fall. Eines kam zum anderen, nach endlosen Nächten voller Streit mit Ialeth kam ich zu dem Entschluss, dass es Zeit war. Zeit, meine Heimat hinter mir zu lassen, um von all den Geschehnissen den Kopf freizubekommen. Ich löste die Verbindung mit Ialeth, trat vorläufig aus der Fürstengarde aus und verließ Dol Amroth. Erst, als ich mein Ziel erreicht hatte, schrieb ich einen Brief an meine Familie, um mich zu erklären.

Am Ende des Kapitels folgt eine kleine Fußnote.

Die Ereignisse überschlugen sich zu dieser Zeit, und sie alle hier aufzulisten würde der Übersicht dieses Buches erheblich schaden – daher habe ich einen Teil in diesem Kapitel angeführt, und zu einem späteren Zeitpunkt werden die restlichen angeführt.

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Zuletzt geändert von Elphir am Do 12. Dez 2013, 16:25, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Do 12. Dez 2013, 16:23 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
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Direkt nachdem das letzte Kapitel beendet wurde, blickt Elphir auf. Sieht aus dem Fenster in seinen Garten, dann wieder in sein Buch. Dieses Spiel wiederholt sich einige Male, bevor er die Feder erneut in das Tintenfass tunkt und zu schreiben beginnt.

Kapitel 8 – Eine Reise in die Kindheit

Ich hatte Dol Amroth verlassen, ritt ohne einen Blick zurück zu werfen fort, ohne ein Ziel zu haben. Leichtes Gepäck trug ich mit mir, dazu Schwert, Schild und eine aus Leder gefertigte Rüstung. Je weiter ich mich vom Stadttor entfernte, desto leichter schien mein Herz zu werden.
In den ersten Tagen durchstreifte ich Belfalas, nächtigte unter freiem Himmel und genoss die Ruhe und Freiheit. Doch bald wurde mir klar, dass ich ein Ziel brauchte, eine Möglichkeit, Geld zu verdienen – darauf gab es nur eine Antwort: Minas Tirith, Gondors Hauptstadt und Teil meiner Kindheitserinnerungen. Ich machte mich auf den Weg, und einige Tage später hatte ich die Stadt erreicht. Die ersten Nächte verbrachte ich bei meinem Onkel, der sich freute, mich zu sehen. Und auch ich freute mich, wieder in der Stadt zu sein, die ich aus meiner Kindheit noch genauso auswendig kannte wie Dol Amroth. Mit zwölf Jahren hatte ich sie verlassen, mit Dreiundzwanzig war ich zurückgekehrt.

Zwar bot mein Onkel mir an, mich kostenlos mit Speis, Trank und einem Schlafplatz zu versorgen, doch ich wollte mir mein Leben selbst ermöglichen. Ich fand Arbeit bei einem Rüstungsschmied, ein alter, kauziger Kerl, aber wohl ein Fachmann auf seinem Gebiet. Ich verdiente nicht besonders gut, konnte mir aber ein Zimmer im dritten Ring leisten, nur einen Steinwurf von meinem Arbeitgeber entfernt. Meine Freizeit verbrachte ich größtenteils in der Bibliothek meines Onkels oder im Wirtshaus, und so begann ich mich an das Leben in der weißen Stadt zu gewöhnen.
Einige Monate nach meinem Aufbruch aus Dol Amroth schrieb ich meiner Mutter einen Brief, in dem ich sie bat, mir meine in der Heimat verbliebenen Gegenstände zu senden. Tatsächlich war es nach einigem Brieffverkehr so weit, eines Tages wurde mir eine Truhe mit meinen Habseligkeiten gebracht. Allerdings schien sie alles, was einmal mir gehört hatte, in diese Truhe gesteckt zu haben, zu erkennen an deren Größe: Massives Eichenholz, sicherlich 6 mal 3 Fuß groß.
Als sie sich in meinem Zimmer befand, öffnete ich sie. Ein Briefumschlag war auf der Innenseite des Deckels angebracht, er enthielt ein paar Zeilen von meiner Mutter – und einige der wertvollsten Schmuckstücke meines Vaters. Drei Ringe und zwei Ketten hatte sie mir zukommen lassen, um, wie sie schrieb, „für schlechte Zeiten gewappnet“ zu sein.
Doch der Umschlag enthielt noch etwas: Ein Armband, welches ein Familienerbstück meiner Mutter war. Sie hatte es von ihrer Mutter bekommen, diese wiederrum von ihrer.

Ich war gerührt, und dennoch neugierig, was sich sonst noch in der Truhe befinden würde, daher begann ich, sie zu leeren. Neben Kleidern, Büchern und dem Schmuck lag auch meine Rüstung in der Truhe, die nach meinem Ausscheiden aus der Garde meiner Familie überbracht wurde.

So verbrachte ich die nächsten drei Jahre in Minas Tirith, doch auch von hier zog es mich weg. Es war mir selbst unerklärlich, doch zog es mich ständig in den Norden, fort aus Gondor und hin in das alte Herrschaftsgebiet Arnors. Ich hatte vieles darüber gelesen, nun wollte ich es mit eigenen Augen sehen. Ich bereitete meine Reise vor, die Truhe mit meinen Habseligkeiten vertraute ich meinem Onkel an, den Umschlag mit den Schmuckstücken allerdings nahm ich mit. Meine Arbeit bei dem Schmied legte ich ebenfalls nieder, und eine Woche später brach ich auf.

Elphir blickt lächelnd auf die letzten Worte des Kapitels. So vieles hat er erlebt, in den zwei Jahren fern der Heimat. Zwerge kreuzten seinen Weg, Annúminas hatte er gesehen und sogar gemeinsam mit den Wächtern verteidigt.

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: Do 12. Dez 2013, 16:24 
Wanderer

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Einige Minuten schwelgt der Mann in Gedanken, insbesondere an einen guten Freund, den er lange nicht mehr gesehen hat. Um ihn wird sich dieses nächste Kapitel wohl zum größten Teil drehen, einen Zwerg vom einsamen Berg, und die Geschichte, die Elphir mit ihm zusammenführte.

Kapitel 9 – eine Freundschaft entsteht

So ließ ich also erneut eine Heimat hinter mir, diesmal allerdings war es Minas Tirith, welches ich verließ. Entlang des weißen Gebirges ging ich nach Westen, um durch einen steilen Gebirgspass in den Norden zu gelangen. So umging ich Rohan und hielt mich nur kurze Zeit an dessen Pforte auf, bevor ich ins Dunland weiterreiste.
In dessen größtem Dorf, Galtrev, betrat ich eines Abends ein Wirtshaus. Alles war wie immer, misstrauische, unfreundliche Blicke, an die man sich rasch gewöhnte. Ich mietete ein Zimmer für die Nacht, setzte mich an einen etwas abgelegenen Tisch mit Blickrichtung auf die Türe des Wirtshauses und genehmigte mir einen Krug Bier und etwas Brot. Keine besonders edle Mahlzeit, doch wurde mein Geldbeutel immer leerer, und die Reise in den Norden war noch weit.
Nach dem Essen saß ich Pfeife rauchend an meinem Tisch, als die Türe sich öffnete. Alle Augen schienen sich zum Eingang zu richten, ich konnte jedoch nicht erkennen, weshalb, da die Schank mir die Sicht verstellte. Aber kurze Zeit später erblickte ich ihn – einen Zwerg, mitten im Dunland!

Er setzte sich an einen der Nachbartische, lehnte die Axt an diesen und nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Bierkrug. Diese Zeit nutzte ich, um ihn etwas genauer zu beobachten. Vieles hatte ich über Zwerge gehört, dass sie stur wären, goldgierig und mürrisch. Aber auch, dass sie edel und stolz wären, und gerne ihren Reichtum zur Schau stellten. Bei diesem war das ohne Zweifel der Fall. Unter dem Bart, der bis zum Brustbein reichte, blinkte eine goldene Kette mit einem eingelassenen, großen Edelstein, an den Finger trug er edelsteinbesetzte Ringe, selbst seine Reisegewänder schienen wertvoll zu sein.
Nicht nur mir war dies aufgefallen, auch die Dunländer wurden zunehmend auf die Schmuckstücke des Zwerges aufmerksam, gierige Blicke richteten sich auf ihn, der sich wohl auf die vor ihm stehende Schüssel voller Eintopf konzentriert hatte. Um den Einheimischen zuvorzukommen, erhob ich mich und begrüßte den Zwerg höflich, stellte mich vor und um nicht sofort abgewiesen zu werden, sagte ich ihm, ich müsse mit ihm sprechen. Jedoch machte er nicht die geringsten Anstalten, mich abzuweisen, ganz im Gegenteil: Er bestellte einen Krug Bier und eine Schüssel Eintopf für mich und bot mir höflich und zuvorkommend den Platz gegenüber von ihm an.
So kamen wir ins Gespräch, zu Beginn war er ein wenig verschlossen, doch als ich ihm von der Heimat, insbesondere von dem aus dem Fels gehauenen Minas Tirith, erzählte, bemerkte ich den Ausdruck der Begeisterung in seinen Augen. Nachdem ich ihm die Gründe für meine Reisen genannt hatte, erzählte er mir seine Geschichte.
Der Zwerg – Karfi war sein Name – war mit einer Gruppe Händler unterwegs zu Thorins Hallen in den Blauen Bergen, um dort seinen Waffenschmiedekünsten den letzten Schliff zu geben. Kurz vor dem Rothornpass allerdings wurde er von der Gruppe getrennt und beschloss, den gefährlichen Weg über den Hohen Pass nicht alleine zu wagen, sondern stattdessen über die Pforte von Rohan und die Sarnfurt zu den Hallen zu gelangen.
Nachdem er seine Geschichte erzählt hatte, begann er, von seiner Heimat, dem einsamen Berg, zu schwärmen. Von Gastfreundschaft, köstlichem Zwergenbier, Lampen, heller als das Licht der Sterne, von Säulen, die wie Bäume aus dem Stein gehauen waren – und von den Erzeugnissen des einsamen Berges. Waffen, Schmuck und Zauberspielzeuge, die ihresgleichen suchten.

Lange unterhielten wir uns an diesem Abend, schwärmten dem jeweils anderen aus unserer Heimat vor und tauschten Geschichten und Legenden unserer Völker aus. Kurz vor Morgengrauen brach der Zwerg auf, um seine Reise fortzusetzen, ich legte mich bis Sonnenaufgang schlafen, sattelte mein Pferd und machte mich auf den Weg, weiter in den Norden.
Plötzlich sah ich etwas, das mich stutzig machte. Am Vorabend hatte mir Karfi eines der Zauberspielzeuge vom einsamen Berg gezeigt, er hatte es von seinem Vater bekommen, als er noch ein junger Zwerg gewesen war – und jetzt sollte es hier am Boden liegen? Ich stieg von meinem Pferd, suchte im Gebüsch nach weiteren Hinweisen – und wurde fündig. Karfis Axt lag am Boden, eine Blutspur führte weiter in das Dickicht. Ich folgte dieser, und schon nach wenigen Schritten hörte ich Lärm aus einer Richtung dringen. Ich schnallte den Schild um, zog mein Schwert und sprang aus dem Gebüsch, die Dunländer, die den gefesselten Zwerg gerade durchsuchten, ließen ihre Beute fallen und nahmen Reißaus.
Ich befreite Karfi, und mit den Worten: „Ihr habt mein Leben gerettet, und diese Banditen davon abgehalten, den Schmuck meiner Familie zu rauben. Ich stehe doppelt in Eurer Schuld.“ bedankte er sich und garantierte mir zwei Gefallen. Nahe dieser Stelle schlugen wir ein Lager auf und beschlossen, ab nun gemeinsam weiterzureisen, um so etwas nicht noch einmal geschehen zu lassen.
Wir überquerten die Sarnfurt, reisten durch das Auenland und die Blauen Berge, bis wir schließlich die Hallen von Thorin erreichten. Zu diesem Zeitpunkt waren wir längst gute Freunde, ich kannte viele Geschichten der Zwerge ebenso, wie Karfi die Geschichten von Gondor und Arnor.

Mit seinen Gedanken schweift Elphir erneut ab, diesmal in den Westen des Breelandes, zu den Blauen Bergen. Wie es seinem Freund wohl ergehen mag? Ob er ebenfalls plant, bald nach Hause zurückzukehren?

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 Betreff des Beitrags: Re: An meine Kindeskinder und spätere Generationen
BeitragVerfasst: So 27. Apr 2014, 20:49 
Wanderer

Registriert: So 24. Mär 2013, 13:46
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In den nächsten Kapiteln fasse ich mich kurz, denn die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen, und viel gibt es noch zu berichten, das ich vor mir hergeschoben habe. Ich will dieses Buch beenden, bevor ich in den Krieg ziehe, und die Zeit, jedes kleinste Detail zu notieren, habe ich nicht. Sollte ich sie finden, wenn diese dunklen Tage hinter mir liegen, werde ich sie jedoch ergänzen.

Ein paar Minuten herrscht Ruhe in dem Zimmer, in dem Elphir an dem Schreibtisch sitzt, nachdem er diese Einleitung für die nächsten Kapitel geschrieben hat. Dann erhebt er sich, stopft eine Pfeife, und beginnt zu rauchen. Der Blick gleitet zu einer Karte, die vor ihm auf dem Tisch liegt, und seine Gedanken schweifen zu dem Zwerg Karfi in das Blaue Gebirge. Ob er noch dort ist? Wie es ihm wohl ergangen ist? Nur kurz lässt der Mann aus Gondor diese Gedanken zu, danach beugt er sich wieder über sein Buch und schreibt weiter.

Kapitel 10 – Ein Stück Heimat

Einige Monate verbrachte ich in Thorins Hallen, erlernte von den Zwergen einige Kniffe beim Schmieden von Waffen und Rüstungen und fühlte mich dort wohl. Und doch, ich sehnte mich nach meinesgleichen – denn selbst bei all ihrer Höflichkeit und Gastfreundlichkeit bleiben Zwerge eben doch Zwerge, und mir fehlte der Umgang mit den Menschen. Also fasste ich den Entschluss, nach Bree zu reisen.
Ist man den Anblick der großen und prächtigen Städte Gondors gewohnt, wirkt diese „Stadt“ eher wie ein kleines, ländliches Dorf; nichtsdestotrotz ist es heute eine der wichtigsten Städte des Nordens, denn hier kreuzen sich die Alte Oststraße und die Nordstraße, die hier Grünweg genannt wird. Bedeutend für diese Geschichte ist allerdings nur das Gasthaus zum Tänzelnden Pony, in dem ich die ersten Wochen meines Aufenthaltes in Bree verbrachte. Dort versammeln sich allerlei Leute, finstere Gesellen genauso wie einige der Halblinge – Hobbits nennt man sie im Norden – und normale Bürger der Stadt. Dennoch, ein Ort um dauerhaft dort zu verweilen war für mich weder das Gasthaus, noch die Stadt an sich.
So traf es sich, dass ich Gerüchte über eine Gemeinschaft von Menschen Gondors hörte, die sich im Norden, nicht weit entfernt von Bree, befinden sollte.
Ich begab mich zu dem Haus der Gemeinschaft, und bereits als ich es betrat, fühlte ich mich zu Hause. Der Empfang war herzlich, und schließlich wurde ich als Mitglied in der Gemeinschaft willkommen geheißen. Es war zwar nicht Gondor, doch immerhin ein Stück Heimat in der Fremde.
Ich nahm die Möglichkeit wahr, meine Unterkunft im Tänzelnden Pony zu Bree zu verlassen, und bezog für die nächsten Wochen eines der Gästezimmer am Haus der Gemeinschaft in Goldsengen nahe Bree. Dennoch verbrachte ich den Großteil meiner Zeit in der nahen Stadt, denn dort gab es alles, was ich benötigte – ich konnte die Übungsplätze der Stadtwachen nutzen, das eine oder andere Bier im Pony trinken, oder auch einen Spaziergang unternehmen.
Seitdem ich Gondor verlassen hatte, war ich darauf bedacht, meine Fähigkeiten im Schwertkampf weiter auszubauen – es sollte sich lohnen.

Elphirs Blick wandert zurück auf die Karte, diesmal allerdings weiter in den Norden und Westen Brees – ein großer See ist dort eingezeichnet, und sofort denkt er zurück an die Zeit unter den Wächtern der alten Stadt. An die einst prachtvollen Bauwerke dort, und die Ruinen, die sie heute sind – würden die großen Städte Gondors einst genauso verfallen und zerstört sein?
Elphirs Blick fällt von der Karte zu dem Schwert, das in der Ecke lehnt, und verdunkelt sich.
„Nicht, solange ich noch lebe…“ murmelt Elphir leise, trinkt schließlich einen Schluck aus dem Krug, der auf dem Schreibtisch steht, und bringt seine Geschichte weiter zu Papier.

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